Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.

Lichter gegen Diskriminierung

Werner gedenken der Opfer der Pogromnacht

Werne Knapp 80 Jahre sind seit der Reichspogromnacht vergangen. Macht es Sinn, auch nach so langer Zeit noch an die damaligen Geschehnisse zu erinnern? Wernes Bürgermeister hatte darauf am Donnerstagabend bei seiner Gedenkrede eine klare Antwort.

Werner gedenken der Opfer der Pogromnacht

Nach seiner Gedenkrede stellte Bürgermeister Lothar Christ am Standort der ehemaligen Synagoge in der Marktgasse Teelichter zu den Gedenkkränzen. Foto: Helga Felgenträger

Nur noch ganz wenige der heute Lebenden haben aus eigener Anschauung mitverfolgt, was als Reichpogromnacht in die Geschichtsbücher einging. Jüngere Generationen kennen die schrecklichen Ereignisse, die sich in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 im Deutschen Reich ereigneten, nur aus Erzählungen oder dem Geschichtsunterricht – als die Nationalsozialisten Synagogen niederbrannten und Tausende Juden misshandelten, verhafteten, töteten.

In Werne wurde am Donnerstagabend am Standort der ehemaligen Synagoge in der Marktgasse der Opfer der Pogromnacht gedacht. Bürgermeister Lothar Christ sprach zu rund 40 Gästen, die in der Dunkelheit mit Teelichtern in der Hand für eine besondere Stimmung sorgten.

Neue "Ansteckungsgefahren" drohen

„Wer vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart. Wer sich der Unmenschlichkeit nicht erinnern will, der wird anfällig für neue Ansteckungsgefahren“, zitierte der Bürgermeister in seiner Rede die Worte des früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker aus dem Jahr 1985. „Ich glaube, man kann Richard von Weizsäcker nur zustimmen. Denn Ansteckungsgefahren erleben wir immer wieder und in jüngster Zeit offensichtlich wieder verstärkt."

Dem stimmt auch Sarah Heidbreder zu. „In der aktuellen Zeit, nach den Wahlen, bei denen die AfD so viele Stimmen bekam, ist es umso wichtiger, eine starke Meinung zu haben“, sagte die 36-Jährige. Zusammen mit ihrer Mutter Inge Basfeld war sie zur Gedenkveranstaltung gekommen, um ein Zeichen zu setzen.

„Das ist so eine schlimme Erinnerung. Das darf man nicht ignorieren. Auch für die Jugend muss sie aufrecht erhalten werden“, so die 64-jährige Wernerin, die sich noch gut an die Erzählungen ihres Vaters vom Krieg erinnert. „So etwas darf sich nicht wiederholen.“ Auch Laura Blind war gekommen, um dem Bürgermeister zuzuhören. „Ich komme eigentlich jedes Jahr“, berichtete die 24-Jährige. „Die Erinnerungen sind ein Teil von Werne – und damit gehen sie auch junge Werner etwas an.“

Schweigen und stilles Gedenken

Es sei wichtig, „angesichts immer wieder vorkommender Äußerungen und Handlungen, Antisemitismus zu definieren und anzuprangern“, forderte Lothar Christ.

Die Antwort auf die Frage, ob es Sinn mache, auch nach so langer Zeit zurückzuschauen, könne laut ihm nur lauten: „Es macht nicht nur Sinn, sondern ist geradezu unsere Pflicht, heute zu gedenken, zu erinnern und zurückzuschauen. Auf dass die diskriminierende, unmenschliche und entwürdigenden Geschehnisse, wie die des 9. November 1938, sich nie wiederholen mögen.“ Mit diesen Worten schloss Christ seine Rede am Donnerstagabend. Danach Schweigen und stilles Gedenken.

Anzeige
Anzeige