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Stadtlohner ehrenamtlich aktiv

Scouts helfen Neuankömmlingen

Vreden 131 neue Flüchtlinge erwartet Stadtlohn in nächster Zeit. Sie werden einen etwas leichteren Start haben: Sie werden in ihrer Muttersprache begrüßt.

Scouts helfen Neuankömmlingen

Onaiwu Godwin aus Nigeria (l.) und Orkhan Aliyev aus Aserbaidschan zeigen ihre „Scout-Steckbriefe“. Darin ist neben den Kontaktdaten vermerkt, wie sie anderen Flüchtlingen helfen können, welche Sprachen sie sprechen und wann sie Zeit haben. Foto: Stefan Grothues

Onaiwu Godwin kann sich noch gut an das Gefühl des Verlorenseins erinnern. Damals, als er vor anderthalb Jahren nach Deutschland kam. Der 20-jährige Flüchtling aus Nigeria sprach kein Wort Deutsch. „Das Leben ist so schwer, wenn dich keiner versteht. Und wenn du selbst auch niemanden verstehst“, sagt er. Sein Blick verrät, dass sich diese Erfahrung tief eingebrannt hat.

Für Orkhan Aliyev (27) war der Start in Stadtlohn etwas leichter. „Ich konnte mich auf Englisch verständigen. Türkisch und Russisch spreche ich auch“, sagt Wirtschaftsstudent aus Aserbaidschan. Und jetzt spricht er auch Deutsch. Konzentriert und fließend. So wie auch Onaiwu Godwin. Die beiden haben vor kurzem das A2-Sprachzertifikat als Kursbeste geschafft. Und sie kennen sich mittlerweile aus in Stadtlohn, wissen, wo man einkauft, wie man einen Arzt oder Apotheker findet, wie man sich für die Schule oder den Sprachkurs anmeldet.

20 Freiwillige
Als Scouts wollen die beiden jetzt den neuankommenden Flüchtlingen helfen und ihnen in ihrer Muttersprache den Start in die Integration erleichtert. Onaiwu Godwin und Orkhan Aliyev sind zwei von rund 20 Flüchtlingen aus dem Irak, aus Afghanistan und aus Syrien, die sich freiwillig als Scouts für Neuankömmlinge starkmachen wollen.

Die Idee für dieses Projekt des Jugend- und Familienbildungswerks (JFB) hatte As-trid Lensker, die beim JFB Sprachkurse für Flüchtlinge leitet und auch ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe Stadtlohn aktiv ist. Einerseits war die Idee aus der Not geboren: „Uns fehlen Haus- und Familienpaten, die die Flüchtlinge intensiv betreuen“, sagt sie. Aber es gebe wichtige andere Gründe. Flüchtlinge hätten zu den Neuankömmlingen nicht nur sprachlich den besseren Draht. Sie wissen aus eigener Erfahrung um die Ängste und Nöte. Und sie können deutsche Sitten und Gebräuche, die es zu kennen gilt, besser benennen. Vor allem aber, so sagt Astrid Lensker: „Flüchtlinge, die anderen helfen können, erleben sich selbst nicht mehr nur als Empfänger, sondern auch als Gebende.“ Das fördere das Selbstwertgefühl und die Integration auf allen Seiten.

Scouts helfen Neuankömmlingen

Petra Redders vom JFB-Vorstand (l.) und Projektleiterin Astrid Lensker freuen sich über die 170.000-Euro-Projektförderung durch die Deutsche Fernsehlotterie. Foto: Stefan Grothues

Mit ihrer Idee und einem Konzept wandte sich Astrid Lensker mit Unterstützung des JFB und des Paritätischen Wohlfahrtsverbands an die Deutsche Fernsehlotterie mit der Bitte um eine Förderung. Und die fiel größer aus als gedacht: 170.000 Euro stellt die Deutsche Fernsehlotterie für das auf drei Jahre angelegte Projekt zur Verfügung. „Ich bin total überrascht und auch ein wenig stolz“, freut sich Astrid Lensker.

Seit Juli treffen sich die Scouts wöchentlich, um sich auf ihre neue Aufgabe vorzubereiten. Sie verbessern ihre Sprachkenntnisse, lernen, wie man Formulare ausfüllt, wie man eine Wohnung findet. Und das wichtigste: Sie knüpfen ein Netzwerk mit den Ehrenamtlichen der Flüchtlingshilfe, mit den Hauptamtlichen der Stadt und der Caritas, mit dem SKF und anderen Einrichtungen. Schon jetzt stehen sie als „Feuerwehr“ bereit, wenn Flüchtlinge Hilfe beim Umzug brauchen, wenn das WiFi mal nicht funktioniert oder andere Alltagsprobleme auftreten. Astrid Lensker: „Jeder hat ja spezielle Fähigkeiten oder Kenntnisse, mit denen er anderen helfen kann.“

Die Sozialpädagogin Gabriele Schneider ist bei der Stadt Stadtlohn hauptamtlich für die Betreuung der Flüchtlinge zuständig. Sie ist begeistert von der Idee. „Wir erwarten jetzt neue Flüchtlinge aus Aserbaidschan und Afghanistan. Es bedeutet für uns eine große Entlastung, wenn wir jetzt Muttersprachler an unserer Seite haben.“

Für Orkhan Aliyev ist sein Engagement als Scout eine Selbstverständlichkeit: „Ich habe Zeit, ich kann helfen.“ Und Onaiwu Godwin sagt lachend: „Ich war schon in meiner Heimat ein Boy Scout mit Uniform.“ Ein Pfadfinder also. Da hat er längst versprochen, jeden Tag eine gute Tat zu tun.

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