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Mieterärger in Nette

Massiver Wasserschaden - Vonovia reagiert erst nach Wochen

NETTE Starkregen führte mehrfach zu einem Wassereinbruch auf einem Flachdach in der Butzstraße in Nette. So weit, so ärgerlich genug. Aber: Es geht noch ärgerlicher. Eine Geschichte über Vonovia, Asbest-Böden, fast aufgebrochene Türen und eine späte, aber vielleicht nicht zu späte Reaktion.

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Dennis Wagner zeigt auf die verdächtigen Vinyl-Platten, die er unter dem PVC entdeckt hat

Unter dem PVC-Boden bildeten sich Blasen.

Bitumenhaltige Brühe suchte sich ihren Weg durch Fensterfugen und Nähte. Am Türrahmen bildete sich Schimmel.

Als Dennis Wagner Dienstagabend die Wohnungstür öffnet, empfängt mich ein Duft von Vanille. „Gehen wir in die Küche?“, fragt er. Eine Alternative haben wir kaum: Seit fünf Wochen ist das Wohnzimmer unbewohnbar. In der Küche duftet es nach Apfel-Zimt. Duftstoffe gegen den beißend-säuerlichen Geruch von Bitumen – gelöst in Regenwasser.

"Da war schon lange keiner mehr"

Das drang am 4. / 5. September durch das Flachdach in seine Wohnung in der dritten Etage. Abläufe verstopft, 4000 Liter auf dem Dach des Wohnblocks in der Vonovia-Großsiedlung. „Der Mitarbeiter des Notdienstes sagte, da war schon lange keiner mehr oben“, erzählt Wagner.

Das Wasser suchte sich seinen Weg: Braune Brühe drang durch die Schweißnähte an den Fenstern. Acrylfugen zwischen Wand und Decke brachen auf. Der nicht mehr neue, aber gepflegte PVC-Boden in Nussbaumoptik wellte sich. Auch Küche und Schlafzimmer sind betroffen. „Im Wohnzimmer habe ich versucht, mit Handtüchern der Wassermassen Herr zu werden“, berichtet der 40-Jährige. „Die habe ich direkt entsorgt.“ Der braunen stinkenden Brühe wegen.

Ungutes Gefühl

Als er den Boden ein Stück aufnimmt, beschleicht ihn ein ungutes Gefühl. Unter dem PVC findet er keinen Betonboden, sondern alte Bodenplatten. „Floor-Flex“, vermutet der Energieelektroniker. Vinyl-Platten mit Asbest. Gesundheitsschädlich sind sie durch Abrieb oder wenn sie brechen – wie jetzt. „Solange der PVC-Boden drauf lag, ist das kein Problem“, erklärt er. „Man hätte es mir aber bei Anmietung der Wohnung sagen müssen.“

Dennis Wagner tat nach dem Wassereinbruch, was jeder Mieter tut: Er informierte den Notdienst seines Wohnungsunternehmens. Mit dem zweiten Notruf nach neuerlichem Starkregen am 6. September beginnt eine Odyssee der Zuständigkeiten und fragwürdigen Abläufe. Auf vier Seiten hat Wagner die Ereignisse protokolliert. Weil der Schaden durch den ersten Notruf bereits registriert ist, sei der Notdienst nicht mehr zuständig. Der Objektbetreuer hat bereits Feierabend. Der dann doch erscheinende Notdienst will die Schadensmeldung auf den richtigen Weg bringen. Auf die für den nächsten Tag angekündigten Bautrockner wartet Wagner – bis heute.

Anwältin ist eingeschaltet

Nach einer SMS meldet sich ein Mitarbeiter der für Versicherungsschäden zuständigen Vonovia-Abteilung, kündigt für drei Tage später Bautrockner und eine Schadensaufnahme an. Der Termin verstreicht, findet dann – ohne die Trockner – am Folgetag statt. Dennis Wagner hat mittlerweile eine Anwältin eingeschaltet.

Fachfirmen sollen den Schaden beheben, die Wohnzimmermöbel bei einer Spedition eingelagert werden, verspricht der Mitarbeiter. Die Spedition kommt am 29. September – die Firmen melden sich nicht.

Tür sollte aufgebrochen werden

Eines Morgens ist Dennis Wagner im Bad. Es schellt. Wenig später hört er, wie versucht wird, seine Tür von außen zu öffnen. Zwei Mitarbeiter der unternehmenseigenen Servicefirma stehen in der Tür und zeigen einen Auftrag. Sie sollen den Boden im Wohnzimmer entsorgen. Die Wohnung sei als Leerstand gemeldet. Bei der Schadensaufnahme durch einen Vonovia-Mitarbeiter wurde die Wohnung als bewohnbar eingestuft. Das sehen Fall-Management und das Computer-System aufgrund des Schadensausmaßes ganz anders, erfährt Wagner bei seiner Wohnungsgesellschaft.

 

Seine Anwältin stellt ein Ultimatum, fordert eine Ersatzwohnung, kündigt eine Beweissicherung an. Tage, Wochen vergehen, nicht geschieht – bis Mittwoch, den 11. Oktober.

Vonovia gesteht Fehler ein

Auf Nachfrage unserer Redaktion räumt Vonovia-Sprecher Max Niklas Gille klar einen „Fehler auf unserer Seite“ ein. „Ich will da nichts schön reden. Wir können uns nur entschuldigen.“

Dennis Wagner bestätigt am Nachmittag, dass es am Freitag und am Montag zwei ganztägige Termine in seiner Wohnung geben wird, an denen ausstehende Messungen wegen der Feuchtigkeit vorgenommen und der Boden im Wohnzimmer untersucht und saniert werden. Bereits am Mittag habe er Gespräche unter anderem mit dem Objektleiter gehabt. Ergebnis: Wohnzimmer und Schlafzimmer werden renoviert.

Neue Wohnung angeboten

Max Niklas Gille erklärt zudem: „Wir haben Herrn Wagner eine Wohnung in einem anderen Haus in der Butzstraße angeboten, die er am 31. Dezember beziehen kann. Morgen hat er einen Termin mit dem Vermieter.“ Wagner bestätigt den Termin im Vonovia-Infopoint, will allerdings prüfen: „Ich weiß noch nicht, ob ich in der dann grundrenovierten Wohnung bleibe oder noch umziehen will.“

Er ist aber froh, dass endlich Bewegung in seine endlose Geschichte gekommen ist. Das sei auch im Interesse des Unternehmens, erklärt Gille: „Wir möchten, dass er zufrieden in seiner Wohnung leben kann.“

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Dennis Wagner zeigt auf die verdächtigen Vinyl-Platten, die er unter dem PVC entdeckt hat

Unter dem PVC-Boden bildeten sich Blasen.

Bitumenhaltige Brühe suchte sich ihren Weg durch Fensterfugen und Nähte. Am Türrahmen bildete sich Schimmel.

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