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Urteil zu Feuerwerks-Unglück

Silvester-Drama von Datteln: Bewährung für Gastwirt

DORTMUND/DATTELN/BOCHUM Im Prozess um den schrecklichen Silvesterunfall vor dem Dattelner Wellnesshotel Jammertal haben die Richter am Freitag ihr Urteil gesprochen. Der angeklagte Gastwirt aus Lütgendortmund muss nicht ins Gefängnis. Eine Sache kam ihm vor Gericht zugute.

Silvester-Drama von Datteln: Bewährung für Gastwirt

Der Gastwirt aus Lütgendortmund (r.) wurde im Jammertalprozess zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Foto: Jörn Hartwich

Zehn Tage lang war am Bochumer Landgericht verhandelt worden. Die Richter haben über 50 Zeugen und Sachverständige gehört. Die Vernehmungen waren eine emotionale Achterbahnfahrt. Leid und Wut lagen oft ganz eng beieinander.

Am Ende ist der 51-jährige Gastwirt zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden – wegen Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion und fahrlässiger Körperverletzung. Außerdem muss er nach Kräften Schmerzensgeld zahlen – bis zu 300 Euro pro Monat. Die genaue Summe soll allerdings erst festgelegt werden, wenn der Angeklagte seine Finanzen offengelegt hat. Auch dazu ist er verpflichtet.

Ohne Geständnis hätte der Gastwirt nicht überführt werden können

Die Bochumer Richter haben vor allem honoriert, dass der 51-Jährige im Prozess ein Geständnis abgelegt hat. Ansonsten wäre es offenbar schwer gewesen, ihn überhaupt zu überführen. Laut Urteil gab es keinen einzigen Zeugen, der gesehen hatte, wer die Unglücks-Batterie in der Nacht auf den 1. Januar 2016 aufgestellt und gezündet hat. Auch die zahlreichen Handy-Videos hätten darüber keinen Aufschluss gegeben. Die DNA-Spuren, die an der Raketenbox festgestellt worden sind, sollen ebenfalls nicht eindeutig gewesen sein.

Der Dortmunder Gastwirt will die in Deutschland nicht frei verkäufliche Batterie von einem Vertreter gegen vier Pizzen eingetauscht haben. Weil die Bedienungsanleitung auf deutsch gewesen sei, habe er sich keine weiteren Gedanken gemacht. Außerdem sei auch ein CE-Zeichen der Europäischen Union aufgedruckt gewesen.

Kellnerin verlor einen Unterschenkel

Nach Ansicht der Richter hätten aber allein die „dubiosen Umstände des Erwerbs“ klargemacht, dass es sich nicht um normale Supermarkt-Raketen gehandelt hat. Deshalb wäre der Dortmunder Gastwirt verpflichtet gewesen, weitere Recherchen anzustellen. Hätte er genau das getan, hätte er auch gewusst, dass die Box in Deutschland nur mit einer besonderen Erlaubnis hätte erworben und gezündet werden dürfen.

Die Unglücks-Batterie war damals nach nur drei Schuss umgekippt und hatte in die vor dem Jammertal stehende Menschenmenge gefeuert. Die Schüsse waren so laut, dass einige Zeugen dachten, sie wären „inmitten eines Bombenangriffs“. Mindestens 18 Personen waren zum Teil schwer verletzt worden. Einer Kellnerin hatte ein Unterschenkel amputiert werden müssen.

Richterin ist sehr beeindruckt von der inneren Stärke der Kellnerin

Richterin Susanne Schön-Winkler sprach beim Urteil von „schrecklichen Folgen“, sagte aber auch: „Wir sind sehr beeindruckt, mit welcher inneren Stärke die Kellnerin versucht, in ihr bisheriges Leben zurückzufinden.“ Warum die Raketen-Box umgekippt ist, hatte im Prozess nicht festgestellt werden können. Einer der Sachverständigen war von einer Fehlfunktion ausgegangen, die zu einer Instabilität der Box geführt haben müsse.

Dass der Angeklagte nach dem Unglück lange abgetaucht war, konnte ihm nur moralisch, nicht aber strafrechtlich vorgeworfen werden. „Kein Verdächtiger ist verpflichtet, sich selbst zu stellen“, so Schön-Winkler.

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