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Maßgefertigte Prothesen

Das transatlantische Knie

Stadtlohn 6000 Kilometer. Das Knie hat einen weiten Weg hinter sich. Über den Atlantik nach Stadtlohn. Ein 3D-Drucker hat die Prothese in Boston hergestellt. Maßgefertigt für nur einen Menschen: Monique Kamp. Und die Stadtlohnerin freut sich zwei Monate nach ihrer Operation: „Ich kann schon wieder leichte Gartenarbeit machen.“

Das transatlantische Knie

Dr. Ulrich Rebers erklärt Monique Kamp anhand eines Kniemodells den Krankheits- und Operationsverlauf.

Dr. Ulrich Rebers hört es gerne. Der Chefarzt im Stadtlohner Knie- und Hüftzentrum Maria Hilf hat Monique Kamp die Knie-Endoprothese implantiert. Es war für ihn bereits das 50. maßangefertigte Knie, das er seit der Premiere im Jahr 2010 eingesetzt hat.

Im Kreis Borken ist Ulrich Rebers nicht nur der Pionier dieser Medizintechnik, sondern nach wie vor der einzige orthopädische Chirurg, der maßangefertigte Knieprothesen einsetzt.

Genau an den Knochen angepasst

„Die Maßanfertigung bietet den Patienten mehrere Vorteile“, sagt Ulrich Rebers. „Durch die Passgenauigkeit ist die Standzeit deutlich erhöht. Das heißt, die Prothese deutlich ist länger haltbar. Und die Erholungszeit nach der OP ist wesentlich kürzer.“ Weil die Maßanfertigung bereits vor dem Eingriff mit Hilfe einer CT-Aufnahme individuell an die Knochen angepasst wird, geht bei der Operation weniger Knochen verloren.

Ulrich Reber sagt aber auch: „Das maßangefertigte Knie ist nicht für jeden Patienten machbar – und das muss auch nicht sein.“ In den letzten sieben Jahren hat der Orthopäde rund 1500 Knie implantiert. Bis auf die 50 maßgefertigten waren es alles Prothesen „von der Stange“. Rebers: „Die meisten Patienten kommen mit der Standardprothese gut zurecht.“

Fast doppelt so teuer wie eine Standard-Prothese

Schon aus wirtschaftlichen Gründen sei es daher nicht angezeigt, nur Maßanfertigungen zu verwenden. Der Arzt nennt Zahlen: „Eine Standardprothese kostet rund 2000 Euro, die Maßanfertigung aber 3600 Euro.“ Es gebe aber individuelle Fälle, in denen die maßgefertigten Hightech-Bausätze wichtige Vorteile böten, sagt Ulrich Rebers. In diesen medizinisch notwendigen Fällen übernehmen die Krankenkassen auch die Kosten. Rebers: „Da gab es bislang noch keine Probleme.“

Das Knie kommt im sterilen Paket - fix und fertig für die OP

Die maßgefertigten Einzelteile werden aus den USA inklusive ebenfalls maßgefertigtem Spezialwerkzeug zum Einbau in einem sterilen Paket verschickt – fix und fertig für die Operation. Die hat Monique Kamp sehnlich herbeigesehnt. „Ich habe früher viel Tennis gespielt, immer auf dem Hartplatz“, sagt sie. Dann fraß eine schwere Arthrose die schützende Knorpelschicht im Kniegelenk. Knochen rieb auf Knochen. Das Gelenk verlor immer mehr an Beweglichkeit.

Monique Kamp: „Ich hatte starke Schmerzen. Ich konnte nur noch mit dem Stock laufen.“ Die Leidenszeit ist jetzt vorbei, der Gehtstock bleibt zuhause. Monique Kamp strahlt. „Mir juckt‘s in den Fingern. Ich möchte wieder Golf spielen.“

Krankenkasse zahlt

Schon bald wird das künstliche Knie wieder über den Atlantik fliegen. Dieses Mal nicht im Karton, sondern mit Monique Kamp, die den Winter in Florida verbringt. Hat die Stadtlohnerin denn auch über eine Operation in den USA nachgedacht? Ja, aber nicht lange: „In den USA hätte ich dafür 50 000 Dollar privat zahlen müssen. Hier übernimmt es die Krankenkasse.“

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