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Wärme statt Kälte

Diakonie bittet um Solidarität für Obdachlose

DORTMUND Die Dortmunder Diakonie betreut immer mehr Obdachlose und stößt dabei inzwischen an ihre Grenzen. Mit einer Kampagne bittet sie um mehr Aufmerksamkeit für die Betroffenen, denen im Winter die Kälte zusetzt. Helfen können nicht nur Beratungsstellen, sondern auch die Bürger.

Diakonie bittet um Solidarität für Obdachlose

Thomas Bohne und Heike Ester von der Dortmunder Diakonie verteilen kleine Handwärmer an Bürger, damit sie diese an Obdchlose weiterverteilen. Foto: Peter Bandermann Foto: Foto: Peter Bandermann

Der Älteste unter Dortmunds Obdachlosen ist um die 80. Die Jüngsten sind noch nicht einmal erwachsen. Bis zum 1. Dezember 2017 betreute die Diakonie 1812 von ihnen und will Dortmunds Bürger jetzt im Winter wachrütteln, damit die Obdachlosen in der Stadt bei bitterer Kälte nicht für immer einschlafen. In der Innenstadt verteilt die Diakonie deshalb kleine Handwärmer, deren Format an Wärmeflaschen erinnern. „Wenn es kalt wird, schenken Sie Wärme“, steht auf einem quadratischen Flugblatt, dessen Rückseite elf Orte auflistet, an denen Bürger ohne eine eigene Bleibe einen warmen Schlafplatz, eine warme Suppe und menschliche Wärme finden können.

„Unsere Zahlen steigen“, berichtet Thomas Bohne als Leiter der zentralen Beratungsstelle für wohnungslose Menschen (ZBS). Seine seit 40 Jahren arbeitende ZBS sei überlastet: „Wir überschreiten gerade unsere Grenzen.“ Allein 2017 sei die Zahl der betreuten Obdachlosen um fünf Prozent gestiegen. Die Mitarbeiter der Diakonie gehen immer weiter, immer tiefer hinein in die Armut. Krankenschwester Heike Ester: „Unsere Schlafstelle für Frauen ist manchmal zu 150 Prozent überlastet. Wir weisen aber keine Frau ab.“

Kält verstärkt Krankheiten


Der Winter setze den Obdachlosen zu. Die Kälte verstärke Bronchial-Krankheiten. Krass sei der Fall eines Mannes, der sich als Schwarzarbeiter mit einer Kreissäge schwer verletzt habe. Heike Ester berichtet: „An der Hand sind die Sehnen durchtrennt. Je kälter es ist, desto größer sind seine Schmerzen. Eigentlich bräuchte er Handschuhe. Eigentlich müsste er im Warmen sitzen.“ Der Mann lebt in der Kälte.

Die Diakonie will jetzt „neu nachdenken“ und klären, wie sie den gestiegenen Bedarf an Hilfe für Obdachlose zusätzlich stemmen kann. Dass mehr Schlafplätze in der Stadt entstehen müssen, sei unstrittig, sagt Diakonie-Geschäftsführerin Anne Rabenschlag. Sie bittet die Bürger, den Obdachlosen etwas Wärmendes zu schenken: Schlafsäcke, Mäntel, Mützen, Socken, Unterwäsche und dicke Schuhe seien zurzeit wichtig. Vor allem in Männergrößen.

Dortmund Regelmäßig trifft Betreuerin Sonja Flocke auf Obdachlose, wenn sie mit ihrer Kindergruppe morgens Spielplätze am Rand des Kreuzviertels besucht. Einerseits hat sie Verständnis für die Menschen, die auf der Straße leben, andererseits zeichnet sie für das Kindeswohl verantwortlich. Die Erzieherin hat einen Vorschlag.mehr...

Eine weitere Bitte hat die Diakonie: Wir Dortmunder sollen nicht einfach vorbei gehen an den Obdachlosen, sondern nachschauen, ob sie atmen, noch leben und im Notfall helfen. Nette Menschen seien das, manche sogar „mit Einser-Abitur“, wie Heike Ester berichtet.

Anne Rabenschlag hat einen Obdachlosen kennengelernt, der, wie sie, Sozialwissenschaften studiert hat. Unter die Haut geht auch die Lebensgeschichte des Handwerksmeisters, dem die Trennung von der Ehefrau ans Herz gegangen ist. Der Mann tauchte ab, verlor seinen Job, und lebte isoliert auf der Straße. Die Diakonie konnte ihm helfen. Andere lehnen Hilfe konsequent ab. Sie wollen die Straße – oder den Friedhof, wie der Mann, der auf einem der vielen Gottesacker sein Leben versteckt und dort, dem Tode so nah, zeltet.

Konkurrenz unter Obdachlosen

Andere raffen unter Brücken trockenes Laub und Pappe zu einem Nachtlager zusammen. Anne Rabenschlag: „Laub soll warm halten, habe ich gehört.“ Die Konkurrenz um günstig gelegene Schlafplätze, auf denen die Kälte nicht so tief in den Körper kriecht, sei unter den Obdachlosen groß. Die Diakonie hat an uns Bürger deshalb nur einen Wunsch: „Schenken Sie Wärme.“

Spenden an die Diakonie-Obdachlosenhilfe: IBAN DE 90 440 501 99 000 1 777 777. BIC DORTDE33XXX. Stichwort: Obdachlosenhilfe.

Kleiderspenden (gewaschene Wäsche, bitte keine Lumpen) nimmt die Diakonie an der Rolandstraße 10 in der Nordstadt entgegen.

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