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Interview mit Martener Nikolaus

„Wie wird man Nikolaus?“ - „Bei mir ist das ganz dumm gelaufen.“

MARTEN Ab heute hat Karl Schreiter alle Hände voll zu tun: Seit mehr als 20 Jahren ist der 63-jährige Martener als Nikolaus im Einsatz. Doch worauf muss man als Nikolaus achten? Und wie wird man das eigentlich? Ein Gespräch über Bartpflege, billige Kostüme und Schreiters Schiffsglocke

„Wie wird man Nikolaus?“ - „Bei mir ist das ganz dumm gelaufen.“

Die Schiffsglocke ist immer dabei, wenn Karl Schreiter den Nikolaus mimt. Die selbst gemalten Bildergeschenke seiner kleinen Fans sammelt der 63-Jährige in einem Ordner. Foto: Foto Dönnewald

Freundlich, wie Nikoläuse nun mal sind, und mit einer tiefen Stimme, wie sie Nikoläuse in der Regel haben, begrüßt Karl Schreiter die Presse in seinem Wohnzimmer: „Herzlich willkommen im Haus vom Nikolaus.“ Seit über 20 Jahren mimt der 63-Jährige den Nikolaus. Heute, an seinem Namentag, wird er im Dauereinsatz sein – deshalb trafen wir ihn schon am Montag zum Interview.


Hallo, Herr Schreiter, wie wird man eigentlich Nikolaus?

In meinem Fall ist das ganz dumm gelaufen. Der Bürgerschützenverein Marten suchte Mitte der 90er-Jahre einen Nikolaus für seinen Glühweintreff. Die Frau vom Kassierer meinte zu mir: „Mach du das doch“ und schon kam ich nicht mehr aus der Nummer heraus.


Ich hätte ja darauf getippt, dass Ihre tiefe Stimme den Ausschlag gegeben hätte. Und wie lief Ihr erster Auftritt?

Ganz ehrlich, ich kam mir so etwas von dumm vor. Das lag vor allem an dem billigen, primitiven Kostüm.


Wie ging es danach weiter?

Ich dachte mir, wenn ich schon der Nikolaus bin, dann will ich mir auch richtig Mühe geben. Ich habe mir uralte Bundeswehr-Knobelbecher (Stiefel, Anm. d. Red.) besorgt, und hatte dann noch das Glück, das Kostüm vom früheren Nikolaus aus der Germania-Siedlung zu übernehmen. Und seinen Job übrigens gleich mit.


Ihr Bart sieht ja fast so aus, als könnten Sie auf einen Kunstbart verzichten.

Normalerweise habe ich nur einen Schnäuzer. Ab dem 1. November lasse ich mir jedes Jahr einen Bart wachsen. Ich kombiniere ihn dann mit dem Kunstbart. So bleibt mein Mund frei und ich kann mühelos sprechen.


Was gehört noch zu Ihrer Nikolaus-Ausstattung?

Natürlich das Goldene Buch, daraus lese ich das Weihnachtsgedicht „Knecht Ruprecht“ vor. Ich habe es allerdings ein wenig umgeschrieben, damit es auf den Nikolaus passt.


Und Sie haben eine auffällig große Glocke dabei.

Ja, das ist eine Schiffsglocke, ein Frustkauf auf der ‚Boot‘-Messe in Düsseldorf. Eigentlich wollte ich damals einen Außenbordmotor für mein Kajak kaufen. Aber den gab es nicht. Der Nikolaus ist der Schutzpatron der Seefahrer, also passt die Glocke ja gut.


Wie viele Nikolaus-Auftritte haben Sie eigentlich pro Adventszeit?

Das schwankt. In diesem Jahr sind es fünf – und natürlich spiele ich auch für meine sechs Enkelkinder den Nikolaus. Am Nikolaustag werde ich in der Germania-Siedlung die Kinder an den Haustüren besuchen, am Wochenende werde ich dann ja wieder bei „Marten im Advent“ erwartet.


Dort fahren Sie ja seit einigen Jahren mit dem Trike vor (einem großen, dreirädrigen Motorrad, Anm. d. Red).. Das finden die Kinder bestimmt richtig cool, oder?

Ja, das ist schon etwas Besonderes. Auch wenn der Fahrer und ich bis zur Bühne ja nur zehn Meter zurücklegen ...


Haben Sie nach über 20 Jahren immer noch Lampenfieber vor Ihren Auftritten?

Ja, auf jeden Fall. Das ist auch wichtig, sonst kann man nicht gut sein. Bei mir macht sich das Lampenfieber immer mit einem Grummeln im Bauch bemerkbar. Wenn es vorbei ist, fühle ich mich erfüllt und ich freue mich, dass alle Spaß hatten.


Als Nikolaus erlebt man ja eine ganze Menge und trifft viele Kinder. Haben Sie eine Lieblings-Anekdote?

Ja, die habe ich tatsächlich. Einmal bin ich zusammen mit zwei Engeln aufgetreten. Ein Kind meinte: „Der Nikolaus könnte echt sein, die Engel sind es nicht. Ihre Flügel sind aus Pappe.“ Fand ich witzig.


Glauben Ihrer Meinung nach Kinder heutzutage überhaupt noch an den Nikolaus?

Ich denke, spätestens mit fünf, sechs Jahren nicht mehr. Aber die Kinder spielen mit, sie wollen sich wohl den Zauber bewahren.

Bis zum 30. November 2017 hat Karl Schreiter als Triebfahrzeuginstandhalter bei der DB Regio gearbeitet.

Seit dem 1. Dezember 2017 genießt der 63-Jährige seinen Ruhestand.

Als Nikolaus will Karl Schreiter aber noch eine ganze Weile weitermachen. Einen Nachfolger zu finden, sei ja auch nicht ganz einfach.

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