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Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung

Lesen fällt Kindern auch in Legden schwerer

Legden 18,9 Prozent aller Viertklässler in Deutschland können nicht richtig lesen, wenn sie die Grundschule verlassen. Die Leiterin der Brigidenschule, Silvia Florack, weiß, wie es in Legden aussieht.

Lesen fällt Kindern auch in Legden schwerer

Silivia Florack leitet die Brigidenschule in Legden. Foto: Foto: von Wangenheim

Es ist ein erschreckendes Ergebnis der Internationalen Grundschul-Lese-Untersuchung (IGLU). Auch an Legden geht diese Entwicklung nicht vorbei. Im Gespräch mit Redakteurin Ronny von Wangenheim spricht Silvia Florack, Schulleiterin der Brigidenschule, über die Situation in Legden.

Lesen Kinder wirklich immer schlechter?

Tendenzen können wir hier auch beobachten. Die Probleme beim Lesen nehmen zu. Dabei läuft das Lesen eigentlich ganz gut. Die Technik erlernen die Kinder relativ schnell. Aber manche haben große Probleme bei der Sinnentnahme – also beim Lesen gleichzeitig mitdenken, was der Satz aussagt.

Was sind die Ursachen?

Das hat auf jeden Fall mit Konzentration zu tun. Ansonsten kann ich auch nur Vermutungen äußern. Die Kinder wachsen heute anders auf, auch unselbstständiger als früher. Und sie sind nicht mehr so viel draußen.

Was hat das Spielen draußen mit dem Lesen zu tun?

Wer draußen spielt, ist anderen Einflüssen ausgesetzt, hat eine andere Wahrnehmung und ist vielleicht auch nicht so zappelig. Motorik und Lern- und Leistungsfähigkeit hängen zusammen.

Wie wichtig ist Lesen?

Sehr wichtig: Lesen zieht sich durch alle Fächer durch. Auch im Sportunterricht, wenn bei Stationsläufen Aufgaben beschrieben werden.

Die Schere zwischen guten und schwächeren Lesern, auch das ein IGLU-Ergebnis, geht immer weiter auseinander.

Das stimmt: Wir bekommen teilweise lesende Kinder in die Schule, die bereits einfache, kleine Bücher lesen können. Bei der Lernstandserhebung „Vera“ in der dritten Klasse schneiden wir übrigens im guten Mittelfeld ab.

Auf der anderen Seite sind dann wahrscheinlich Flüchtlingskinder, Kinder von Migranten, die nicht so gut lesen können.

Das ist natürlich so, aber man kann die Entwicklung nicht nur an ausländischen Kindern festmachen. Das gilt genauso für deutsche Kinder.

Was tut die Brigidenschule zur Leseförderung? Wie sieht es mit Förderunterricht aus?

Wir machen so viel Förderunterricht wie möglich. Der ist auch fest eingeplant. Aber, ehrlich gesagt, wenn Lehrer fehlen oder krank werden, sind das die ersten Stunden, die gestrichen werden.

Wenn jetzt die I-Pad-Klassen kommen, hilft das auch beim Lesenlernen? Oder sollte man statt auf Digitalisierung einfach mal darauf setzen, Lesekompetenz zu vermitteln?

Es gibt sehr viele gute Leseprogramme. Für Kinder ist es sehr motivierend, am Computer zu arbeiten. Das sehen wir auch bei dem Antolin-Programm, an dem alle Kinder teilnehmen, sobald sie lesen können. Hier lesen Kinder erst Bücher, die wir hier in der Schule haben, und dürfen dann am Rechner Fragen passend zum Buch beantworten. Dabei können sie Punkte sammeln. Zur Belohnung gibt es Urkunden oder den Titel eines Lesekönigs. Die Kinder freuen sich, wenn sie die Fragen richtig beantworten, das tut ihnen gut.

Was würden Sie an der Brigidenschule gerne tun?

Wir finden die Idee der Lesepaten gut. Dass sich also die vierten Klassen einmal die Woche um die zweiten Klassen kümmern, die dritten um die ersten Klassen. Dafür fehlt aber Personal. Und natürlich sollen kontinuierlich Förderstunden laufen.

Was kann die Politik beitragen?

Man müsste den Beruf des Grundschullehrers attraktiver machen, um dem Lehrermangel zu begegnen. Es ist kein finanzielles Problem. Stellen sind ja da. Aber es gibt keine Lehrer.

Und was können die Eltern tun?

Das fängt beim täglichen Gespräch an. Bevor ich lesen lerne, muss ich sprechen lernen. Und dann natürlich sollen Eltern mit ihren Kindern lesen. Zehn Minuten am Tag reichen schon. Eltern sollten immer Vorbild sein. Das schließt das tägliche Gespräch und die eigene Lesehaltung ein.

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