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Diskussion über #MeToo-Bewegung

Halterner Frauen: Sexuelle Belästigung ist „kein Kavaliersdelikt“

HALTERN Weltweit nutzen Betroffene von sexueller Gewalt die sozialen Netzwerke (#MeToo-Bewegung), um über ihre Erfahrungen zu berichten. Die Diskussion über Macht und Sexismus wird auch in Deutschland heftig geführt. Die Bundesfamilienministerin Katarina Barley (SPD) forderte schärfere Gesetze gegen sexuelle Belästigung. Fünf Frauen aus Haltern nehmen Stellung.

Halterner Frauen: Sexuelle Belästigung ist „kein Kavaliersdelikt“

Wo fängt die sexuelle Belästigung an? Der unerwünschte Griff zum Knie gehört auf jeden Fall dazu. Foto: Foto: dpa

Maaike Thomas (Grüne) ist die einzige der Gesprächspartnerinnen, die sagt: „Mir ist das Problem persönlich bekannt. Ich glaube, dass es in unserer Gesellschaft weit verbreitet ist.“ Fast jede Frau könne ein Lied davon singen. Aber es sei immer noch ein Tabu, sexuelle Übergriffe öffentlich zu machen. Deshalb sei die #MeToo-Bewegung so wichtig.

Zu oft würden Abhängigkeitsverhältnisse für übergriffige Verhaltensweisen ausgenutzt. Betroffene Frauen befänden sich dann in der Zwickmühle. Sie fragten sich, ob sie sich wehren und damit ihren Job oder eine schlechte Arbeitsatmosphäre riskieren sollen. „Sexuelle Übergriffe sind kein Kavaliersdelikt“, unterstreicht Maaike Thomas. Mit härteren Gesetzen sei diesen allerdings nicht beizukommen. Vielmehr brauchten Frauen niederschwellige Angebote und Ansprechpartner, um ihre Probleme anzugehen.

Kinder stark machen

„Kinder müssen stark gemacht werden, Nein zu sagen“, meint Anne Feldmann (SPD). Nur so seien dann auch Erwachsene darauf vorbereitet, sich vor Übergriffen zu schützen. Die DLRG in Westfalen, deren Präsidentin Anne Feldmann ist, setze diesen Ansatz in ihrer Ausbildung um. Das Konzept heißt „Respektvoller Umgang mit Grenzen“ und soll junge Menschen ermuntern, sich in unangenehmen Situationen zu wehren. „Nicht jeder Trainer muss mich mit der Hand anfassen“, nennt sie einen Aspekt. Neue Gesetze seien allerdings nicht notwendig. „Wenn man die Gesetze, die vorhanden sind, vernünftig anwendet, reicht das aus“, fügt die SPD-Frau hinzu.

Thema kann „nicht genug hochgekocht werden“

Dieser Einschätzung widerspricht Hiltrud Schlierkamp (CDU), die Katarina Barley darin recht gibt, schärfere Gesetze zu fordern. Halterns stellvertretende Bürgermeisterin geht davon aus, dass dem Familienministerium für einen solchen Vorstoß genügend Fakten vorliegen. Im Übrigen könne das Thema sexuelle Übergriffe gar nicht genug hochgekocht werden, denn für jeden Betroffenen seien sie ein Albtraum. Allerdings sei eine differenzierte Sichtweise geboten. Angelehnt an die Situation in den USA sagt Hiltrud Schlierkamp: „Wenn ein Chef seine Macht ausnutzt, ist das eine Riesen-Sauerei.“ Die Frauen hätten es allerdings hingenommen, zum Opfer zu werden, um ihren beruflichen Zielen näherzukommen.

Tabuzone fängt bei eindeutigen Sprüchen an

Die Tabuzone dürfe niemand überschreiten, betont Marlies Breuer (WGH). „Sie fängt bei eindeutigen Sprüchen und dem Tätscheln hier und da an“, beschreibt sie. Vor allem junge Menschen könnten durch ein solches Verhalten verunsichert werden. „Weil sie sich in dem Moment nicht wehren können, wird das als Zustimmung interpretiert“, meint die WGH-Politikerin und führt aus: „Ich persönlich bin der Meinung, dass sexuelle Übergriffe geahndet werden müssen.“ Dabei seien überwiegend Frauen die Opfer, aber zu einem kleinen Prozentsatz wohl auch Männer. Marlies Breuer ist überzeugt, dass Übergriffe nicht nur an deutschen Theatern, sondern „in allen Bereichen der Gesellschaft“ vorkommen.

Sender und Empfänger

Dr. Ariane Schmidt (FDP) findet es schwierig, das Problem mithilfe von Gesetzen und Urteilen in den Griff zu bekommen. „Es ist schwer, eine Grenze zu ziehen, wenn keine Zeugen dabei sind“, begründet sie ihre Haltung. Was in den USA passiert ist, sei sicher eklatant und habe nichts mehr mit dem Griff aufs Knie zu tun. Komme es zu einem Fehlverhalten, hänge das wohl mit den Signalen zwischen Sender und Empfänger zusammen.

Die Ansprechpartnerinnen von SPD, CDU, WGH und FDP erklären, dass sie selbst nie Opfer eines sexuellen Übegriffs geworden seien. Einstimmig sagen sie: „Wir wüssten uns zu wehren.“

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