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Haftstrafe auf Bewährung

Tobias Voss kassiert Niederlage vor Gericht

Essen / Dorsten. Zu einer Haftstrafe von einem Jahr und acht Monaten auf Bewährung wegen schwerer Körperverletzung hat das Landgericht Essen am Donnerstag den ehemaligen Kickboxweltmeister Tobias Voss verurteilt. Der Vorwurf der räuberischen Erpressung wurde fallen gelassen: Er konnte „nicht ausreichend“ untermauert werden, meinte das Gericht.

Tobias Voss kassiert Niederlage vor Gericht

Eine Niederlage vor Gericht kassierte der ehemalige Kickboxweltmeister Tobias Voss am Freitag. Das Landgericht Essen verurteilte ihn zu einer Haftstrafe auf Bewährung. Foto: Pieper

Als der Vorsitzende Richter Martin Hahnemann am späten Nachmittag das Urteil sprach, blieb die Miene von Tobias Voss beinahe ungerührt. Enttäuschung oder Empörung – schwer zu sagen. Zu einer Haftstrafe von einem Jahr und acht Monaten, ausgesetzt zur Bewährung, verurteilte die 16. Große Strafkammer den ehemaligen Kickbox-Weltmeister aus Dorsten wegen gefährlicher Körperverletzung. Dazu kommen noch 150 Stunden gemeinnützige Arbeit. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Haftstrafe von drei Jahren und zehn Monaten gefordert, die Verteidigung einen Freispruch. Das Gericht folgte in gewisser Weise den Argumenten beider Seiten.

Voss hatte während der drei Verhandlungstage immer wieder von Notwehr gesprochen („Ich hatte Angst“), als er am 26. Februar einen alten Freund vor dessen Wohnung an der Gladbecker Straße abpasste. Sein Gegenüber zückte ein Messer, da schlug der Boxer zu. Doch diese Version widerlegte ein Rechtsmediziner am Donnerstag. Angesichts der Bruchstellen am Kiefer des Opfers gehe er davon aus, dass der Schlag „mit deutlicher Kraftintensität“ von schräg hinten erfolgte. „Das ist potenziell lebensgefährlich.“

Kritik am Nebenkläger
Was sich dann in der Wohnung abspielte, blieb nach Überzeugung des Gerichts im Dunkeln. Belege, dass das Opfer gefesselt, bedroht und erpresst wurde, gebe es nicht. Der Vorwurf der räuberischen Erpressung wurde fallengelassen, mehr noch: Richter Hahnemann ließ kein gutes Haar an dem Opfer: „Wir haben selten einen Nebenkläger gehabt, der versucht hat, ein solch schlechtes Bild von einem Angeklagten zu zeichnen. Er wurde als halber Terrorist dargestellt.“ Unklar blieb auch das Motiv. „Da ist etwas zwischen ihnen, das sie uns nicht sagen wollen.“

Während die Freundin von Tobias Voss freigesprochen wurde, wird der Anwalt des Boxers wohl in die Revision gehen. Derweil droht weiterer Ärger: Wenige Tage nach der Attacke wurde die Wohnung des Boxers an der Borkener Straße durchsucht. Dutzende Messer, ein paar Sturmhauben, Schusswaffen und Baseballschläger wurden beschlagnahmt, außerdem ein Schlagring und ein Nunchaku. Und dann ist da noch eine Schlägerei am Kanal, in die der Boxer verwickelt gewesen sein soll. Ein Verfahren wegen Bedrohung wurde nach Angaben der Verteidigung indes eingestellt.

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