Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.

„Die Welt erwartet Dich!“

In der Stiftung lebt Elena weiter

Haltern Elena Bleß gehört zu den Opfern der Flugzeugkatastrophe vom 24. März 2015. Die Eltern Dr. Martin und Annette Bleß unterstützen seither mit einer Stiftung Jugendliche, die die Welt entdecken möchten. „Der Schmerz, Elena verloren zu haben, begleitet uns täglich. Mit der Stiftung Jugendlichen Freude vermitteln zu können, ist kein Trost in der Trauer, aber ein schöner Gedanke“, sagt das Ehepaar.

In der Stiftung lebt 
Elena weiter

Die Stiftung hält das Andenken an Elena aufrecht.Foto privat

Elena Bleß starb am 24. März 2015 beim Flugzeugabsturz in den französischen Alpen. Einen Tag vor ihrem 16. Geburtstag. Die Eltern setzten ihrer Tochter kein Denkmal aus Stahl oder Stein, sondern gründeten eine Stiftung. Diese schickt junge Leute hinaus in die Welt. Unter dem Titel „Die Welt erwartet Dich“ unterstützt die Elena-Bleß-Stiftung seit 2015 Schulen und Schüler bei Austausch-Programmen und bei Berufspraktika im Ausland. Diesen Titel trägt auch ein Informationsflyer der Stiftung für Lehrer, Eltern und Schüler.

Besuch im Dezember

Vom 18. bis 22. Dezember kommen drei französische Jugendliche aus der Partnerstadt Roost-Warendin nach Haltern. Sie schnuppern in verschiedene Berufe. Maeva Dermy zum Beispiel schaut sich die Arbeit in der Redaktion der Halterner Zeitung an. Die Stiftung übernimmt die Reise – und wenn nötig ebenso die Aufenthaltskosten. Als Partnerschule kümmert sich auch die Alexander-Leben-stein-Realschule um die jungen Gäste.

„Mittlerweile haben wir 34 Praktikanten Stipendien zugesprochen und 13 Mal einen Schüleraustausch mitfinanziert. Dafür haben wir über 22000 Euro ausgezahlt“, nennt Stiftungsvorsitzende Annette Bleß Zahlen der vergangenen zwei Jahre.

Schüleraustauschprogramme werden zurzeit nur an kooperierenden Schulen unterstützt. Partner sind das Joseph-König-Gymnasium und die Alexander-Lebenstein-Realschule wie auch Schulen in Marl, Reken, Münster, Brakel, Aachen, Kaiserslautern und Brühl.

Die Förderung für Auslandsberufspraktika wiederum kann von Schülern, Eltern oder Schulen in Deutschland oder im europäischen Ausland beantragt werden.
Auf der Internetseite der Elena-Bleß-Stiftung berichten Praktikanten von ihren Erfahrungen. So auch Aliena vom beruflichen Gymnasium in Kaiserslautern. Sie weilte vier Wochen in der englischen Stadt Shrewsbury, wo sie ein Praktikum im „Shrewsbury Museum and Art Gallery“ absolvierte.

Von Anfang an hatte Aliena einen sehr guten Kontakt zu ihren Kollegen und durfte interessante und anspruchsvolle Aufgaben übernehmen: So übersetzte sie zum Beispiel die Museums-Guides, beantwortete Besuchern der Ausstellung Fragen zu den Exponaten und bediente sogar die Virtual-Reality-Brille in der Antarktika-Ausstellung. In den beiden letzten Wochen ihres vierwöchigen Praktikums beschäftigte sie sich mit einem spannenden Marketingprojekt und der Frage, wie man möglichst viele Besucher ins Museum locken kann. Andere Schüler arbeiteten während ihres Praktikums beispielsweise in einem französischen Seniorenheim, in einem Café in Spanien oder im Goethe-Institut Verona.

Elena hat es geliebt, Sprachen zu lernen, ins Ausland zu reisen und Menschen in anderen Kulturen zu treffen. Im Sommer 2015 wollte sie ein Berufspraktikum in Spanien machen.

Zeichen in der Ohnmacht

Junge Träume zerschellten an einem Bergmassiv in den französischen Alpen. Ein depressiver Co-Pilot brachte die Germanwings-Maschine gezielt zum Absturz. Sechs Besatzungsmitglieder und 144 Passagiere starben, darunter 16 Schülerinnen und Schüler sowie zwei Lehrerinnen des Joseph-König-Gymnasiums.


Auf den Tag und fast auf die Stunde genau einen Monat nach dem Absturz gründeten Dr. Martin und Annette Bleß die Stiftung im Gedenken an ihre Tochter. „Mit der Stiftung wollen wir den Austausch unter jungen Menschen in Europa fördern“, sagt Annette Bleß, die Vorsitzende der Stiftung. Als Grundstock verwendete das Ehepaar erste Entschädigungszahlungen der Lufthansa. Dieses Geld wollten sie nicht für sich persönlich verwenden.

„Kein Geld kann uns unsere Tochter wiedergeben. Aber wir können mit dem Geld etwas Gutes für andere tun“, sagte das Ehepaar damals in Münster bei der Überreichung der Stiftungsurkunde.

Überführung dauerte lange
„Wir wollten etwas tun, um an Elena zu erinnern. Da wir lange auf die Überführung warten mussten, hatten wir Zeit für die Gründung dieser Stiftung“, erzählt Annette Bleß rückblickend bei einem Treffen. In ihrer Ohnmacht nach dem schmerzvollen Schicksalsschlag wählten sie diesen Weg, um dem unbeschreiblich Schrecklichen etwas Positives entgegenzusetzen. Auch, wenn es nicht über den Verlust von Elena hinweg half.

Mit ihrer Stiftung ermöglichen Martin und Annette Bleß anderen jungen Menschen, das zu erleben, was Elena immer so große Freude bereitet hat: Sprachen lernen, Menschen begegnen und sich verständigen. Der damalige Regierungspräsident Dr. Reinhard Klenke überreichte voller Bewunderung die Stiftungsurkunde: „In der Elena Bleß-Stiftung werden Name und Gedenken an Ihre Tochter weiterleben. Sie geben etwas von der Liebe, die sie Ihrer Tochter nicht mehr schenken können an andere junge Menschen und Sie setzen ein beeindruckendes Zeichen von Tapferkeit, das anderen Leidenden Mut machen kann.“


Das hat das Halterner Ehepaar mittlerweile auf vielfache Weise getan.

Anzeige
Anzeige