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Warum das Westfalenforum wohl ein Sorgenkind bleibt

DORTMUND In etlichen Jahren mit ständig wechselnden Besitzern ist das Westfalenforum offenbar zu einem reinen Spekulationsobjekt verkommen. Statt großer Neueröffnungen und Modernisierungen, die die israelische Intown Property Management GmbH vor einem Jahr ankündigte, gab es weitere Schließungen. Jetzt soll das Geisterhaus einen neuen Besitzer haben.

Warum das Westfalenforum wohl ein Sorgenkind bleibt

Es blinkt und strahlt Sauberkeit aus - aber auch eine weite, öde Leere, die von allem anderen als von florierenden Geschäften erzählt.

Das Geisterhaus im Herzen der Stadt, so schreibt es die „Immobilien-Zeitung“ als Fachblatt, soll jetzt der „Aroundtown Property Holding“ gehören. Die hat ihren Sitz auf Zypern.

„Es ist schon ziemlich gruselig hier“, sagt Matthias Glaubitz, Filialleiter im Friseursalon Hair Express. Der Salon fristet sein Dasein ziemlich allein auf weiter Flur in der gähnend leeren Mall. Von den 3200 Quadratmetern Gewerbefläche, die im Erdgeschoss des Westfalenforums an Kamp- und Hansastraße zur Verfügung stehen, sind nur noch etwa 300 Quadratmeter vermietet. Das heißt, zig Ladenlokale mit insgesamt rund 2900 Quadratmetern stehen leer. Die Ödnis ist riesig und quälend.

Lebloses Erdgeschoss

„Wir sind seit über 15 Jahren hier drin und existieren nur von Stammkunden“, sagt Matthias Glaubitz. Sonst verliert sich kaum jemand in das leblose Erdgeschoss. Zwischen Glaubitz‘ Friseursalon und der Bäckerei Kamps an der Kampstraße hält sich seit Jahren nur noch der Laden „Kult-Spiele“. Seit Anfang 2008 ist er da.

„Damals waren gegenüber unter anderem noch ein Glas-und-Keramik-Laden und ein Ein-Euro-Laden – und Adler war gerade raus. Da war hier mehr los. Aber da ich eine spezielle Kundschaft habe, komme ich auch damit klar, dass heute nur wenige hier durchlaufen“, sagt „Kult-Spiele“-Inhaber Andreas van Vügt. Im vorigen Jahr schloss in einem der Obergeschosse das Bowling-Center. Und im Erdgeschoss war ein Döner-Imbiss von einem Tag auf den anderen plötzlich weg.

"Hier verkommt alles"

„Es kommt nichts nach. Es ist auch zu teuer hier. Die Mieten kann sich keiner leisten“, meint Matthias Glaubitz. Er hat den Vergleich mit der Thier-Galerie. Sein Unternehmen unterhält dort zwei Läden. „Die Miete dort ist geringer als hier“, sagt Glaubitz. Und der Service sei besser. „Hier verkommt alles. Als die Heizung nicht funktionierte, hatten wir neun Grad Raumtemperatur. Und es hat lange gedauert, bis der Schaden behoben war“, erzählt Matthias Glaubitz.

Fragen unserer Redaktion an Intown und auch an den mutmaßlich neuen Eigentümer Aroundtown zu den aktuellen Besitzverhältnissen und zu den Plänen bezüglich des Westfalenforums, blieben über Wochen unbeantwortet. In einem Büro von Aroundtown in Berlin fühlte man sich zunächst zuständig, verwies dann aber doch an Intown, „da Intown das Objekt betreibt.“ Außer netten Büroassistentinnen war dort jedoch weder per Mail noch per Telefon jemand für Auskünfte zu erreichen.

Eine plausible Einschätzung, wie es höchstwahrscheinlich um das Westfalenforum bestellt ist, geben ohnehin wohl viel besser Branchenexperten, die den Dortmunder Markt kennen. „Dreh- und Angelpunkt für Immobilien wie diese ist der Nutzer. Ohne Nutzer sind sie nichts wert und produzieren nur Kosten“, sagt Frank Emmerich, Handelschef für Deutschland beim Immobilienmakler CBRE.

In seiner Praxis hat er oft genug erlebt, dass sich internationale Investoren vom vermeintlich günstigen Kaufpreis in Deutschland locken lassen und naiv an eine Immobilie herangehen. „Sie glauben, dass das ein Renner wird. Die Realität sieht dann häufig ganz anders aus.“

Modernisierungen sollten im Herbst 2016 starten

Vor einem Jahr hatte der Asset-Manager Sacha Götze von Intown auf Anfrage unserer Redaktion große Modernisierungen ankündigt. Im Herbst 2016 sollten sie beginnen. Mietinteressenten gab es angeblich reichlich. „Wir sind zuversichtlich, hier nunmehr in einem notwendigen zeitlichen Rahmen aus Interessenbekundungen langfristige und nachhaltige Mietverträge zu generieren“, sagte Sacha Götze damals.

Im Internet präsentierte das Unternehmen schon eine Animation des neuen Westfalenforums. Dazu der Slogan der Gruppe: „Wir erwecken Immobilien zu neuem Leben.“ Passiert ist nichts. Weil die Lage abseits vom Westenhellweg nicht Fisch und nicht Fleisch ist? Weil sich eine Nutzungsperspektive für dieses nicht mehr zeitgemäß erscheinende Handels- und Gewerbegebäude nicht aufdrängt? 

Problemfälle zum Dumping-Preis

Nach Branchenberichten ist Aroundtown darauf spezialisiert, verzweifelten Eigentümern solche Problemfälle zum Dumping-Preis abzukaufen. Seit die Preise auf dem Wohnungsmarkt nicht mehr attraktiv sind, stürze sich Aroundtown auf das Segment Einzelhandel. Ob man beim langjährigen Sorgenkind Westfalenforum weiß, worauf man sich eingelassen hat?

Bodo Dicke vom kanadischen Immobilien-Unternehmen Avison Young, das sein Deutschland-Geschäft von Düsseldorf aus lenkt, sagt: „Eine Immobilie wie das Westfalenforum ist spannend, aber man muss eine Idee dafür haben. Mehrgeschossiger Handel ist da ausgeschlossen.“ Für Frank Emmerich hat dazu die Thier-Galerie beigetragen: „Sie hat den Westenhellweg verlängert, aber dafür den Kampstraßen-Boulevard ins Taumeln gebracht.“

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