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Schadstoffe durch Munitionsfabrik

Neue Daten zu Sythens verseuchtem Grundwasser

SYTHEN Im Jahr 2010 verhängte der Kreis für Teile von Sythen ein Grundwassernutzungsverbot. Schuld sind Rückstände einer alten Munitionsfabrik, die sich langsam in Richtung des Halterner Stausees bewegen. Nach neuen Untersuchungen muss die Verbotszone nicht ausgeweitet werden, Grund zum Aufatmen gibt’s aber nicht.

Neue Daten zu Sythens verseuchtem Grundwasser

Am Flüchtlingscamp in Sythen werden derzeit Bohrungen durchgeführt. Foto: Foto: Silvia Wiethoff

Ab 1916 ließ die Kaiserliche Armee von der Wasag in Sythen-Lehmbraken Granaten und Bomben herstellen. Produktionsrückstände, die mit Spülwasser entsorgt wurden, sickerten ins Erdreich. Noch heute, 100 Jahre später, ist das Grundwasser durch sogenannte sprengstofftypische Verbindungen belastet. Ausgegangen vom Werksgelände der ehemaligen Wasag bewegen sich die Schadstoffe in südliche Richtung. Es handelt sich um eine der größten Rüstungsaltlasten bundesweit.

Wie ist der aktuelle Stand?

Das Grundwasser im Bereich des ehemaligen Wasag-Betriebsgeländes und in der sich anschließenden Entnahmeverbotszone wird regelmäßig untersucht. Das neueste Monitoring fand im September statt. Es wurden Proben aus 58 Messstellen entnommen. Der Kreis richtete zwei neue Tiefengrundwassermessstellen ein. Diese befinden außerhalb der Verbotszone im Einfahrtsbereich des Truppenübungsplatzes (Sythener Straße/Stockwieser Damm) und auf einem Grundstück an der Straße Am Mühlenbach westlich der Brücke über den Mühlenbach. Das Grundwasser an den beiden neuen Bohrstellen, die bis in 100 Meter Tiefe reichen und in jeweils vier unterschiedlichen Tiefenstufen untersucht wurden, ist nicht belastet. Die Verbotszone für die Entnahme von Grundwasser muss deshalb nicht erweitert werden.

Wie wird die Schadstoffausbreitung derzeit eingeschätzt?

In den Probebrunnen hat die jeweilige Konzentration der Schadstoffe sowohl zugenommen als auch abgenommen. „Zum Teil höhere Konzentrationen als bisher werden innerhalb des Werksgeländes und - aktuell in deutlich abgeschwächter Ausprägung - in der Kernzone der Schadstoff-Fahne in Lehmbraken festgestellt“, teilte Georg Wohlfahrt, Geologe beim Kreis Recklinghausen mit. Die Ursache hierfür dürfte sein, dass dort in den letzten Jahren intensive Bodenbewegungen zur Sanierung stattgefunden haben. Dadurch könnte eine Mobilisierung der Schadstoffe im Boden und im Grundwasser ausgelöst worden sein.

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Was wurde bisher gegen die Ausbreitung unternommen?

Das Ausmaß des Schadens ist inzwischen weitgehend erkundet. Die Ursachen sind bekannt. Daran haben sowohl der Kreis Recklinghausen als auch der Rechtsnachfolger der Wasag, die Sythengrund Wasagchemie Grundstücksverwertungsgesellschaft Haltern mbH, gearbeitet. Das oberflächennahe Grundwasser wurde gefördert, aufbereitet und wieder eingeleitet. Belastete Böden sind ausgekoffert und entsorgt. Nach heutigem Kenntnisstand wurde die Nachlieferung von Schadstoffen in das Grundwasser, die vom Werksgelände ausging, eingedämmt.

Ist die Altlastensanierung damit abgeschlossen?

Nein, leider nicht. Die Hauptbelastungsfahne im Grundwasser bewegt sich mittlerweile außerhalb des Werksgeländes in einer Tiefe von bis zu 100 Metern und kann mit einem verhältnismäßigen Aufwand nicht saniert werden. Die hydrologische Besonderheit der Halterner Sande erschwert eine Beurteilung des Schadens und der Auswirkung auf das Verhalten der Schadstoffe. Viele Fragen sind noch offen. Es wird geschätzt, dass sich die Schadstoffe pro Jahr ungefähr 30 Meter weiter in Richtung Süden bewegen.

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Wie sollen sich die Anwohner in der Verbotszone verhalten?

Es ist wichtig, weiterhin darauf zu verzichten, Grundwasser zu fördern und beispielsweise damit den Garten zu bewässern. Die sprengstofftypischen Verbindungen gelten als krebserregend und sollten deshalb am besten überhaupt nicht mit dem Menschen, aber auch nicht mit Tieren und Pflanzen in Kontakt kommen.

Bewegt sich die Schadstofffahne auf den Stausee zu?

Ja, aber es sieht zurzeit nicht danach aus, dass sich belastetes Grundwasser schnell in Richtung des größten Trinkwasserreservoires der Region bewegt. Ursprünglich war man davon ausgegangen, dass die Schadstoffe in den 2040er-Jahren den Stausee erreichen. So lange die beiden neuen Probebrunnen nicht belastet sind, gilt der Übertritt von Schadstoffen in die Talsperre Haltern als unwahrscheinlich. Außerdem wird erwartet, dass die Konzentration weiter abnimmt. Übrigens wurden auch keine sprengstofftypischen Verbindungen im Brunnen des Freibads Sythen und im Wasser des Silbersees gefunden.

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