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Angst vor den Tätern

Schon drei Überfalle auf Jugendliche in Dortmunder U-Bahnen

DORTMUND Die Angst, dass das eigene Kind wehrloses Opfer eines Raubüberfalls wird - nach mindestens drei Überfällen ist sie für Dortmunder Eltern real geworden. Doch die Opfer schweigen zu den Überfallen. Aus Furcht vor den Tätern.

Schon drei Überfalle auf Jugendliche in Dortmunder U-Bahnen

Eine Videokamera in der U-Bahn-Anlage Kampstraße: Die Polizei hofft, die Täter auf den bereits gespeicherten Daten erkennen zu können. Foto: Peter Bandermann

Das Jugendkommissariat der Polizei erkennt Zusammenhänge zwischen den drei Überfällen auf wehrlose Jugendliche und sucht Zeugen und weitere Opfer, die aus Angst oder anderen Gründen schweigen. Bekannt sind der Polizei aktuell drei Taten:

  • 18. November, 20 Uhr, Haltestelle Kohlgartenstraße in der Innenstadt: Drei Jugendliche rauben einen 14-Jährigen aus. Sie erbeuten ein Portemonnaie, aber kein Handy.
  • 30. November, 18.55 Uhr, U-Bahn-Haltestelle Maurice-Vast-Straße: Drei Täter greifen zwei 15-Jährige an. Beute: zwei Handys und eine Geldbörse.
  • 2. Dezember, 21 Uhr: Angriff in der Haltestelle Kampstraße auf zwei 16-Jährige, Überfall dann an der Haltestelle Hauptfriedhof. Beute: Handys und Bargeld.

Gemeinsam haben diese Fälle, dass die Opfer in einen Hinterhalt gelockt worden sind. Die Arbeitsweise der Täter: Täter 1 provoziert in der U-Bahn oder einer U-Bahn-Station, wendet Gewalt an, erzeugt bei den Opfern Angst und das Bedürfnis nach schneller Hilfe.

Komplizen täuschen Schutz vor (Tenor: „Komm mit, weg hier“) und rauben die Opfer später an einem vermeintlich sicheren Ort aus.

Opfer sollen eingeschüchtert worden sein

Nach unseren Informationen sollen die Opfer auch eingeschüchtert worden sein. Mit Erfolg. Eine Mutter berichtete uns, dass ihr Sohn aus Angst schweige. Die Polizei wurde erst spät informiert, sodass automatisch aufgenommene Videodaten überspeichert worden sind. DSW21 muss die Bilder der Videoanlagen in Stadtbahnen und U-Bahn-Stationen nach 48 Stunden löschen. Das verlangt der Datenschutz.

Auf Bitte der Polizei kann DSW21 die Daten speichern, sodass die Ermittler mit Täterbeschreibungen die Videos auswerten können. Aber nur, wenn sie innerhalb von 48 Stunden von der Tat erfährt. In einem Fall reagierte das Opfer schnell; die Polizei sichtet jetzt die Aufnahmen und könnte in Kürze Fahndungsfotos veröffentlichen, wenn die Ermittlungen nicht zu den Tatverdächtigen führen. Es ist nicht auszuschließen, dass die Bande weiterarbeitet.

Bedrohte Opfer werden geschützt

Polizeisprecher Kim Freigang sagt: „Die Betroffenen sollten Hilfe in Anspruch nehmen, wenn sie Angst haben. Denn nur mit ihren Aussagen können wir Strafverfahren einleiten und verhindern, dass weitere Taten begangenen werden. Werden Opfer bedroht, gehen wir dagegen vor.“

Auch Ingo Moldenhauer von der Opferschutzorganisation „Der Weiße Ring“ rät den betroffenen Jugendlichen dazu, schnellstmöglich Hilfe anzunehmen. „Wir helfen auch dann, wenn Opfer aus Angst vor weiteren Taten zunächst keine Anzeige erstatten möchten. Wir sind zur Verschwiegenheit verpflichtet“, sagt der Vorsitzende des Weißen Rings. Stabilisierte Opfer können dann zur Aufklärung der Taten beitragen.

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