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Bodybuilding

Benedikt Hülsbusch ist Deutscher Meister im Paar-Posing

Bork Benedikt Hülsbusch und Kerstin Telker sind Deutsche Meister im Paar-Posing. Wie viel Training dahinter steckt, wissen nur die wenigsten.

Benedikt Hülsbusch ist Deutscher Meister im Paar-Posing

Die Bodybuilder Benedikt Hülsbusch und seine Freundin Kerstin Telker sind Deutscher Meister im Paar-Posing. Foto: Hülsbusch

Die Bräunungsfarbe, die Bodybuilder Benedikt Hülsbusch aus Bork auf der Bühne getragen hatte, ist auch in den Tagen nach dem großen Triumph noch nicht komplett verschwunden. Es dauert ein paar Tage, bis die Creme vollständig von der Haut abgewaschen ist. „Die Scheinwerfer auf der Bühne sind so stark, dass du weiß wärst wie ein Blatt Papier. Ohne Wettkampffarbe würdest du keine Rillen in den Muskeln erkennen, weil es zu sehr blenden würde“, sagt Benedikt Hülsbusch.

Hülsbusch, der auf dem elterlichen Hof zwischen Bork und Vinnum lebt, ist ein Kraftpaket. 220 Kilogramm Maximalgewicht beim Bankdrücken und 10 bis 15 Klimmzüge am Stück sind nur zwei Kennzahlen. Sein Oberarm misst 51,5 Zentimeter Umfang – das alles ist das Ergebnis von zwölf Jahren Zeit- und Schweißinvestitionen in seinen Körper. Schon als junger Teenager stellte Hülsbusch fest, dass er schneller Muskeln ansetzt als andere in seinem Alter. Und inzwischen weiß er ganz genau, wie seine Muskeln reagieren. „Man kann aus allem eine Wissenschaft machen. Das Wichtigste ist das Gefühl“, sagt der 25-Jährige.

Der schönste Tag seiner Karriere, wie er selbst sagt, ist erst wenige Tage her. Der Tag, an dem er so gerührt war, dass er auf der Bühne sogar weinen musste, nachdem Hülsbusch und seine Freundin Kerstin Telker am Samstag in Bochum den Meistertitel des Deutschen Bodybuilding- und Fitnessverbandes (DBFV) gewannen. „Ich war total gerührt. Deutscher Meister zu werden, ist immer etwas Besonderes“, sagt er. Deutscher Jugend- und Juniorenmeister war Hülsbusch bereits, auch Deutscher Vizemeister im Bodybuilding. „Gerade das Paar-Posing war Neuland für mich und da direkt bis an die Spitze hochzukommen, ist toll“, sagt er.

In den Pflichtposen und ihrer selbsterstellten Kür überzeugten beide die Richter. Hülsbusch erklärt: „Das Verhältnis passt bei uns. Die Körper müssen zueinander passen. Wenn einer mehr Muskeln hat als der andere, dann gibt es Abzüge.“ Auch die Bewegungen der Posen waren synchron – ein weiteres Kriterium der Bewertung. Vor ein paar Monaten wäre die Bewertung dagegen noch ganz anders ausgefallen. Im Oktober hatte Hülsbusch das Ergebnis einer 13-monatigen strengen Diät auf seiner Facebook-Seite vorgestellt. Der Vorher-nachher-Unterschied ist verblüffend: Von Juli bis Oktober speckte Hülsbusch 27 Kilo ab, von 132 Kilogramm auf sein Wettkampfgewicht von 105. Aus dem beleibten Benedikt Hülsbusch entstand nicht nur ein Sixpack am Bauch, sondern am ganzen Körper kamen definierte Muskeln zum Vorschein. Hülsbusch beschäftigt sich auch beruflich mit Ernährung. „Wenn man viel raushaben will, muss man auch viel reinstecken – aber das muss spezifisch sein. Ich könnte beispielsweise Reis mit Pute essen, aber die Süßkartoffel bietet mehr Vitamine. Das sind kleine Sachen, die die ganze Sache optimieren können“, sagt Hülsbusch. Ansonsten hieß es: Training, Training, Training. Täglich um 5.30 Uhr übte Hülsbusch Posing und trainierte die Ausdauer. Tagsüber trainierte Hülsbusch mit Gewichten im Fitnessstudio Pro-Active in Selm und machte abends noch eine Ausdauereinheit.

Der DM-Sechste Hülsbusch und seine Partnerin Kerstin Telker (37) sind nicht nur auf der Bühne ein Paar, sondern auch im echten Leben. Vor anderthalb Jahren lernten sich Benedikt Hülsbusch und Kerstin Telker auf der Kölner Fitnessmesse Fibo kennen. „Ich habe sie ein bisschen angeflirtet und daraus ist auch was geworden“, sagt Benedikt Hülsbusch und lacht. Kerstin Telker, die gebürtig aus Soltau in der Lüneburger Heide kommt, ist inzwischen nach Lünen gezogen. Bevor sie mit 18 Jahren zum Kraftsport kam, war sie Leichtathletin, hier vor allem in den Wurfdisziplinen aktiv. „Ich war schon immer der Typ, der Muskeln aufgebaut hat“, sagt sie. Aus einer Wette heraus landete sie dann 2013 erstmals auf der Bühne. „Ich fand mich eigentlich nicht gut genug dafür“, sagt sie. Die Jury sah das anders. Bei der Deutschen Meisterschaft holte sie als Debütantin gleich Bronze in einem Konkurrenzverband, dem National Athletic Comitee (NAC). Neben NRW-Meisterschaften und dem Deutschen Vizemeister bei den Masters sprang für sie 2017 auch noch der sechste Platz bei der DM heraus.

Dass sie mit ihrer muskulären Figur auffällt, weiß Telker. „Wenn man angesprochen wird, bekommt man viele Komplimente, aber es wird auch viel gelästert“, sagt sie und erzählt von dummen Sprüchen. „Diese Leute lasse ich dann stehen. Meist ist es der Neid, der da spricht.“ Die Disziplin, die Diät zu halten und immer zum Training zu gehen, an guten und an schlechten Tagen, sei das A und O, meint Telker.

Hülsbusch weiß aber, dass die Sportart auch Veranlagungssache ist. „Genetik spielt natürlich eine Rolle. Entweder bist du dafür geboren – oder nicht“, sagt er. Aber ist das denn gesund? „Es ist ein Hochleistungssport und genau so ungesund wie jeder Extremsport, wenn man an die Spitze möchte“, sagt Hülsbusch. Erschreckend finde er, dass der Missbrauch mit Steroiden zunimmt. „Die Hemmschwelle sinkt durch das Internet. Das darf man nicht totschweigen“, sagt Hülsbusch nachdenklich.

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