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Vorstoß der Frauengruppen

Wieso sind so wenige Straßen in Schwerte nach Frauen benannt?

SCHWERTE Mehr als 400 Straßen gibt es in Schwerte. 84 tragen Männernamen, 10 Frauennamen. Warum ist das so? Kann man das nicht ändern? Die Arbeitsgemeinschaft Schwerter Frauengruppen startet einen weiteren Vorstoß. Doch bei der Stadt hat man Gegenargumente.

Wieso sind so wenige Straßen in Schwerte nach Frauen benannt?

Der Mann dominiert - nicht nur der Thomas Mann. Beispiele von Schwerter Straßenschildern. Montage Paulitschke

Die Arbeitsgemeinschaft Schwerter Frauengruppen macht sich seit Jahren für Frauennamen auf Straßenschildern stark. Doch nur die Zuwegung zum Rewe am Bahnhof erhielt in jüngerer Vergangenheit den Namen ein Frau, nämlich Margot-Röttger-Rath Straße. Ansonsten setzt die Kommunalpolitik einvernehmlich auf Flurnamen.

Der Arbeitskreis Schwerter Frauengeschichten hat es genau nachgehalten. „Nach einer Zählung haben wir in Schwerte ca. 430 Straßen, davon sind 84 Straßen mit Männernamen und 10 Straßen mit Frauennamen benannt. Von Gleichstellung keine Spur“, schreibt Gudrun Körber vom Arbeitskreis in einer Stellungnahme.

Und auch die städtische Gleichstellungsbeauftragte, Birgit Wippermann, ist nicht glücklich mit dem Verfahren. Zumal für beide neuen Straßen auch ein Namens-Vorschlag vorlag, sie nach einer Schwerterin zu benennen. So sollte die neue Straße in Ergste den Namen der Ergsterin Cilli Kranefeld tragen. Der Ältestenrat der Stadt, in dem die Ratsparteien und die Verwaltung vertreten sind, schlägt aber vor, diese Straße Am Wiethlohbach zu benennen.

Hermann-von-Wanthoff-Straße statt Sophie-Ludwig-Straße

Eine bedeutende Chance sei damit vertan, so das Bündnis. Doch noch verärgerter ist man über die geplante Straßenbenennung in Wandhofen. Hier hatten die Frauen gehofft, dass eine Straße nach Sophie Ludwig benannt wird. Dass die Verwaltung hier vorschlage, die Weiterführung der Straße genau wie den bestehenden Teil jetzt Hermann-von-Wanthoff-Straße zu nennen, setze dem Ganzen ja wohl die Krone auf. „Hier scheint eine bewusste Verhinderungsstrategie vorzuliegen“, so Gudrun Körper in ihrer Stellungnahme.

Bei der Stadt sieht man das anders. „Es gibt zwei gültige Ratsbeschlüsse zum Thema Vergabe von Straßennamen“, erklärte Stadtsprecher Carsten Morgenthal am Montag. So habe man 2003 eine Reihenfolge bei der Namensvergabe festgelegt. Und die lautetet, zunächst sei die örtliche Historie zu berücksichtigen, dann seien es geografische Besonderheiten, danach alte Gelände- oder Flurbezeichnungen und erst dann herausragende Persönlichkeiten der Stadtgeschichte.

Wenn das alles nicht zum Tragen kommt, könne man auf andere Personen der Geschichte oder Berühmtheiten zurückgreifen. Drei Jahre später beschloss man dann, dass verstärkt Frauen bei der Vergabe von Straßennamen berücksichtigt werden sollten. Dazu hatte man damals die Verwaltung mit beauftragt, eine Liste geeigneter Frauen aus Schwertes Geschichte zu erstellen. „Ob dieser Beschluss sich auf den vorhergehenden beruft, oder ihn aufhebt, ist Auslegungssache“, so Morgenthal, der auch Städtischer Rechtsrat ist. Auch die Diskussion um die Verstrickung der Dichterin Agnes Miegel in das Nazi-Regime und die Umbenennung der Miegel-Straße in Kleine Feldstraße hatte offensichtlich den Beschluss von 2003 gestärkt. Denn seitdem waren nahezu alle Wünsche, Straßen nach Persönlichkeiten zu benennen, in den Ratsgremien gescheitert.

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Den letzten weiblichen Straßennamen gab es im Jahr 2010

Ebenfalls im vergangenen Jahr wurde ein Teil der Paulinenstraße in Südliche Paulinenstraße umbenannt. Die letzte Straßenbenennung nach Namen, es war übrigen eine Frau, fand am 16. September 2010 statt. Damals erhielt die Margot-Röttger-Rath-Straße ihren Namen. Der letzte männliche Namenspatron war Robert Bosch, nach ihm wurde die Straße zum Logistikzentrum auf dem Brüninghaus-Gelände benannt. Beide Straßennamen waren auch ein Geschenk an die Investoren. Am Bahnhof hatte die Erbengemeinschaft von Margot-Röttger-Rath das Grundstück der ehemaligen Wilhelmshütte, die der Familie Rath gehörte, für das Einkaufszentrum verkauft. Auf dem Brüninghausgelände hatte sich eine Firma niedergelassen, die für Bosch-Rexroth tätig war.

Unter den zehn weiblichen Straßennamen befinden sich neben Frauen der Stadtgeschichte wie der Schulleiterin Agnes Tütel und Frauen von bundesweiter Bedeutung wie Ricarda Huch auch jene Straßen, die nur einen weiblichen Vornamen tragen. So wurden die Straßen rund um die Deutsche Nickel nach den Töchtern der Inhaberfamilie Fleitmann benannt – allerdings nur deren Vornamen.

Gudrun Körber und die anderen Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft der Schwerter Frauengruppen wollen sich nicht geschlagen geben. Sie appellieren an die Ratsmitglieder, „die Chance, zwei weitere Frauen in der Geschichte der Stadt mit einer Straßenbenennung zu ehren, nicht zu vertun.“ Der Planungsausschuss tagt am Dienstag um 17 Uhr im Rathaus, Rathausstraße 31.

Diese Frauen schlägt die Arbeitsgemeinschaft vor

Cilli Kranefeld war für die SPD von 1978 bis 1999 Sachkundige Bürgerin im Sozialausschuss und Gleichstellungsausschuss des Rates. 20 Jahre lang war sie Vorsitzende des Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen. Sie kämpfte für eine Gleichstellungsbeauftragte der Stadt und unterstützte die Gründung eines Frauenhauses in Unna. 2001 wurde sie mit der Stadtmedaille ausgezeichnet.

Sophie Ludwig war die erste weibliche Stadtverordnete. Die Lehrerin war Mitglied der Zentrumspartei und drei Jahre lang stellvertretende Vorsitzende des Stadtverordnetenkollegiums. Bis 1931 war sie im Amt. 1941 starb sie.

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