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Besonderer Einsatz für Dachdecker

Wie der Hahn auf die Olfener Kirchturmspitze flog

Olfen Er hat Flügel, kann aber nicht flattern. Und seine Federn sind mit Lack verklebt. Für den Weg zurück auf die Olfener Kirchturmspitze brauchte der Wetterhahn deshalb Hilfe. Die bekam er auch – und Applaus.

Wie der Hahn auf die Olfener Kirchturmspitze flog

Thront wieder auf der Kirchturmspitze: der Wetterhahn. Foto: vom Hofe

Grau und still ist es an diesem Montagmorgen gegen 8 Uhr auf der von-Vincke-Straße. Zumindest für den ersten Moment. Dann schallen helle Rufe. „Wann geht es denn los?“ Mädchen und Jungen der Regenbogengruppe aus der Kita Arche Noah stürmen um die Ecke auf die Wiese vor dem evangelischen Gemeindezentrum. Sie wollen nicht das Ereignis verpassen, dass höchstens drei, vier Mal in einem Jahrhundert passiert.

Etwa 25 Meter hoch
Simon Vennemann (26) lächelt angesichts der unverhofften Zuschauer. „Ganz ehrlich“, sagt er, für ihn sei das heute auch eine Premiere. Selbst ein Dachdeckermeister wie er würde nicht alle Tage einem Wetterhahn zurück an seinen angestammten Platz helfen.

1,10 Meter breit, 70 Zentimeter hoch: „Der ist ja fast so groß wie ich“, ruft eines der Kinder, als die Handwerker den golden glänzenden Hahn aus der Kirche nach draußen tragen. Als er noch oben hing an der etwa 25 Meter hohen Kirchturmspitze, hatte er immer so winzig ausgesehen. Das wird er auch wieder – eine halbe Stunde später.

Bis dahin gibt es nicht nur für Vennemann und seine Kollegen vom gleichnamigen Olfener Dachdeckerbetrieb noch viel zu tun. Pfarrer Thorsten Melchert eilt in sein Büro und kommt wenig später zurück mit einem Stapel Papier: die aktuelle Ausgabe der Ruhr Nachrichten, die evangelische Kirchenzeitung, der Gemeindebrief und die ökumenische Erklärung, die Vertreter beider christlicher Olfener Gemeinden in diesem Sommer verfasst hatten: „Das kommt alles mit nach oben“, sagt er und packt alles in einen wasserdichten, schwarzen Beutel: so eine Art Gruß an die Zukunft.

Kugel mit Dokumenten

Im Hahn sei dafür kein Platz. „Aber in der Kugel darunter.“ Sie war bereits 1953 auf der Turmspitze, als die Christuskirche eingeweiht wurde. Der Hahn ist erst rund zehn Jahre später dazu gekommen, als die damals stetig wachsende Gemeinde anbauen musste.

Für einen Wetterhahn sind 50 Jahre eigentlich kein Alter.

Auf dem Weg zurück an die Kirchturmspitze.

Simon Vennemann vom gleichnamigen Dachdeckerunternehmen leitet die Aktion.
Pfarrer Melchert freut sich, dass zu Weihnachten alles fertig geworden ist.
Geschafft: Hahn und Kgel sind wieder an ihrem Platz.
Der Olfener Wetterhahn auf seinem Weg zurück an die Spitze.
Der Olfener Wetterhahn auf seinem Weg zurück an die Spitze.
Der Olfener Wetterhahn auf seinem Weg zurück an die Spitze.
Der Olfener Wetterhahn auf seinem Weg zurück an die Spitze.
Der Olfener Wetterhahn auf seinem Weg zurück an die Spitze.
Der Olfener Wetterhahn auf seinem Weg zurück an die Spitze.

Dass er jetzt dennoch einer Rundumsanierung bedurfte, hat mit einem schweren Gewitter zu tun.“ Ein Blitz hatte den Hahn unversehens in ein verkohltes Hähnchen verwandelt. Ohnehin anstehende Arbeiten am Kirchturm (RN berichteten) boten jetzt die Gelegenheit, den Schaden zu beheben.

Aus Kupfer

Vennemann steigt mit einem Kollegen in den Korb des Kranwagens. Mit dabei: die beiden Hälften der Kugel – und der schwarzen Beutel. Ruckelnd hebt sich der blaue Kranarm nach oben. Es fängt an zu regnen. Dennoch halten die Kinder unten aus, um ja nichts zu verpassen.

Die beiden Handwerker hantieren in schwindelerregender Höhe. Als sie schließlich wieder nach unten fahren, ruft jemand „Applaus“. „Zu früh“, antwortet Melchert und deutet auf den Riesenvogel, der nach wie vor unten steht. Das Werk ist noch nicht vollbracht.

Drei Schichten Lack bedecken das Metalltier aus Kupfer. Ohne diese Behandlung würde es im Nu dunkel anlaufen, sagt Klaus Schlinger aus Vennemanns Team. Er bückt sich und hebt mit Kraft das schwere Federvieh hoch. Jetzt ist der Hahn im Korb und steigt ohne einen Flügelschlag stetig nach oben an seinen Stammplatz.

Was das überhaupt soll: der Hahn auf der Kirchturmspitze? Pfarrer Melchert hat die Antwort: „Das geht zurück auf die berühmte Geschichte im neuen Testament, in der Jesus dem Petrus prophezeit: ,Du wirst mich dreimal verleugnen, ehe der Hahn kräht.‘“ So sei es auch gekommen. Jesus wird gefangen genommen und Petrus gefragt, ob er zu ihm gehört. Er streitet es dreimal ab – und dann kräht es. „An diese Geschichte erinnert der Hahn auf den Kirchtürmen“: eine Art Mahnmal für Aufrichtigkeit. Leider auch für Opportunismus. Denn der Hahn hält nicht starr an Grundsätzen fest, sondern dreht sich wendig mit dem Wind.

Für die Geschichtsbücher

Melchert könnte noch viel über die Symbolik sagen, doch Applaus unterbricht ihn. Eine ganze Kindergartengruppe und einige Nachbarn und Neugierige feiern das Ereignis, das in die Geschichtsbücher eingehen wird – zumindest in die der evangelischen Kirchengemeinde.

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