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Opfer schildert angebliches Martyrium

Voss-Prozess: Viele Fragen sind noch offen

Dorsten/Essen Am zweiten Prozesstag gegen den ehemaligen Kickbox-Weltmeister Tobias Voss ist noch kein Urteil gesprochen worden. Zu viele Dinge sind noch im Unklaren. Entscheidende Bedeutung könnte die Aussage eines Rechtsmediziners haben.

Voss-Prozess: Viele Fragen sind noch offen

Tobias Voss (r.) aus Dorsten wurde 2015 Kickbox-Weltmeister.

Frauen sind ihm nichts wert. Er ist streitsüchtig und gewalttätig. Er ist an Einbrüchen auf Baustellen beteiligt und pflegt rechtes Gedankengut. Dieses Bild von Tobias Voss zeichnete am Freitag das vermeintliche Opfer, doch es bekam im Laufe der Verhandlung einige Risse. Da war zwar von einer Schlägerei beim Altstadtfest in Dinslaken die Rede, von einem verprügelten Autofahrer, einer Diebesserie und parallelen Liebesbeziehungen - aber beweisen oder mit Daten belegen konnte der Zeuge all dies nicht. Vieles "weiß" er nur vom Hörensagen, Chat-Verläufe bei WhatsApp hat er gelöscht. 

Was aber hat sich am 26. Februar vor und in seiner Wohnung an der Gladbecker Straße tatsächlich abgespielt? War es ein feiger Überfall oder eine Notwehrsituation? Diese Frage konnte die 16. Strafkammer des Landgerichts Essen noch nicht mit letzter Gewissheit beantworten.

War es ein Martyrium?

Der 27-jährige Dorstener schildert detailliert das Martyrium, das ihm widerfahren sein soll: wie er brutal verprügelt wurde. Wie er ins Badezimmer geschleppt und gefesselt wurde. Wie er bedroht und um Schutzgeld erpresst wurde. Wie ihm Haare mit einer Schere abgeschnitten wurden und wie er von Voss und seiner Freundin schließlich unter Androhung weiterer Gewalt wieder freigelassen wurde. Doch war es so? Und warum kamen weder Opfer noch enge Freunde und Familienangehörige auf die Idee, sofort Anzeige zu erstatten?

Das Gericht und die Staatsanwaltschaft wunderten sich mehrfach, dass das Opfer in verschiedenen Vernehmungen im Detail unterschiedliche Angaben gemachte hatte. Auch das Motiv des vermeintlichen Überfalls ist unklar: Ging es vor allem um das Ventil eines Baukrans, mutmaßlich Diebesgut, das der Zeuge für den Ex-Boxchamp aufbewahrt haben will. Oder spielen auch diverse Frauengeschichten aus der Vergangenheit eine Rolle?

Drei jungen Frauen sollen aussagen

Das alles will das Gericht am 2. November ergründen. Dann sollen drei junge Frauen in den Zeugenstand, die behauptet haben sollen, dass sich Voss an dem 27-jährigen Dorstener habe rächen wollen. Der wiederum wohnt inzwischen nicht mehr mit seiner Freundin in der Stadt. "weil wir uns nicht mehr sicher fühlen".

Essen/Dorsten Die Vorwürfe gegen den ehemaligen Kickbox-Weltmeister Tobias Voss wiegen schwer. Doch zum Prozessauftakt am Mittwoch beantragte sein Anwalt, das Verfahren einzustellen. "Vieles ist nicht so, wie es scheint." Die Vorgehensweise von Staatsanwaltschaft und Polizei kritisierte er scharf.mehr...

Ein anderer, aber womöglich ganz entscheidender Aspekt kam erst gegen Ende des mehr als sechsstündigen Verhandlungstages zur Sprache: Der ehemalige Kickbox-Weltmeister hatte im Gerichtssaal anschaulich geschildert, wie er den Messer-Angriff seines Gegenübers mit der linken Hand abwehrte, um dann mit rechts zuzuschlagen. Das Opfer erlitt aber nicht, wie vielleicht zu vermuten wäre, einen Kieferbruch in der linken Gesichtshälfte, sondern in der rechten. Ob das möglich ist, soll ein Rechtsmediziner am 2. November ebenfalls erklären.  

 

 

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