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Zweite CD aus dem Leben von Anton Terhürne

Wie Pfarrer Kneipp Jösners Töns rettete

WENNEWICK Utt mien Lääwen – dat meeste in Platt un ock in Hochdütsch watt“, so lautet der Titel der zweiten CD von Anton Terhürne als Fortsetzung seiner Lebenserinnerungen. Gemeinsam mit seiner Tochter Maria Terhürne hat der 94-Jährige seine platt- und hochdeutschen Beiträge aufgenommen

Wie Pfarrer Kneipp Jösners Töns rettete

Anton Terhürne und seine neue CD: Darauf erzählt er viel aus seinem Leben. Foto: Foto: Anne Rolvering

In den acht verschiedenen Episoden geht es um die Ereignisse nach seiner Rückkehr aus dem Zweiten Weltkrieg bis zu seiner Hochzeit. Eingerahmt werden die Beiträge mit seinem selbst gedichteten plattdeutschen Heimatlied „Wied van Grootstadt, Wältgebruuse“.

„Glück im Unglück habe ich gehabt, mit Kneipp als Lebensretter“, erzählt der Wennewicker Kiepenkerl, besser bekannt unter seinem plattdeutschen Namen „Jösners Töns“. Als er mit der „Schwindsucht“ aus dem Krieg nach Hause kam, erfuhr er durch einen Zufall von Pfarrer Kneipps Heilmethoden. Er begann, sich mit kaltem Wasser zu begießen und führte die Kur in einer von seinem Vater gebauten Hütte als Einsiedler „in der Wennewicker Wildnis“ fort. „Ich habe mich in Brennnesseln gerollt, in Lehm gewaschen, bin ohne Schuhe gelaufen und habe die Kneipp-Kuren natürlich auch im Winter gemacht“, berichtet Anton Terhürne.

Das kalte Wasser stammte aus der „Emmerbääke“ und im Schnee rollte er sich ebenfalls, zur Ankurbelung des Blutdrucks. Ernährt habe er sich damals von Kaninchenbraten, Kuhmilch und von dem, was er von zuhause bekam. „Die Zeit in der Hütte mit den besonderen Naturerlebnissen waren eigentlich die schönsten Jahre“, blickt Anton Terhürne zurück.

Als er im Herbst 1946 wieder völlig gesund war, hatte er seinen „Plan A“. Er wollte, wie Pfarrer Kneipp, Geistlicher werden. In drei Wochen legte er die fast 1000 Kilometer bis nach Bad Wörishofen meist zu Fuß zurück, um im Kloster eine Ausbildung zu bekommen. Da das dort in den Nachkriegsjahren nicht möglich war, verließ er den bayrischen Kurort mit einem Kneippbehandlungsplan im Gepäck. Nach dessen Anweisungen lebt er nun schon seit 70 Jahren. Auch heute noch erfrischt er sich mit kalten Güssen.

„Plan B“ gefolgt

Auf dem Heimweg nach Wennewick machte er im Winter 1946 Station bei seiner Schwester Dina in Bottrop, die ihm riet, zuhause den Kotten des Vaters zu übernehmen. Diesem „Plan B“ folgte Anton Terhürne und begab sich anschließend gut gelaunt auf „Freiersfüßen“. Von der Zeit, bis er „die Richtige“ gefunden hatte, seine Mathilde, erzählt er sehr ausführlich auf der CD. Danach erfährt der Zuhörer, wie in Wennewick Verlobung und die traditionelle Bauernhochzeit gefeiert wurden. Das Brautgeschenk für Mathilde war gleichzeitig Anton Terhürnes erstes plattdeutsches Gedicht.

Mit der Kutschfahrt zum heimischen Hof und den letzten Strophen seines Heimatliedes endet die unterhaltsame CD. Sie entführt den Zuhörer in längst vergangene Zeiten, lässt ihn staunen, macht manchmal nachdenklich und amüsiert zugleich. „Ich plane die dritte CD fürs nächste Jahr. Im Kopf ist sie schon fast fertig“, kündigt der rüstige Wennewicker Kiepenkerl an.

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