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Sim-Jü 2017

Ein Rundgang über den Kram- und Viehmarkt in Werne

Werne Tausende Besucher tummelten sich am Dienstag in der Werner Innenstadt. Sie feilschten und flachsten und schlenderten von einem Stand zum nächsten. Ein etwas anderer Blick auf den Kram- und Viehmarkt 2017.

Ein Rundgang über den Kram- und Viehmarkt in Werne

Ab 8 Uhr morgens wurde es eng auf dem traditionellen Kram- und Viehmarkt. Foto: Vanessa Trinkwald

Dienstagmorgen. 8 Uhr. Während vor den Kneipen die ersten Leute stehen – oder die letzten, die den Absprung am Montag nicht rechtzeitig geschafft haben –, schiebt sich der Rest über Bonenstraße, Bült und Moormannplatz. Es ist Sim-Jü-Dienstag, Kram- und Viehmarkt – und die Stadt ist brechend voll.

„Wo kommen Sie denn her? Sind Sie jedes Jahr hier? Wie gefällt Ihnen der Markt? Und, haben Sie schon was gekauft?“ Das wären die gängigen Fragen, die man jedes Jahr um diese Zeit stellt. Und die Leute, die kommen von überall, in den meisten Fällen das zehnte Jahr infolge. Die Kirmes gefällt ihnen. Der Markt auch (sonst wären sie ja nicht hier, doofe Frage). Was Bestimmtes suchen sie nicht. Sie „wollen nur mal gucken“. Ja gut, dann gucken Sie mal. Viel Spaß noch.

Interessanter wird’s, wenn man einfach mal zuhört. Sich mit den Menschen durch die Reihen schiebt, vorbei an den Ständen, zwischendurch mal stehen bleibt und lauscht. Ein ganz kleines bisschen nur. Versprochen.

Von Schälern und Spültabs

„Wat gibt’s denn hier??“ Alles, gute Frau, alles. Taschen, Socken, Deko, Pfannen. Gucken Sie doch einfach mal. „Ach, ich brauch’ das nicht unbedingt“, sagt eine andere Dame. Was? Warum denn nicht? Hier ist doch für jeden was dabei! Schauen Sie mal, der Schäler.

So war der Kram- und Viehmarkt 2017

Eindrücke vom Kram- und Viehmarkt 2017.
Eindrücke vom Kram- und Viehmarkt 2017.
Eindrücke vom Kram- und Viehmarkt 2017.
Eindrücke vom Kram- und Viehmarkt 2017.
Eindrücke vom Kram- und Viehmarkt 2017.
Eindrücke vom Kram- und Viehmarkt 2017.
Eindrücke vom Kram- und Viehmarkt 2017.
Eindrücke vom Kram- und Viehmarkt 2017.
Eindrücke vom Kram- und Viehmarkt 2017.
Eindrücke vom Kram- und Viehmarkt 2017.
Eindrücke vom Kram- und Viehmarkt 2017.

Der Händler an der Ecke: „Ich schäl’ jetzt mal den Kohl. Wie fein, wie schnell!“ Und wenn Sie keine Lust haben, den Schäler zu spülen, hauen Sie ihn einfach in die Maschine. 150 Spültabs für 10 Euro gibt’s ein paar Meter weiter. „Ach, das ist doch alles nur Reklame“, sagt ein Mann zu seiner Frau. Na, ein bisschen Werbung wird doch wohl erlaubt sein. Rümpfen Sie mal nicht so die Nase.

Oh, die Gewürze. „Hier fängt A an, dann geht’s einmal rum bis Z“, erklärt der Händler seinen Kunden. Nicht, dass es zu kompliziert wird. Der nächste kommt schon wieder mit seinem Schäler um die Ecke: „Kennt irgendjemand diesen Schäler schon!?“ Ja, haben wir gerade eben gesehen. „Perfekt, locker und leicht!“ Reklame? Das ist doch Unsinn.

Überall Einhörner

Ein Mädchen schreit: „Guck mal, ein Einhorn!“ Das kleine weiße Einhorn aus Holz hüpft an seiner Feder auf und ab und scheint dabei etwas fies zu grinsen. „Die sind dieses Jahr der Renner“, sagt der Händler und lässt nicht nur das Einhorn hüpfen, sondern auch die anderen Figuren: Pumuckl, einen kleinen Albert Einstein aus Holz, eine Biene, einen Frosch – in der Summe fast schon gruselig.

„Ohhh, die kaufe ich mir“, tönt es von rechts. „Das ist bestimmt schön kuschelig, wenn ich abends vor dem Fernseher sitze.“ Ja kuschelig bestimmt, aber fragen Sie mal Ihre Frau, ob die große, graue Yeti-Pantoffeln auf der Couch haben möchte. „Für junge Leute ist das doch ganz toll“, lacht eine Frau in die Runde. „Aber wir sind ja nicht mehr jung.“ Na, nun hören Sie aber auf.

Ein paar Meter weiter steht das nächste Trüppchen. „Hauptsache, wir treffen uns erst mal im Zelt, wenn wir uns verlieren.“ Aha, hier hört der Vormittag also noch lange nicht auf. „Ach, ich bereue das nicht“, sagt ein Mann. Nee, sagt ja keiner, müssen Sie auch nicht. „Wir haben uns im Guten getrennt.“ Oh, jetzt wird’s zu privat… schnell weiter.

„Lass knacken“

„Ich brauchte unbedingt neue Pfannen“, sagt eine Dame im Vorbeigehen. „Und das passte einfach wie Pott auf Deckel!“ Wieso jetzt Pott? Ich dachte Pfanne. Oha, da hinten, die Keramik-Pfannen. Der Händler: „Sehen Sie mal, ich kann das Ei fast mit der Luft anheben, das klebt einfach nicht an.“ Die Frau ein paar Meter weiter hätte sich das gerne mal angesehen. Stattdessen geht ihr Mann einfach weiter und fragt dann etwas säuerlich: „Was hast du denn jetzt?“ Die Frau: „Wir haben auch ne’ Keramik-Pfanne. Ich wollte mir das angucken!“ Ihr Sohn, Schwiegersohn oder wer auch immer dreht sich zu ihr um: „Lass knacken!“ Ja gut, dann halt keine Pfannen.

„Das sind so Lappen, die putzen die Fenster von alleine“, sagt ein Mann mit Hut. Das ist jetzt aber übertrieben. Die schmieren einfach nicht. Egal, wie dreckig sie schon sind. Hören Sie doch dem sprechenden Schnurrbart zu. Oder der Frau mit Bügeleisen. „Dieses Bügeleisen, das bügelt alles glatt.“ Wow… „Oberteile mit Nähten; Oberteile, die hängen. Sie brauchen gar kein Bügelbrett mehr.“

„Ach, was hat sie denn hier“, tönt es plötzlich von hinten. „Ein Reisebügeleisen?“ Um Gottes willen, das ist nicht nur ein Reisebügeleisen. Das kann doch viel mehr. Aber, gute Frau, das kommt davon, wenn man den Leuten nicht richtig zuhört.

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