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Aktion startet 2018

Lüner Stadtwerke tauschen über 45.000 Stromzähler aus

LÜNEN Die ersten digitalen Geräte werden 2018 eingebaut. Damit beginnt ein riesiges Umrüstungsprogramm. Finanzielle Vorteile für die Kunden sieht die Verbraucherzentrale dadurch aber vorerst nicht. Die Hintergründe.

Lüner Stadtwerke tauschen über 45.000 Stromzähler aus

So sieht der neue Stromzähler aus. Foto: Foto: Stadtwerke

Die Stadtwerke Lünen kündigen ein riesiges Umrüstungsprogramm an: Bis 2032 sollen über 45.000 Stromzähler gegen moderne, digitale Exemplare ausgetauscht werden. Wir erläutern die Hintergründe.

Warum erfolgt der Austausch?

Grundlage ist das Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende, verabschiedet im September 2016. Es verpflichtet die deutschen Energieversorger zur Installation der neuen Geräte. Verbraucher müssen das dulden. Ziel des Gesetzes ist es, Stromnetze, Erzeugung und Verbrauch effizient und flexibel aufeinander abzustimmen.

Wann genau geht es in Lünen los?

Die Stadtwerke wollen im Februar 2018 beginnen. Betroffene Kunden werden drei Monate vorher schriftlich informiert. Der gesamte Austausch zieht sich über Jahre hin, bis 2032.

Welche Kunden erhalten einen neuen Zähler?

Zunächst Kunden mit einem Jahresverbrauch bis 6000 Kilowattstunden pro Jahr. Bei ihnen wird eine „Moderne Messeinrichtung“ (mME) eingebaut. Ab 2019 rüsten die Stadtwerke auch auf das „Intelligente Messsystem“ (iMSys) um. Es ist für Kunden vorgesehen, die mehr als 6000 Kilowattstunden jährlich verbrauchen und/oder selbst Strom mit einer Anlage ab 7 Kilowatt Leistung erzeugen (zum Beispiel einer Photovoltaikanlage). Die iMSys-Geräte sind laut Stadtwerke erst ab 2019 auf dem Markt verfügbar.

Was können diese modernen Geräte?

Die „Moderne Messeinrichtung“, wie sie schon ab 2018 installiert wird, erfasst den aktuellen Zählerstand und speichert den Tages-, Wochen-, Monats- und Jahresverbrauch für einen Zeitraum von zwei Jahren. Das „Intelligente Messsystem“ speichert sogar im Viertelstundentakt. Vor allem aber kommuniziert es mit dem Energieversorger und übermittelt Verbrauchsdaten.

Übermitteln die digitalen Zähler für Kunden mit einem Verbrauch unter 6000 Kilowattstunden also keine Daten?

Nein, betonen die Stadtwerke. Wie bei einem klassischen Zähler muss der Zählerstand weiterhin abgelesen werden. Fernauslesung oder Fernsteuerung sei technisch nicht möglich.

Was ist dann der Sinn des Einbaus?

Die Kunden können ihren Verbrauch viel detaillierter als bisher verfolgen. „Intelligente Zähler machen es uns leichter, ein Bewusstsein für solche Situationen zu identifizieren, in denen wir viel Energie verbrauchen. Dadurch eröffnet sich die Möglichkeit, Änderungen in unserem Verbraucherverhalten vorzunehmen“, erklären die Stadtwerke. Bei Bedarf können die Geräte später mit einer Kommunikationseinheit nachgerüstet und somit zum intelligenten Zähler (iMSys) ausgebaut werden. Mit den Rückmeldungen der Geräte kann der Stromversorger sein Netz besser steuern. Denkbare spätere Anwendungen sind auch Tarife mit unterschiedlichen Preisen zu unterschiedlichen Zeiten. Doch das ist noch Zukunftsmusik.

Wer trägt die Kosten für die Umrüstung?

Der Austausch der Zähler sei für die Kunden kostenlos, erklären die Stadtwerke. Die Preise für Ablesung, Betrieb und einen späteren Ausbau seien vom Gesetzgeber durch Obergrenzen festgelegt worden. Die Stadtwerke haben die Tarife bereits veröffentlicht. Danach zahlen Kunden für den Zähler vom Typ mMe künftig 20 Euro brutto pro Jahr. Nach Angaben der Verbraucherzentrale NRW entspricht das exakt der gesetzlichen Obergrenze.

Wie beurteilen Verbraucherschützer die neuen Geräte?

Direkte finanzielle Vorteile sind für Verbraucher derzeit nicht zu erwarten“, urteilt die Verbraucherzentrale. Für die Smart Meter genannten intelligenten Zähler gebe es bislang kaum variable Tarife, bei denen der Strom z.B. nachts günstiger ist und das Gerät dann die Spülmaschine einschaltet.

Was ist mit dem Datenschutz?

Der Datenschutzstandard sei höher als beim Online-Banking, heben die Stadtwerke hervor. Die mME-Geräte speicherten nur Daten zum Stromverbrauch, keine persönlichen Daten wie Name, Anschrift oder Bankverbindung. Das gelte auch für die iMSys-Zähler, die im Unterschied zu mME mit dem Energieversorger kommunizieren. Die hohen Anforderungen des Gesetzes an die Datensicherheit bestätigt auch die Verbraucherzentrale. Wie jedes ans Internet angebundene Gerät könne aber auch ein Smart Meter Ziel von Hacker-Angriffen sein, so die Verbraucherschützer.

Das Thema ist komplex. Wo gibt es weitere Informationen?

Die Stadtwerke haben im Internet ein eigenes Informationsportal eingerichtet. Unter www.SWL24.de/smartmeter ist es zu erreichen. Wer sich so einen neuen digitalen Zähler schon einmal ansehen möchte, kann das im Kundenzentrum Borker Straße 56-58 tun und dort auch Fragen stellen. Eine Voranmeldung ist dafür nicht nötig.

Erhalten auch Gas-Kunden die digitalen Zähler?

Nein, das Gesetz sieht das nicht vor. In Zukunft werde aber auch die Einbindung von Gaszählern möglich sein. Die dafür notwendige Technik sei heute jedoch noch nicht verfügbar, heißt es bei den Stadtwerken.

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