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Umweltschutz

Dortmunder sind Mehrweg-Muffel

DORTMUND Täglich landen in Dortmund fast 58 000 Coffee-to-go-Becher im Müll. Viele Bäckereien ermöglichen ihren Kunden das Mitbringen von Mehrweggefäßen und geben sogar Rabatte. Das Problem dabei liegt eher auf Seite der Kundschaft.

Dortmunder sind Mehrweg-Muffel

Lidja Niedroszlanski füllt dampfenden Kaffee in ein Mehrweggefäß. Bei „Malzers Backstube“ in Dortmund kein Problem, aber noch zu selten der Fall. Foto: Michael Schuh

Fast drei Milliarden Coffee-to-go-Becher landen laut Deutscher Umwelthilfe jährlich in den Mülleimern zwischen Flensburg und Passau. Allein die Dortmunder schmeißen rechnerisch somit pro Jahr sage und schreibe 21 Millionen Becher weg – fast 58.000 am Tag. Ein riesiger Müllberg, den es eigentlich nicht geben müsste. Das Problem dabei: Nur wenige denken beim Kaffee unterwegs an Mehrweg und somit an die Umwelt.

Allein in der Dortmunder City gibt es jede Menge Bäckereien und Cafés, die dem eiligen Kunden Kaffee zum Mitnehmen anbieten. Dazu gehört „Malzers Backstube“ am Westenhellweg, wo man sich auf dem Weg zur Arbeit oder während der Shopping-Pause mal eben ein Heißgetränk holen kann. Wer sein eigenes Gefäß mitbringt, lässt es von der Bedienung befüllen – und bekommt sogar 20 Cent Rabatt. Doch das scheint kaum jemanden zu interessieren. „Das Angebot nutzen nur wenige Leute“, sagt die Auszubildende Fulya Köprü, denkt kurz nach und erinnert sich: „Heute Morgen ist das einmal passiert.“

Coffee-to-go im eigenen Becher: Viele Dortmunder Cafés bieten das Konzept an

Ähnliche Erfahrungen hat Hatice Türkmen, Verkäuferin in der wenige Fußminuten entfernten Bäckerei Vorwerk gemacht: „Es sind täglich vielleicht zwei oder drei Kunden, die ihren eigenen Becher mitbringen.“ Ist das der Fall, wird der Mehrwegpott aber nicht unter den Hahn der Kaffeemaschine gestellt; vielmehr lassen die Mitarbeiter die dampfende Flüssigkeit zunächst in eine hauseigene Tasse laufen und schütten sie dann in den Becher des Gastes. So kommt das mitgebrachte Gefäß nicht mit der Maschine in Berührung. Hygienisch zwar einwandfrei, aber weniger umweltfreundlich: Gleich zwei Gefäße müssen so gespült werden.

Egal, ob Tee, Kaffee oder Kakao: Wer in der Backwerk-Filiale am Ostenhellweg den eigenen Becher befüllt, erhält das Getränk 10 Cent günstiger. Ein Aufkleber am Eingang des Selbstbedienungsladens, der darauf hinweist, erzielt offenbar Wirkung. Denn Filialleiterin Samira El Mansouri hat zuletzt einen Mehrweg-Anstieg bemerkt: „Gerade Berufstätige, die in der Nähe arbeiten, bringen regelmäßig einen Becher mit.“

Ihre Kollegin Ladjistan Maseki von der Bachwerkfiliale an der Reinoldikirche erkennt dennoch Steigerungspotenzial: „Wir machen das aus Umweltgründen seit über vier Monaten, aber es nutzen zu wenige das Angebot. Deshalb machen wir besonders Stammkunden darauf aufmerksam.“ Manch ein Gast spende die gesparten 10 Cent sogar – in die Kaffeekasse, versteht sich.

Ein kaum zu übersehendes Schild an der Bäckerei Ditsch macht unmissverständlich klar, dass der Verzicht auf Pappbecher auch hier mit 10 Cent belohnt wird. Verkäuferin Tina Lund schüttet den Kaffee zunächst in einen eigens dafür vorgesehenen Becher und anschließend in das Mehrweggefäß des Kunden. Schnell und sauber, aber trotz der Werbung laut Lund nicht sonderlich gefragt: „An manchen Tagen kommen nur zwei Gäste mit einer Tasse; und das sind meist Mitarbeiter der umliegenden Geschäfte.“

Starbucks in der Thier-Galerie: Immer mehr Kunden fordern Mehrwegbecher

Ohnehin hat sich längst nicht jedes Unternehmen das Mehrwegsystem auf die Fahnen geschrieben. Sowohl bei McDonald’s am Westen- als auch bei Bäcker Beckmann am Ostenhellweg werden Mehrwegbecher auf Wunsch zwar befüllt, allerdings nur mittels Pappbechern, die anschließend in den Müll wandern. Aus ökologischer Sicht wenig sinnvoll.

Den größten Rabatt gewährt Kaffee-Gigant Starbucks: 30 Cent weniger pro Getränk zahlt jeder Einweg-Kunde. „Er muss aber vorher den Deckel seines Bechers abnehmen“, erläutert Mandy Ohland vom Starbucks in der Thier-Galerie, „den dürfen wir nicht berühren.“ 30 Cent scheinen ein lukrativer Anreiz zu sein, denn 20- bis 30-mal täglich, so Ohland, werde Mehrweg geordert. Tendenz steigend. Darauf hat das US-Unternehmen längst reagiert: In den Filialen werden verschiedene Mehrweggefäße zum Kauf angeboten. Umsatz und Umwelt gehen hier quasi Hand in Hand.

Umweltministerium begrüßt den Verzicht auf Einweg

Das NRW-Umweltministerium begrüßt den Gebrauch von Mehrwegbechern, denn das Befüllen mitgebrachter Gefäße ist entgegen vieler Vorurteile im Lebensmittelhygienerecht nicht verboten.

Bäckerei-Mitarbeiter sollten die Mehrwegbecher nicht mit bloßen Händen entgegennehmen, zudem empfiehlt sich ein spezieller Thekenbereich, der keine Schnittmenge mit anderen Produktionsbereichen hat.

Die Gefäße dürfen den Hahn der Kaffeemaschine nicht berühren.

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