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„Grauer Betonklotz“ in Huckarde

Nachbarn ärgern sich über Dokom-21-Rechenzentrum

DORTMUND Zehn Millionen Euro hat Dortmunds Telekommunikationsdienstleister Dokom 21 in sein neues Rechenzentrum in Huckarde gesteckt. Nachbarn im Gewerbegebiet ärgern sich über den „grauen Betonklotz“ und fragen sich: Gelten für den Bau der städtischen Tochter eigene Gesetze?

Nachbarn ärgern sich über Dokom-21-Rechenzentrum

Innen sicher, außen grau: Das ist das neue Rechenzentrum von Dokom 21, das zehn Millionen Euro gekostet hat. Foto: Oliver Schaper

Vorvergangenen Montag schien die Sonne über Huckarde, als im Gewerbepark Hansa das neue Rechenzentrum von Dokom 21 eingeweiht wurde. Guntram Pehlke, Chef des Dokom-Mutter-Konzerns DSW21, befand, der Bau sei „wunderschön“.

Die Sonne über Dortmund hat sich inzwischen verzogen – und zumindest die Nachbarn finden den Dokom-Bau gar nicht schön. Michael Kopka, Geschäftsführender Gesellschafter der Firma Magsys Magnet Systeme, nennt ihn einen „grauen Betonklotz“. Er nahm erst an, die Fassade sei noch nicht fertig. Doch, ist sie.

Es gibt Gestaltungsvorschriften im Gewerbepark Hansa

Dabei gibt es Vorschriften im Gewerbepark Hansa. Alle Fassaden müssen rot-braun verklinkert beziehungsweise in rötlichen Tönen gestaltet werden, um sich optisch den Industriedenkmälern in der Umgebung anzunähern. Auch der Dokom-Bau hatte in seiner ersten Visualisierung (siehe unten) mehrere Säulen aus Klinkersteinen, zudem weiß verputzte Wände. Im Endzustand hat der Bau eine Klinkerfläche vorne zum Zaun hin und eine Klinkerfläche am seitlichen Eingang – es dominiert die große, graue Fassade.

Ein 2016 bei Magsys errichteter Anbau sei vom Gestaltungsbeirat der Stadt kritisch begutachtet worden, sagt Kopka.

Mit Blick auf den Dokom-Bau fragt er sich: „Warum haben wir das alles beachtet?“ Nachbar des Rechenzentrums an der Straße Fallgatter ist auch Joachim Kössel, dem mehrere Bürogebäude gehören. Ihre Fassaden sind großflächig rot-braun verklinkert. Das Dokom-Gebäude, sagt Kössel, „setzt die Investitionen der anderen hier herab“. Die Stadt mache Vorgaben für ein hochwertiges Industriegebiet, und dann sei ein städtisches Tochterunternehmen nicht in der Lage, städtebaulich ansehnlich zu bauen. „Das hat schon ein Geschmäckle“, sagt Kössel.

Warum sieht das Rechenzentrum von Dokom 21 so aus?

Die Frage ist: Wieso sieht das fertige Dokom-Gebäude so ganz anders aus als auf der ursprünglichen Visualisierung, die die Nachbarn in Ordnung finden? Das sei „ein erster Entwurf“ gewesen, sagt Dokom-Marketing-Chef Markus Isenburg. Der sei aber vom Gestaltungsbeirat geändert worden. „Warum, dazu kann ich nichts sagen“, sagt er. Dass der Dokom-Bau im Gestaltungsbeirat bevorzugt behandelt worden sei – davon wisse er nichts.

Das Rechenzentrum ging in der Tat durch den Gestaltungsbeirat, in dem Architekten, die Planungssprecher Fraktionen sowie Planungsdezernent Ludger Wilde sitzen. Wieso der Beirat die letztliche Variante genehmigt habe, dazu gab es von der Stadt am Mittwoch diese Aussage: „Es wurde sich nach Änderungen für die finale Planung entschieden und diese wurde dann vor Ort errichtet.“ Für die Nachbarn im Gewerbepark ist es ein nichtssagender Satz, der ihr Gefühl, bei Dokom sei mit anderem Maß gemessen worden, kaum abschwächen dürfte.

Für Dokom 21 „gelten andere Gesetze“, sagt ein Nachbar

Zumal es neben der Außengestaltung des Rechenzentrums von Dokom 21 weitere Punkte gibt, deretwegen sich Firmenchefs im Gewerbepark fragen, ob Dokom als städtische Tochter beim Bauen besondere Privilegien genießt. Frank Schmittdiel, dessen Firma Stromaggregate verkauft und verleiht, sitzt gegenüber vom Dokom-Rechenzentrum. In Bauphase sei sei der Wendehammer ständig von Autos der Handwerker zugeparkt gewesen, die bei Dokom arbeiteten, sagt Schmittdiel. Er habe mehrfach beim Ordnungsamt angerufen, auch auf Band gesprochen – ohne Erfolg.

Nach den Beschwerden Schmittdiels gefragt, sagte am Mittwoch Stadtsprecher Maximilian Löchter, sie seien im Ordnungsamt nicht bekannt: „Es gibt keinen Eintrag in der Beschwerde-Datenbank.“ Schmittdiel sagt, ihn wundere das nicht mehr, „für die gelten andere Gesetze“.

Rechenzentrum ist für Dokom 21 wichtiges Geschäft

Ein weiterer Aspekt, auf den Unternehmer im Gewerbepark hinweisen: Ihre Ansiedlungen seien einst an die Schaffung von Arbeitsplätzen geknüpft gewesen – im Rechenzentrum hingegen arbeitet kein einziger Mensch.

Das Grundstück hat Dokom von der landeseigenen Entwicklungsgesellschaft NRW-Urban erworben. Früher, sagt Stadtsprecher Löchter, habe es für Neuansiedlungen im Gewerbepark Hansa mehrere Auflagen gegeben, unter anderem die Schaffung von Arbeitsplätzen. Diese aus einer Bundesförderung zur Sanierung des Gebietes resultierenden Auflagen seien mittlerweile aber ausgelaufen.

Löchter: „Die Stadt versucht dennoch bei ihrer Ansiedlungspolitik darauf zu achten, dass die Kriterien weiterhin möglichst eingehalten werden.“ Aber: „In diesem besonderen Fall“ spreche „eindeutig für die Ansiedlung“, dass durch das Rechenzentrum „langfristig Arbeitsplätze in Dortmund ingesamt gesichert werden können“. Diese These gilt es noch zu belegen.

Klar ist: Rechenzentren sind für Dokom 21 längst ein wichtiges Geschäftsfeld und machen einen Fünftel des Jahresumsatzes (2016: 30 Millionen Euro) aus.

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