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Ex-Mitglieder von Room 2012

Das machen die Popstars-Gewinner Tialda und Sascha heute

DORTMUND Tialda van Slogteren und Sascha Salvati waren Gesichter der Generation Castingshow. 2007 haben sie die Show Popstars gewonnen und wurden Teil der Gruppe Room 2012. Heute, zehn Jahre später, hat sich vieles geändert. Ein Gespräch über verfliegenden Ruhm, ihre Wahlheimat Dortmund und Auftritte bei Hochzeiten.

Das machen die Popstars-Gewinner Tialda und Sascha heute

Tialda van Slogteren und Sascha Salvati haben vor zehn Jahren bei der Casting-Show Popstars gewonnen. Jetzt haben sie eine Coverband und singen auf Hochzeiten. Foto: Abdel Caprice

Die Geschichte der Popstars-Gewinner von Room 2012 war relativ schnell wieder zu Ende geschrieben. Ein paar Chart-Platzierungen waren drin, große Tourneen, aber so viel Erfolg wie einst die Popstars-Vorgänger-Bands No Angels und Brosis hatte die Gruppe nicht. Die Geschichte von Tialda van Slogteren und Sascha Salvati aber ging weiter. Sie verliebten sich ineinander, Tialda zog zu Sascha in die Wahlheimat Dortmund.

Hier leben sie noch immer, mit ihren Katzen am Stadtrand in Kirchderne. Sie haben eine Coverband, Beatpakk, und eine eigene Musikagentur. Am Samstag (9.12.) feiern sie im Domicil mit einem Konzert ihr Zehnjähriges im Musikgeschäft. Jana Klüh hat mit ihnen über Castingshows, Oberflächlichkeit und Hochzeiten gesprochen.

Wenn Sie heute noch mal entscheiden könnten, würden Sie noch mal bei einer Casting-Show mitmachen?

Tialda: Zur damaligen Zeit war es die richtige Entscheidung. Sonst wäre ich nie nach Deutschland gekommen und wir hätten nicht so eine tolle Zeit gehabt. Heute, in diesen Zeiten, würde ich es nicht noch mal machen. Es gibt einfach zu viele Casting-Shows.

Sascha: Aus heutiger Sicht war es die beste Entscheidung, die ich je treffen konnte, da mitzumachen. Wenn ich aber heute 23 wäre, würde ich es mir gut überlegen. Castingshows haben nicht mehr den Stellenwert wie noch vor 10 oder 15 Jahren.

Tialda: Nach der Casting-Show war man früher zumindest ein, zwei Jahre bekannt. Heute kommt danach gar nichts mehr.


Ist das Modell Castingshow ausgelaufen?

Sascha: Ja, das was da im Fernsehen läuft, das sind Unterhaltungssendungen, Talentwettbewerbe. Es sind eigentlich keine Castingshows mehr. Ein Casting impliziert doch: Ich suche jemanden, mit dem ich im Anschluss ein Projekt machen möchte. Bis vor einigen Jahren war es noch so, dass die Leute danach ein Album veröffentlicht haben. Aber heutzutage kaum noch. Es gibt von den Fernsehsendern nicht mehr diesen Rückhalt.

Man kann sich jetzt mit anderen messen, vielleicht eine Reichweite für Social Media aufbauen. Aber man bekommt eigentlich keinen Eintritt mehr in diese Musikindustrie. Ich glaube die Erfahrungen, die wir damals gemacht haben, die kann man heute gar nicht mehr machen.

Tialda: Und diese Tourneen, das Herumreisen und Auftreten, das war immer das Tollste.

Wie hat sich das Musikgeschäft in den vergangenen zehn Jahren geändert?

Sascha: Es ist unglaublich, wie viel sich verändert hat. Dann komme ich mir immer total alt vor. Als wir bei Popstars mitgemacht haben, gab es noch keine Smartphones, kein Whatsapp, kaum einer hat Youtube oder Facebook genutzt. Myspace war das große Ding. Es gab gar nicht diese Möglichkeit, so intensiv mit den Fans zu kommunizieren. Social Media hat das Geschäft stark verändert.

Zum Vor- oder Nachteil?

Sascha: Ich sehe es als Vorteil. Man kann heute so vieles selbstmachen, Lieder aufnehmen, Videos drehen und das alles bei Instagram einstellen und sofort viele Leute erreichen. Früher war das wirklich ein riesiger Aufwand.

