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Mehr Geburten, mehr zugezogene Familien

Andrang in Lüner Kinderarztpraxen

Lünen In den Praxen der Kinderärzte ist es oft voll. Deshalb müssen kleine Patienten mitunter länger warten. Gründe für die Entwicklung sind mehr Geburten und Zuzüge von Familen.

Andrang in  Lüner Kinderarztpraxen

In Lünen werden mehr Kinder geboren. Foto: picture alliance / Patrick Pleul

„Wir haben deutlich mehr Patienten“, sagt Dr. Ayten Imren-Özden aus Brambauer.In den vergangenen zwei Jahren habe sie im Schnitt 400 Kinder pro Jahr mehr behandelt als davor. In der Woche kämen vier bis fünf Neugeborene dazu. Die Ärztin arbeitet in ihrer Praxis mit Dr. Mareike Schober zusammen. Die Entwicklung führe zu längeren Wartezeiten in der Praxis und auch am Telefon, so Imren-Özden.

Behandlung nach Termin
„Es ist voller, definitiv“, sagt auch Kinderärztin Dr. Christiane Günther-Ruppert. Sie ist in der Praxis in der Mersch mit Miriam Uding und Susanne Kretschmann tätig. „Wir versuchen, das aufzufangen, indem wir noch strukturierter arbeiten.“

Andrang in  Lüner Kinderarztpraxen

Seit 2011 werden mehr Kinder geboren. In diesem Jahr gab es bis zum Stichtag 21. November 806 Geburten. Foto: Grafik Mühe

Die Praxis läuft überwiegend nach Termin, auch in akuten Fällen sollten Eltern anrufen. „Damit können lange Wartezeiten vermieden werden“, so Günther-Ruppert.

Zugezogene Mutter findet keinen Arzt

Die Ruhr Nachrichten haben per Facebook Eltern nach ihren Erfahrungen gefragt. Die sind unterschiedlich. Eine Mutter von drei Kindern berichtet: „Wir sind zugezogen und finden erst gar keinen Arzt, der uns aufnimmt.“ Eine andere Mutter schreibt: „Meine Kinderärzte sind super. Teilweise noch gar nicht aus den Jacken `raus, da werden wir schon aufgerufen.“ Telefonisch sei der Papst bestimmt schneller zu bekommen, doch sie sei vollkommen zufrieden. Wie viele andere, die sich äußerten.

Für Imren-Özden ist die momentane Situation ein „Dilemma“. Sie habe keine zusätzlichen Kapazitäten, wolle aber auch keine Patienten abweisen. „Ich höre auch von anderen Kollegen, dass die Praxen voll sind“, sagt sie. Deshalb wünscht sie sich eine Lösung auf höherer Ebene. Die könnte sich im kommenden Jahr abzeichnen.

Sieben Kinderärzte in Lünen

In Lünen gibt es sieben Kinderärzte. Die Bedarfsplanung der fachärztlichen Versorgung wird kreisweit festgelegt, teilt Vanessa Pudlo, Sprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe, auf Anfrage schriftlich mit.

Die Richtlinie sehe einen Arzt für 3527 Kinder und Jugendliche vor. Das entspreche bei 27 Ärzten im Kreis Unna einem Versorgungsgrad von 132,6 Prozent. Ab 110 Prozent sei von einer Überversorgung die Rede, der Kreis sei somit für die Neuzulassung von Kinderärzten gesperrt.

Allerdings, so Pudlo, würden jährlich die Einwohnerdaten ausgewertet und bei Veränderungen angepasst. Diese Anpassung müsse allerdings vom Landesausschuss der Ärzte und Krankenkassen beschlossen werden.

Reform geplant

Pudlo kündigte an, dass im kommenden Jahr eine allgemeine Reform der Bedarfsplanung vorgesehen sei. Darin soll berücksichtigt werden, dass das Arbeitspensum der Kinderärzte beispielsweise auch aufgrund einer gestiegenen Behandlungsbedürftigkeit von Kindern und Jugendlichen deutlich zugenommen habe. Dazu zählten unter anderem vermehrt auftretende ADHS-Erkrankungen (Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung). „Auch die Untersuchungshefte für Kinder sind im Laufe der Jahre umfangreicher geworden, was für den Arzt eine deutliche Mehrarbeit bedeutet“, so Pudlo. Diese Entwicklungen sollen in der überarbeiteten Bedarfsplanung besser abgebildet werden.

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