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Chronische Erkrankung

Ein ständiger Kampf: Ein Werner über sein Leben mit Morbus Bechterew

Werne „Ich habe zwischendurch laut aufgeschrien“, sagt Friedrich Degener. Als der Werner vor vier Jahrzehnten die Diagnose „Morbus Bechterew“ bekam, war es wie ein Schock. Wie lebt man mit einer Krankheit, die immer nur schlechter wird?

Ein ständiger Kampf: Ein Werner über sein Leben mit Morbus Bechterew

Der Kampf gegen die Krankheit ist anstrengend. Fast täglich, und das seit Jahrzehnten, macht der 85-jährige Friedrich Degener 15 bis 30 Minuten Gymnastik zu Hause. Hier mit einem Gerät namens Powertek. Foto: Jörg Heckenkamp

Als Friedrich Degener die Diagnose Morbus Bechterew bekam, war es „wie ein Schock für mich“. Doch der lähmte den damals 39-Jährigen nicht. Trotz aller Schmerzen, trotz beruflicher Entbehrungen: Der Werner kämpft gegen die Krankheit an. Seit vier Jahrzehnten. Verbissen, mit langem Atem. Jetzt, mit 85 Jahren, verabschiedete die Morbus Bechterew Gruppe Werne ihren langjährigen Vorsitzenden.

Wir sprachen mit Degener über ein Leben im Schatten einer Krankheit, die immer nur schlechter wird.

Wann ging es bei Ihnen mit der Krankheit los?

Das war im Alter von 39 Jahren. Mich plagten unsagbare Rückenschmerzen. Ich habe zwischendurch laut aufgeschrien. Es war wirklich schrecklich.

Wie lange mussten Sie mit den Schmerzen bis zur Diagnose Morbus Bechterew leben?

Oh, das waren schon einige Jahre. Mein damaliger Hausarzt hatte mir meine Schmerzen nicht geglaubt. Erst eine Röntgenaufnahme 1978 brachte Klarheit. Nun stand plötzlich die Diagnose Morbus Bechterew im Raum.

Was ging Ihnen nach dieser Diagnose durch den Kopf?

Erst wusste ich nichts damit anzufangen. Ein Arzt klärte mich schließlich auf und sagte: „Sie werden krumm und stocksteif wie eine Hexe.“ Das war ein totaler Schock für mich. Ich hatte sofort das Bild eines alten Mannes aus Werne vor Augen, der genauso aussah. Da habe ich mir gesagt: „Du nimmst den Kampf auf.“

Wie kämpft man gegen eine solche Krankheit an?

Ich habe mich mit dem Thema beschäftigt. Spezielle Gymnastik hilft, also bin ich auf die Suche nach Hallenplätzen gegangen…

…da waren Sie schon nicht mehr alleine, sondern hatten über die Deutsche Vereinigung Morbus Bechterew (DVMB) eine eigene Ortsgruppe für Werne gegründet.

Richtig, die hatte bei der Gründungsversammlung am 10. Januar 1984 18 Mitglieder. Nachdem wir eine Sporthalle organisiert hatten, hieß es, Gymnastik im warmen Wasser wäre noch besser. Also suchten wir wieder. Zunächst landeten wir in einem kleinen Becken im Krankenhaus, später im Solebad.

Sie haben es geschafft, nicht wie eine Hexe auszusehen. Was mussten Sie dafür tun?

Konsequent das Training durchhalten, in der Gruppe und zu Hause. Fast täglich mache ich 15 bis 30 Minuten privat Gymnastik.

Mit 39 Jahren hatten sie unvorstellbare Rückenschmerzen, mit 85 Jahren geht es ihnen vergleichsweise gut, obwohl sich Morbus Bechterew doch immer nur verschlechtert?

Man sagt, ab einem gewissen Alter ist der Morbus Bechterew „ausgebrannt“. Außerdem hat man seinen Körper ganz gut im Griff.

Zur Person: Degener (85) ist gebürtiger Werner. Er ist verheiratet, hat zwei Söhne und fünf Enkel. Der gelernte Maler hat im Laufe seines Berufslebens bei verschiedenen Firmen gearbeitet. Die Krankheit machte dann eine Berufsausübung unmöglich. 1986 wurde er berufsunfähig, war arbeitslos bis zum Renteneintritt. Die Arbeitslosenzeit nutzte er, um die von ihm im Jahre 1984 gegründete Morbus-Bechterew-Gruppe zu betreuen und auszubauen. Morbus Bechterew ist eine entzündlich-rheumatische Erkrankung mit Schmerzen und Versteifung von Gelenken.

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