Tialda: Aber es ist viel schwieriger, mit der Musik durchzustarten. Es gibt so viel Konkurrenz. Man kann zwar alles auf Youtube posten, aber ob man damit etwas erreicht, das weiß man nicht.

Sascha: Und auch finanziell ist eine andere Geschichte. CDs kauft ja keiner mehr, weil es die Streamingdienste gibt.

Tialda: Ja, jetzt leben wir vom Auftreten.

Wie oberflächlich ist das Musikgeschäft?

Sascha: Die Leute sollen das Gefühl bekommen, dass sie dich kennen, obwohl sie dich eigentlich nicht kennen. Zur Hoch-Zeit von Room 2012, da kamen oft Leute an, die glaubten, mich wirklich gut zu kennen. Aber das, was sie kennengelernt haben, war ja nur das, was eine Fernsehshow von dir ausgestrahlt hat. Das ist ja nur ein ganz kleiner Teil deiner Persönlichkeit.

Ist die Oberflächlichkeit dann auch ein Schutzmantel?

Tialda: Ich finde, wenn man nichts zu verbergen hat, dann dürfen die Fans auch alles über mich wissen. Ich möchte gerne ein Band zu den Leuten aufbauen, die meine Musik hören.

Sascha: Man versucht schon, so viel wie möglich zu teilen, aber es gibt ein paar Dinge, die ich eher privat halten würde. Es ist ja auch nicht immer alles Sonnenschein. Wir haben auch Probleme.

Aber ist es dann nicht schwierig, auf der Bühne trotzdem so zu tun, als wäre alles in Ordnung?

Sascha: Ich hab da ein konkretes Beispiel: Kurz nach dem Popstars-Sieg waren wir auf Tour mit DJ Bobo. Wir waren irgendwo im Süden von Deutschland. Und mein Opa ist gestorben. Ich war todtraurig, hab aber an dem Tag noch die Show irgendwie durchgezogen. Dann bin ich, so schnell es ging, nach Hause gefahren. Und nach der Beerdigung bin ich sofort zurück zur Band gefahren. Die Show muss halt immer weitergehen. Das ist eine ganz tiefe Einstellung. Man kann dann vieles ausblenden. Und: Der Fan, der vor der Bühne steht, der hat es verdient, eine gute Show zu bekommen.

Sie haben auch mal als Support von Rihanna gesungen. Was haben Sie von ihr gelernt?

Sascha: Wir waren in Ischgl zur Eröffnung der Ski-Saison. Als wir auf der Bühne waren, wurden wir komplett ausgebuht. Das war das erste Mal, dass wir mit so einer Situation konfrontiert wurden. Wir haben einfach weitergemacht, dann wurde auch das Buhen leiser. Und dann kam Rihanna auf die Bühne. Aber auch sie wurde ausgebuht.

Tialda: Die wollten einfach nur Schlager und Apres-Ski hören. Das war gar nicht persönlich gemeint. Das haben wir daraus gelernt.

Sascha: Zu Rihanna selbst hatten wir aber keinen Kontakt. Das hat nicht geklappt.

Wer ist Ihr persönlicher Popstar?

Tialda: Michael Jackson.

Sascha: Ja, er ist der Inbegriff des Popstars, ein gigantisches Vorbild. Ich denke an diese Größe wird niemals jemand herankommen.

Tialda: Und Beyonce – wegen ihrer Stimme, der Show, ihrer ganzen Erscheinung.

Sie sind damals von heute auf morgen bekannt geworden. Als die Band zerbrochen ist, wurde es ruhiger. Wie wichtig ist Ihnen heute Ruhm?

Tialda: Früher wollte ich das gerne. Jetzt ein bisschen weniger, denn jetzt mache ich genau das, was ich liebe. Wir treten jedes Wochenende auf und machen Musik. Ich würde mich trotzdem freuen, noch mal irgendwann mit der eigenen Musik durchzustarten.

Sascha: Ich glaube, das Allerwichtigste ist, dass man seinen Job gerne macht. Viele sind unzufrieden und machen etwas Sicheres, statt ihrem Herzen zu folgen. Aber das ist viel wichtiger als Ruhm. Wir machen das, was wir lieben, und wir haben das große Privileg, dass wir davon auch gut leben können. Das Berühmtsein ist wichtig, damit man seinen Job machen kann – wir möchten ja, dass Leute zu unseren Auftritten kommen. Aber wenn der Hauptgrund etwas zu tun ist, berühmt zu werden, dann wird man langfristig nicht glücklich.

Sind Sie trotzdem damals in ein Loch gefallen, als es von ganz oben eigentlich nur bergab ging?

