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Haus Mühlenbach in Legden

Neue Wohngruppe für Autisten

LEGDEN Um eine vergleichbare Einrichtung zu finden, muss man in Deutschland weit reisen. In Legden startet am 1. November eine Wohngruppe für Kinder und Jugendliche mit Asperger-Syndrom. Vorher öffnen sich die Türen.

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Ralf Brüchmann und Marlis Spieker-Kuhlmann sehen sich eines der Zimmer an, die bereits eingerichtet wurden. Überall fehlen noch Details.

Das Team bereitet sich auf die Eröffnung vor: (v.l.) Marc Verding, Edgar Lübking, Marc Hemker, Melanie Gehling und Nathalie Brands.

Die Küche ist fast komplett.

Das Haus Mühlenbach

Möbel zusammenbauen, Blumen kaufen, am inhaltlichen Konzept arbeiten – für das Team gibt es in diesen Tagen viel zu tun. Am Sonntag ist ganz Legden eingeladen, wenn das DRK am Roggenkamp sowohl den neuen Kindergarten als auch die Wohngruppe für Besucher öffnet. Es wird die einzige Gelegenheit sein, sich vor Ort umzusehen. Viel Besuch, Aufregung, das wäre das letzte, was die Jugendlichen brauchen, die das Asperger-Syndrom haben. Sieben Jugendliche ab zwölf Jahre werden hier künftig ein Zuhause finden.

Haus Mühlenbach

Haus Mühlenbach heißt die Einrichtung des Roten Kreuzes. „Wir wollten einen Namen, der für Kindergarten und für Wohngruppe passt“, sagt Ralf Brüchmann. Er ist beim DRK bereits zuständig für die Autismusambulanz und das „Ambulant Betreute Wohnen“ für Autisten. Jetzt kümmert er sich, dass die Wohngruppe einen guten Start hat. Nur in Brandenburg und Hessen hat er ähnliche Einrichtungen entdeckt. „Autisten mit Asperger fallen oft durch das Raster und landen in Sondereinrichtungen, in die sie nicht gehören“, sagt Marlis Spieker-Kuhlmann, DRK-Geschäftsbereichsleiterin. Sie sind normal, manchmal sogar überdurchschnittlich begabt. Drei Anmeldungen gibt es zurzeit, keine kommt aus dem Kreis Borken. Brüchmann rechnet damit, dass die sieben Plätze im kommenden Jahr gefüllt sind und dann schnell eine lange Warteliste entstehen wird.

Für das Rote Kreuz ist Legden ideal. Die Gemeinde ist klein und überschaubar, hat aber viele Angebote, so Brüchmann. Und das Haus liegt zentral. „Sie sollen nicht isoliert oder weit vom Schuss untergebracht werden“, sagt er. „Sie leben da, wo Leben ist“. Und noch ein Ziel hat er für die neuen Bewohner: „Dass sie ganz normale Legdener Jungs werden.“Dabei wollen sie helfen. Damit der Start in der Schule gelingt – sei es an der Sekundarschule in Rosendahl oder den Gymnasien in Ahaus oder Coesfeld – wurden erste Gespräche mit dem Schulamt des Kreises geführt. Auch mit Angelverein oder Jugendhaus Pool will das Team des Haus Mühlenbach Kontakt suchen. So viel Normalität wie möglich, das ist das Ziel.

Sessel statt Sofa

Deshalb wollen sie auch am Sonntag viele Nachbarn begrüßen und erzählen vom Leben im Haus Mühlenbach. Jedes der Kinder und Jugendlichen erhält ein eigenes Zimmer. Einige sind bereits möbliert, genauso können die Jungs aber auch ihre eigenen Möbel mitbringen. „Je mehr Individualität, desto besser.“ Alle teilen sich zwei Badezimmer, haben aber jeder ein eigenes Waschbecken. Einzelne Sessel stehen im Gemeinschaftsraum, von dem man aus einen schönen Blick bis zu den Kirchtürmen hat. Ein Sofa wurde bewusst nicht angeschafft. Kuscheln, Körperkontakt, das mögen Asperger-Autisten nicht. Gegessen wird in der großen Wohnküche. Hier lassen sich Tische zusammenschieben oder einzeln stellen. Das Team ist darauf vorbereitet, dass ein Jugendlicher nicht in der Gemeinschaft essen will. Fünf Sozialpädagogen, Heilerziehungspfleger und Erzieher haben bereits angefangen. Insgesamt gibt es sechs Vollzeitstellen, die von sieben Personen ausfüllen. Dazu kommt eine Hauswirtschaftskraft. Mindestens ein Betreuer, in Kernzeiten zwei Betreuer sind immer vor Ort: Sieben Tage die Woche rund um die Uhr. „Es wird eine herausfordernde Tätigkeit. Das ist allen bewusst“, sagt Ralf Brüchmann. Die fünf aus dem Team lachen. Sie freuen sich auf ihre Jungs.

 

 

 

Fragen und Antworten zum Thema

Was ist das Asperger-Syndrom? Es ist eine von drei Formen des Autismus. Es zeigt sich in Schwächen im sozialen Miteinander, in der Wahrnehmung und in der Interaktion mit Gleichaltrigen. Sie können beispielsweise keine Emotionen erkennen oder ausdrücken, verstehen deshalb auch keine Ironie. Sätze wie „Siehst Du kaputt aus“ nehmen sie wörtlich. Auch (motorische) Ticks gehören zum Störungsbild. Jungen sind mehr betroffen als Mädchen.

Wie ist die Unterscheidung zu anderen Formen? Im Gegensatz zum frühkindlichen oder atypischen Autismus haben die Kinder keine Verzögerungen und Beeinträchtigungen in Entwicklung oder Sprache. Sie sind normal begabt. Viele haben Inselbegabungen, oft im mathematischen und naturwissenschaftlichen Bereich. Einstein war vermutlich Asperger-Autist.

Welche täglichen Schwierigkeiten haben Menschen mit dem Asperger-Syndrom? Weil er nicht vorausschauend denken kann, weiß ein Junge beispielsweise nicht, was er anziehen muss, wenn er aus dem Fenster schaut. Er braucht Anhaltspunkte, in dem Fall ein Thermometer. Es ist problematisch, wenn vieles auf sie einströmt. Bei einer Klassenarbeit mit vielen Aufgaben kann es helfen, wenn das Blatt zerschnitten wird oder das Kind mit dem Kopf zur Wand sitzt.

Warum kann eine Wohngruppe richtig sein? Gerade in der Pubertät können die Probleme in der Familie, auch unter Geschwistern zu groß werden. Manchmal hilft ein neuer Start. Das gilt auch für Schule oder Freundeskreis.

Wie werden sie gefördert? Sie brauchen klare Strukturen, einen geregelten Tagesablauf, eine reizarme Umgebung. Die Therapeuten helfen, im Alltag klar zu kommen. Für Ralf Brüchmann sind sie „Übersetzer zwischen der Welt der Autisten und unserer Welt.“

 

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Ralf Brüchmann und Marlis Spieker-Kuhlmann sehen sich eines der Zimmer an, die bereits eingerichtet wurden. Überall fehlen noch Details.

Das Team bereitet sich auf die Eröffnung vor: (v.l.) Marc Verding, Edgar Lübking, Marc Hemker, Melanie Gehling und Nathalie Brands.

Die Küche ist fast komplett.

Das Haus Mühlenbach

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