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Kritik an Ruhrhochdeutsch-Subventionen

Künstler fordern neue Förderkriterien für freie Szene

DORTMUND Kontroverse Reaktionen hat unser Bericht über Zuschüsse für die Kulturszene und Subventionen für das Ruhrhochdeutsch-Festival ausgelöst. Theater-Macher fordern einen Neustart bei der Geldvergabe. Auch von Filz ist die Rede.

Künstler fordern neue Förderkriterien für freie Szene

Der Kulturausschuss will das Ruhrhochdeutsch-Festival im Spiegelzelt an der B1 ab 2020 nicht mehr fördern. Der Festival-Organisator kritisierte dafür die Politik und löste eine Diskussion über die Geldvergabe im Kulturressort aus. Foto: Oliver Schaper

Für seine Kritik am Subventions-Ende für das Ruhrhochdeutsch-Festival musste Horst Hanke-Lindemann ordentlich einstecken: Er halte sich „in der Filterblase der Subventionspolitik“ auf und maße sich an, noch mehr Geld einfordern zu müssen, war aus dem ohne Zuschüsse auskommenden Cabaret Queue in Hörde zu hören. Andere Künstler aus der freien Kulturszene kritisierten die „Intransparenz“ bei der Geldvergabe. Pro Jahr verteilt die Stadt 2,3 Millionen Euro in der Szene.

Mais: „Aus meiner Sicht wirkt das alles sehr verfilzt“

„Aus meiner Sicht wirkt das alles sehr verfilzt. Horst Hanke-Lindemann ist rege und hat viel getan für die freie Kulturszene. Er hat einen anderen Zugang zum Geld als Karlchen Müller. Wer bekannt ist und laut schreit, bekommt also mehr“, sagte die stellvertretende Kulturausschuss-Vorsitzende Ute Mais über die Geldvergabe, „da hat sich manches eingeschliffen“. Ruhrhochdeutsch könne höhere Eintrittspreise verlangen und ohne Subventionen auskommen, sagt sie, denn: „Da gehen keine Hartz-4-Empfänger hin.“

Mangelnde Transparenz hält auch der Mitbegründer des Roto-Theaters, Rüdiger Trappmann, der Stadt vor. „Schon bei der Theaternacht war die Verteilung des Geldes für die freie Szene nicht nachvollziehbar. Deshalb haben wir auch bei Dortbunt nicht mitgemacht“, sagte er am Montag. Das Roto-Theater erhält in diesem Jahr 40.000 Euro plus 6000 Euro für Projekte.

Bruno Knust („Günna“) vom nicht subventionierten Theater Olpketal springt Horst Hanke-Lindemann zur Seite: Die freie Szene müsse „selbstverständlich“, inklusive Ruhrhochdeutsch, besser unterstützt werden. „Aber das kriegt man in die kleinkarierten Köppe im Rathaus nicht rein“, meinte Bruno Knust. Das Publikum habe „mit den Füßen abgestimmt“ und Ruhrhochdeutsch zu einem bundesweit einzigartigen Festival aufsteigen lassen.

Knust: Zu wenig Detektivarbeit für die freie Kulturszene

Dortmund sei ein Oberzentrum – „und wir heißen nicht Oberzentrum, weil hier so viele Ober herumlaufen, sondern unsere Stadt auch mit einem Kulturangebot was bieten muss. Wir sind nicht nur Borussia – diese Stadt muss lebendig sein, und das darf uns auch was kosten“, sagte der Kabarettist. Dortmund sei aber in „ausgetrampelten Pfaden“ unterwegs und leiste zu wenig Detektivarbeit für die freie Kulturszene.

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Es sei schade, wenn andere Künstler kein oder zu wenig Geld bekommen würden, aber es sei falsch, „deshalb von vornherein nichts mehr zu sagen. Wer Geld will, muss mit dem Arsch hoch“, lautet Knusts Rat. Er selbst verzichtet auf Zuschüsse – „dann kann man mir auch nichts wegnehmen.“ Wie am Samstag berichtet, stellt der Verein „Pankultur“ keine Zuschussanträge, weil bei seinem Vorstand der Eindruck entstanden ist, „eh nicht“ gefördert zu werden.

Öffentlich äußerte sich am Montag auch der Vorstand vom „Theater im Depot“ in der Nordstadt. Die aktuelle Diskussion über die Geld-Vergabe im Kultur-Etat sei „längst überfällig“:

Weniger Plätze, mehr Geld

„Warum erhält das Fletch Bizzel einen doppelt so hohen Zuschuss gegenüber dem Theater im Depot, wenn es nur über die Hälfte der Sitzplätze verfügt? Warum lässt die Förderpolitik der Stadt es zu, dass einige wenige mit kommerziellen Programmen gut existieren können, während Neues kaum Unterstützung erhält?“, fragen Jens Dornheim, Ricarda Erdmann und Berthold Meyer vom Depot-Vorstand.

Sie fordern die Kulturpolitik auf, mit Akteuren der freien Szene ein neues Leitbild und ein neues Förderkonzept zu diskutieren.

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