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Glaubenskrieg um Glyphosat

Halterner Landwirte setzen Pestizid selten ein

Haltern Die EU hat die Entscheidung getroffen, den Einsatz des Pflanzengiftes Glyphosat für weitere fünf Jahre zu erlauben. Um Glyphosat ist ein Glaubenskrieg entbrannt. Wir fragten in Haltern nach Einschätzungen.

Halterner Landwirte setzen Pestizid selten ein

In 5-Liter-Behältern können registrierte Landwirte Glyphosat bei der Raiffeisen Haltern erwerben. Bei der Raiffeisen firmiert Glyphosat unter dem Namen Taifun. Foto: Steffe Foto: Foto:Holger Steffe

Wenn der Begriff „Glyphosat“ fällt, ist die Verunsicherung groß – bei Verbrauchern und Naturschützern, aber auch bei Landwirten. Die EU hat jetzt die Entscheidung getroffen, das umstrittene Pflanzenschutzmittel für fünf weitere Jahre zuzulassen. Das Mittel ist ein Totalherbizid, wird seit Jahren von Landwirten genutzt – auch in Haltern.

Kreislandwirt Friedrich Steinmann sagt ganz klar: „Wir brauchen Glyphosat.“ Entsprechend bewertet er die EU-Entscheidung positiv. Allerdings räumt er auch ein, dass das Mittel in der Vergangenheit zu oft und möglicherweise in zu hoher Konzentration angewandt wurde. Er empfiehlt deshalb eine mit Fachleuten abgestimmte Vorschrift, Glyphosat nur noch eingeschränkt nutzen zu dürfen. Von einem Verbot hält er nichts.

Klare Anwendungsempfehlungen
Der Halterner Ortslandwirt Georg Schulte-Althoff kann Steinmann in diesem Punkt nur zustimmen: „Es gibt klare Anwendungsempfehlungen für das Glyphosat, hält man sich daran, dann ist der Einsatz von Glyphosat unbedenklich.“ Schulte-Althoff verweist auf das Bundesinstitut für Risikoforschung (BfR) und dessen Bewertung. „Das ist ein Institut, das von der Grünen Renate Künast ins Leben gerufen worden ist“, betont Schulte-Althoff. Nach Meinung des BfR „besteht in der Frage der wissenschaftlichen Gewissheit weltweit Konsens zwischen allen Risikobewertungsinstitutionen“. Nachzulesen ist das auf der Internet-Seite des Institutes www.bfr.bund.de/glyphosat. Professor Andreas Hensel vom BfR kommt in seinen Betrachtungen in der Ausgabe 4/2016 der „Zeitschrift für das gesamte Lebensmittelrecht“ zu folgendem Ergebnis: „Nach derzeitigem Stand des Wissens bei bestimmungsgemäßer und sachgerechter Anwendung des Pflanzenschutzmittelwirkstoffes Glyphosat ist keine Gesundheitsbeeinträchtigung für den Menschen zu erwarten“.

Unabhängig von dieser wissenschaftlichen Betrachtung treten Umweltorganisationen wie der Nabu für ein Verbot von Glyphosat ein. Kritisch sieht Ute Kühler, Vorsitzende des Nabu-Kreisverbandes Recklinghausen, die umstrittene EU-Entscheidung. „Wir als Naturschützer lehnen solche Mittel ab, sind also auch gegen den Einsatz von Glyphosat.“ Solange Zweifel an dem Pflanzengift bestünden, sollte man es auch nicht nutzen dürfen, sagt sie. „Umweltnutzer und Umweltschützer haben da grundsätzlich viele Meinungsverschiedenheiten“, sagt sie mit Blick auf die aktuelle Diskussion.

Problematischere Mittel
Georg Schulte-Althoff meint, es gebe deutlich problematischere Pflanzengifte auf dem Markt als Glyphosat. Glyphosat werde von den Landwirten in Haltern „äußerst maßvoll“ eingesetzt. „Zum Beispiel dann, wenn die Überreste einer Zwischenfrucht beseitigt werden müssen, um das Feld für den Maisanbau zu präparieren.“ Vereinzelt werde Glyphosat auch an Ackerrändern zur Beseitigung des Unkrautes genutzt.

„Ansonsten haben wir hier in Haltern einen sehr gesunden Mix von Getreide- und Maisanbauflächen sowie Grünland. „Vielen fällt gar nicht auf, wie viel Grünland wir hier haben, weil die Blicke sehr häufig auf den im Sommer hochstehenden Mais fokussiert sind“, so Schulte-Althoff.

Die Raiffeisen Haltern, der Handelsanbieter für Landwirte, bestätigte auf Anfrage am Freitag die „große Zurückhaltung der Halterner Bauern beim Kauf des Pestizides“: „Wir verkaufen Glyphosat nur in sehr geringen Mengen“, so Thomas Eckermann auf unsere Anfrage. Raiffeisengeschäftsführer Günter Hessing ergänzt: „Die Fruchtfolge auf den Feldern greift vieles auf. Glyphosat ist ein Problemlöser für Probleme, wenn die Verunkrautung trotz Fruchtfolge nicht in den Griff zu kriegen ist.“ Jeder Landwirt müsse Buch darüber führen, wo und auf welchen Feldern er die eingekauften Mengen Glyphosat eingesetzt habe: „Außerdem braucht er einen Sachkundenachweis für Pflanzenschutzmittel. Ohne Ausweis bekommt er das Glyphosat erst gar nicht ausgehändigt“, so Hesisng.

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