Sascha: Doch, damals sind wir in ein tiefes Loch gefallen.

Tialda: Jetzt, mit der Erfahrung, sehen wir es anders.

Sascha: Aber man muss auch sagen: Ich habe mit 15 das erste Mal professionell Musik gemacht. Bei Popstars war ich 23. Zuvor habe ich bei anderen Castingshows mitgemacht. Ich habe lange daran gearbeitet, Erfolg zu haben. Es war ja nicht nur so, dass wir einfach gewonnen haben und dann bekannt waren. Da steckt viel Arbeit hinter. Und wenn das dann wegbricht, ist das brutal. Wir konnten da damals nicht so gut mit umgehen. Wir hatten aber auch keine Ahnung von der Geschäftswelt, wir waren nur Musiker. Das andere haben wir erst später gelernt.

Lebt man in einer Blase?

Sascha: Ja, schon. Du wirst als Musiker auch ein bisschen dumm gehalten. Man möchte nicht, dass du alles weißt. Und auch nicht, dass du fragst. Und wenn du fragst, wirst du unbequem und dann beschleunigt man nur den Prozess des Auslaufens.

Das ist einer der Gründe, warum wir heute alles selbst machen. Wir haben die Managements und Produzenten gekündigt.

Tialda: Ja, und jetzt wissen wir auch, wie viel Arbeit das ist. Da haben wir mehr Verständnis und Respekt für die Entscheidungen, die damals getroffen wurden.

Dortmund ist Ihre Wahlheimat, aber für die Musikbranche nicht so bedeutend wie Berlin oder Hamburg. Warum sind Sie hiergeblieben?

Tialda: Ich kann von hier jederzeit nach Holland fahren zu meiner Familie. Und in Berlin gibt es so viele Bands, vor allem Coverbands. Hier in Dortmund gibt es das noch nicht so oft.

Sascha: Wir wollen ja gebraucht werden und nicht xyz sein. Wir haben uns gegen den Rat vieler Manager entschieden, hier zu bleiben. Wir waren viel unterwegs, haben viele Städte gesehen. In Dortmund können wir uns jetzt zu Hause fühlen. Auch wenn man hier vielleicht nicht so erfolgreich werden kann. Aber Erfolg liegt ja auch immer im Auge des Betrachters.

Sie singen auch auf Hochzeiten. Welches Lied müssen Sie immer singen?

Tialda: „Ja“ von Silbermond. Ganz klar. Und „Dir gehört mein Herz“.

Sascha: Ja, und von John Legend „All of me“. Wir lieben diese Hochzeitsauftritte. Es sind mit die besten. Man ist in so einer kleinen Gesellschaft ...

Tialda: ... und die Leute sind immer glücklich.

Sascha: Man darf so einen wichtigen Moment mit den Menschen teilen. Es ist ist mir immer wieder eine Ehre. Als wir damit angefangen haben, da war es auch noch nicht sehr verbreitet, dass Pop-Sänger in der Kirche gesungen haben. Da war es schwierig, die Pastoren davon überzeugen, viele wollten das nicht. Aber das hat sich geändert, die Pastoren sind offener dafür geworden. Und es gibt immer mehr freie Trauungen.

Wollen Sie auch heiraten?

Tialda: Wir sind gerade glücklich. Wieso sollen wir es jetzt ändern?

Gibt es für Sie noch einen Plan B neben der Musik?

Tialda: Nein.

Sascha: Wir denken da immer mal wieder drüber nach. Wir haben natürlich immer noch Druck. Aber wir machen das jetzt schon so lange, da werden wir es auch noch weitere 30 Jahre machen.

Am Samstag geben Sie im Domicil ein Konzert. Warum sollte man kommen?

Sascha: Man erlebt eine Band, die seit vielen Jahren gereift ist. Es ist sicher auch interessant mitzubekommen, wie sich so ein Casting-Act weiterentwickeln kann. Wir covern den größten Teil der Songs. Es wird eine richtig gute Party.

Sascha Salvati (33) kommt ursprünglich aus Werl, lebt seit elf Jahren in Dortmund. Seine Freundin Tialda van Slogteren (32) ist in Haarlem in den Niederlanden aufgewachsen.

Das Konzert am Samstag (9.12.) im Domicil, Hansastraße 7-11, beginnt um 20 Uhr.

Der Eintritt kostet an der Abendkasse 20 Euro. Im Vorverkauf gibt‘s die Karten für 17 Euro hier.

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