Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.

Prozess am Landgericht

Stadtlohner soll Mann eine Stunde gequält haben

Stadtlohn Ein 28-jähriger Stadtlohner ist angeklagt, einen Mann aus Gronau zusammen mit anderen Tätern eine Stunde lang misshandelt zu haben. Am Freitag wurde der Prozess in Münster mit harten Schilderungen fortgesetzt.

Stadtlohner soll Mann eine Stunde gequält haben

Fast sieben Stunden tagte die 8. Große Strafkammer des Landgerichts Münster am Freitag. Angeklagt ist ein 28 Jahre alter Stadtlohner.

Ihm wird unter anderem vorgeworfen, Mitte November 2016 einen Mann in Gronau zusammen mit zwei anderen brutal verprügelt zu haben. Das Opfer dieser Tat sagte am Freitag als Zeuge aus. Der 51-Jährige gestand eine 37-jährige Drogenkarriere ein – „es ist mit egal, ob ich mich selbst belaste“. Der Zeuge sprach – jetzt clean, wie er sagte – sachlich und klar. Ihm stockte aber hin und wieder der Atem, als der Richter ihn aufforderte, die Misshandlungen genau zu schildern.

Ein Kumpel habe ihn in seine Wohnung gelockt, dort sei er sofort hinter der Tür mit Paketklebeband geknebelt worden, auch sein ganzer Kopf sei umwickelt worden. „Ich habe kaum noch Luft bekommen.“ Der Angeklagte und ein zweiter Mann, der sich ebenfalls zurzeit – in einem abgetrennten Prozess – vor dem Landgericht verantworten muss, hätten ihn mit Fäusten ins Gesicht und in die Seiten geschlagen. Nicht der Angeklagte, sondern der andere Täter habe im Laufe der etwa einstündigen Quälerei auch mit einem Baseballschläger auf seine Knie geschlagen. Blut habe er im Urin gehabt, Blut auch gespuckt. Zweimal griff der Zeuge den Angeklagten im Gericht scharf und direkt verbal an. Das Ziel der Täter (ein dritter habe zugesehen): Ihn dazu zu bewegen, Drogen für sie zu verkaufen beziehungsweise weiterzugeben und Geld von ihm zu bekommen.

Rockerähnliche Gang

TTT – das Kürzel fiel im Lauf des zweiten Prozesstages gegen den 28-Jährigen mehrmals. TTT steht für „Tek Tabanca Teskilati“. Dabei handelt es sich um eine rockerähnliche Gruppierung, die es in Ahaus und Gronau geben soll. Seit Mitte 2016, sagte ein Polizeibeamter aus, würde gegen diese Gruppe ermittelt. Dabei sei auch der Name des Angeklagten aufgetaucht. Dieser gab zu, TTT einige Monate angehört zu haben.

Möglicherweise gehe es darum, wer den Drogenmarkt in Gronau beherrscht: TTT oder Niederländer marokkanischer Abstammung, hieß es.

Emotional wurde es, als Eltern und Schwester des Angeklagten aussagten. Der Richter hatte sich spontan entschieden, sie als Zeugen zu hören. Einer der beiden Verteidiger rief den Vater an, gut eine Stunde später traf die Familie ein. Eltern und Schwestern schilderten, dass sich der Sohn rührend um die Mutter gekümmert habe, als diese schwer erkrankte. Die Familie gab dem 28-Jährigen Alibis. Doch wann geschah die Tat? Am 24. November? So habe er die Anklageschrift verstanden, sagte einer der Verteidiger. Am 23. November? Das könnte ein Chat-Protokoll des Opfers belegen. Oder am 21. und 22. November? Das sagte eine Zeugin aus.

Sicher ist: Am Ende änderte der Richter die Anklage auf „Versuchte besonders schwere räuberische Erpressung in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung“. Der Prozess wird am 24. November um 9 Uhr fortgesetzt.

Anzeige
Anzeige