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Traditionsreiches Dortmunder Unternehmen

Letzte Mitarbeiter von HSP haben ihre letzte Schicht

DORTMUND Der Ofen bei Hoesch Spundwand und Profil (HSP) ging schon Ende 2015 aus, 350 Mitarbeiter verloren ihre Jobs. Zwei Dutzend von ihnen begleiteten seither den Rückbau der Anlagen – am Freitag haben die letzten HSPler ihren letzten Tag. Auf den HSP-Mutterkonzern Salzgitter AG sind sie gar nicht gut zu sprechen.

Letzte Mitarbeiter von HSP haben ihre letzte Schicht

Die letzten Mitarbeiter nehmen zum letzten Mal Abschied vom Werk: Nun ist Hoesch Spundwand und Profil (HSP) endgültig Geschichte.schnitzler

Vor ein paar Wochen klopfte mal wieder einer beim Pförtner, der noch an der Zufahrt zum Gelände sitzt, auf dem HSP bis Ende 2015 Spundwände produziert hat. Der Besucher wollte eben solche Spundwände kaufen – nicht wissend, dass Hoesch Spundwand und Profil längst dicht ist. Das zeigt erstens, wie lange es dauert, bis jeder weiß, dass eine Firma, die es „immer“ gab, plötzlich nicht mehr da ist. Zweitens „kann man daran sehen, dass sie uns noch gebraucht hätten“.

350 Mitarbeiter mussten Ende 2015 bei HSP gehen

Den Satz sagt am Donnerstagmorgen einer der Männer, die vor dem Werkstor an der Alten Radstraße stehen. Die eine Hälfte trägt Zivil, die andere weiße, nicht allzu beschmutzte Arbeitsanzüge und Helme auf den Köpfen. Leute vom Radio und der Presse sind auch da, und das hat einen Grund: Die Behelmten sind die letzten der Ende 2015 noch 350 Mitarbeiter bei HSP – sie haben an diesem Freitag ihren allerletzten Tag.

Die zehn sind: Olaf Lüder, Torsten Glock, Ralf Radtke, Erhard Schaut, Alexander Münster, Jürgen Schrod, Thomas Kazmierczak, Alexander Hess, Norbert Neumann und Klaus Frerichs, der bis zum Schluss Betriebsratschef war. Sie blieben auf dem Werksgelände, um den Abbau und Abriss von Maschinen und Anlagen durch eine Fremdfirma zu begleiten. Strom, Wasser und Hydraulik an- und abstellen, solche Dinge waren zu tun.

Nun sind alle Anlagen, die dem HSP-Mutterkonzern Salzgitter AG gehörten, verschwunden; die Gebäude und Versorgungsleitungen gehören bis Jahresende noch Thyssen-Krupp, danach dem neuen Eigentümer der Fläche, der Essener Thelen-Gruppe.

120 HSP-Mitarbeiter erhielten Ersatzarbeitsplätze

Wie war das, zwei Jahre täglich zum Werk zu kommen, das längst geschlossen hat? „Man kann sich Schöneres vorstellen, als den eigenen Arbeitsplatz abzubauen“, sagt Alexander Münster, mit 30 der Jüngste, „aber besser, als auf der Straße zu landen“.

Das können vor dem Werkstor einige der Leute in Zivil bestätigen, es sind ehemalige Mitarbeiter. Von den 350 Leuten nahmen 90 eine Abfindung, rund 120 erhielten Ersatzarbeitsplätze in anderen Firmen des Mutterkonzerns Salzgitter AG – allerdings teils befristet. Die restlichen 140 gingen ein oder zwei Jahre in die Transfergesellschaft

Viele von ihnen sind über 50, „für die is‘ der Ofen aus“, sagt einer, der über 60 Bewerbungen verschickt hat. Klaus Röhr, 50, für den HSP eine zweite Familie war, und der alle paar Monate Ehemaligen-Treffen veranstaltet, sagt: „Hier waren viele Malocher ohne Ausbildung, solche Jobs gibt es nicht mehr.“

Über Salzgitter sagen die Ex-HSP-Mitarbeiter nichts Positives

Über Salzgitter ist hier nichts Positives zu hören, mit dem Verkauf von Anlagen habe der Konzern sicher noch einmal eine gute zweistellige Millionensumme kassiert. Danach gefragt, antwortete Salzgitter am Donnerstag nicht.

Viele Ex-HSPler werfen dem Konzern vor, den Betrieb in Absprache mit dem Konkurrenten Arcelor ganz bewusst geschlossen zu haben. Im April 2015 waren 100 feste Mitarbeiter und 63 Leiharbeiter entlassen worden, man stellte von Drei- auf Zwei-Schicht-Betrieb um. „Wir haben dann sechs Wochen gezeigt, wie produktiv wir arbeiten können“, erinnert sich Olaf Lüder. Trotzdem kündigte Salzgitter kurz darauf, bereits im Juni 2015, die Schließung an.

Die erfolgte zum Jahresende, seither produziert weltweit nur noch Arcelor mit Sitz in Luxemburg Spundwände. Die Preise für Spundwände sind deutlich gestiegen.

Ex-Mitarbeiter sind gespannt, was aus HSP-Fläche wird

Mit dem ausgehandelten 29,4-Millionen-Euro-Sozialplan sind viele ehemalige HSPler nicht zufrieden. Sie hoffen darauf, dass es noch etwas Geld aus einem Sozialfonds gibt, sicher ist das aber nicht. Unter den letzten Mitarbeitern sind einige des Jahrgangs 1957. In ihrem Alter noch einen neuen Job zu finden, daran glauben sie nicht; sie hoffen, dass Salzgitter ihnen zumindest ermöglicht, in zwei Jahren abschlagsfrei in Rente zu gehen.

Aus dem Rentenalter wird dann auch Ralf Radtke verfolgen, was aus der HSP-Fläche wird –derzeit wird an einer Machbarkeitsstudie gearbeitet. Im Gespräch für die Fläche sind Kleingewerbe und Wohngebiet, vielleicht gibt es auch einen See. Diese Mischung, sagt Radtke, „fände ich nicht so schlecht“.

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