Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.

Schauspiel im Kolpingsaal

„Terror“: Werner Publikum spricht Kampfpiloten frei

Werne Bei der Theateraufführung von „Terror“ im Werner Kolpingsaal konnten die Zuschauer am Freitag zwischen schuldig und nicht schuldig entscheiden. Das Ergebnis war eindeutig.

„Terror“: Werner Publikum spricht Kampfpiloten frei

Christian Meyer spielte überzeugend den Kampfpiloten Lars Koch. Foto: Elvira Meisel-Kemper

Das Schauspiel „Terror“ von Ferdinand von Schirach ist ein Musterprozess gegen den Kampfpiloten Lars Koch (Christian Meyer), der verantwortlich gemacht wird für den Tod von 164 Menschen in einer entführten Lufthansamaschine. Die Zuschauer entschieden am Freitag im Werner Kolpingsaal als Geschworene über Freispruch oder Verurteilung.

Der Verteidiger Biegler (Christoph Schlemmer) erinnerte an die reale Verfassungsgeschichte der Bundesrepublik nach dem 11. September 2001. Von Januar 2005 bis Februar 2006 galt in der Bundesrepublik das Gesetz zur Erhöhung der Luftsicherheit, das den Abschuss eines von Terroristen entführten Flugzeugs erlaubte.

Abschuss der Passagiermaschine

Im fiktiven Musterprozess steuerte die entführte Maschine auf ein prall gefülltes Fußballstadion der Allianzarena in München zu, in dem 70.000 Menschen das Länderspiel Deutschland gegen England sahen. Koch, Major der Luftwaffe, sollte die Maschine abdrängen und durch Warnschüsse zur Landung zwingen. Doch das nützte nichts. 25 Kilometer vor dem Fußballstadion, dem Massenmörderziel der Entführer, habe er sich für den Abschuss der Passagiermaschine entschieden.

Theaterstück "Terror" im Werner Kolpingsaal

Eindrücke aus dem Werner Kolpingsaal: Dort sahen sich am Freitag rund 300 Besucher das Theaterstück "Terror" an.
Eindrücke aus dem Werner Kolpingsaal: Dort sahen sich am Freitag rund 300 Besucher das Theaterstück "Terror" an.
Eindrücke aus dem Werner Kolpingsaal: Dort sahen sich am Freitag rund 300 Besucher das Theaterstück "Terror" an.
Eindrücke aus dem Werner Kolpingsaal: Dort sahen sich am Freitag rund 300 Besucher das Theaterstück "Terror" an.
Eindrücke aus dem Werner Kolpingsaal: Dort sahen sich am Freitag rund 300 Besucher das Theaterstück "Terror" an.
Eindrücke aus dem Werner Kolpingsaal: Dort sahen sich am Freitag rund 300 Besucher das Theaterstück "Terror" an.
Eindrücke aus dem Werner Kolpingsaal: Dort sahen sich am Freitag rund 300 Besucher das Theaterstück "Terror" an.
Eindrücke aus dem Werner Kolpingsaal: Dort sahen sich am Freitag rund 300 Besucher das Theaterstück "Terror" an.
Eindrücke aus dem Werner Kolpingsaal: Dort sahen sich am Freitag rund 300 Besucher das Theaterstück "Terror" an.
Eindrücke aus dem Werner Kolpingsaal: Dort sahen sich am Freitag rund 300 Besucher das Theaterstück "Terror" an.
Eindrücke aus dem Werner Kolpingsaal: Dort sahen sich am Freitag rund 300 Besucher das Theaterstück "Terror" an.
Eindrücke aus dem Werner Kolpingsaal: Dort sahen sich am Freitag rund 300 Besucher das Theaterstück "Terror" an.
Eindrücke aus dem Werner Kolpingsaal: Dort sahen sich am Freitag rund 300 Besucher das Theaterstück "Terror" an.

Sachlich stellte Koch die Gewissensnöte des Kampfpiloten heraus, als er im Zeugenstand schilderte, wie er mit dieser Entscheidung von allen Verantwortlichen allein gelassen wurde. Sachlich blieb auch die ganze Verhandlung, wenn man einmal von den Tränen der Nebenklägerin Franziska Meiser (Tina Rottensteiner) absah. Sie hatte ihren Mann verloren, der in dieser Maschine saß.

Staatsanwältin Nelson (Annett Kruschke) appellierte an die Gefühle des Angeklagten mit einer Suggestivfrage: „Hätten Sie auch auf den Knopf für den Abschuss gedrückt, wenn Ihre Frau und Ihr Sohn in dem Flugzeug gesessen hätten?“ Koch blieb sachlich: „Ich habe es nicht fertig gebracht, 70.000 Menschen sterben zu lassen.“

Diskussionen im Publikum trotz klarer Entscheidung

Immer wieder flammten Diskussionen im Publikum auf. Deutlich war die Unruhe über die Entscheidung des Prozesses spürbar, denn letztlich ging es nicht mehr um die Fakten, sondern um die klar herausdebattierte Würde des Menschen. Nach 90 Minuten zog sich das „Gericht“ zurück und die rund 300 Besucher hatten eine kurze „Beratungspause“. Beim Wiedereintritt in den Saal entschieden sich 205 Besucher für Freispruch, 60 für eine Verurteilung.

Die „Geschworene“ Juliane Hoferichter aus Herbern begründete ihren Freispruch nachher so: „Man lässt die armen Soldaten mit dieser Entscheidung allein.“ Auch Besucherin Elke Rohmann aus Werne war für Freispruch. „Die Passagiere wären ja wahrscheinlich doch ein paar Minuten später im Stadion zu Tode gekommen“, sagte sie kurz nach dem stürmischen Schlussapplaus.

Anzeige
Anzeige