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Medienhaus Lensing

Ein Traumteam auf dem Traumschiff

Travemünde und das Traumschiff. Eine enge Beziehung. Die „MS Deutschland“, die schlanke, weiße Schönheit, kann nämlich direkt im Ortskern vor Anker gehen. So ist der Luxus-Liner für Schaulustige zum Greifen nahe, näher geht es nirgendwo anders. Tausende sind es auch an diesem Tag, die ihr Traumschiff verabschieden wollen.

Ein Klassiker auf den Weltmeeren: Die MS Deutschland zählt zu den bekanntesten Kreuzfahrtschiffen der Welt, nicht zuletzt durch die ZDF-Fernsehserie.(Foto Deilmann)

Plötzlich, als sich die Deutschland mit majestätischer Ruhe aus dem Hafen schiebt, mischen sich in die Gesänge des Shanty-Chors unten auf dem Kai Rufe, die wir nur im Stadion kannten. „Uwe, Uwe“, rufen sie. Immer wieder, immer lauter. Die Menge hat den Mann, hat ihr Idol erkannt, das oben an der Reling steht, wie alle anderen Passagiere mit dem weißen Taschentuch winkt und nun fast verlegen in die Tiefe schaut. Uwe Seeler, der zweite Kapitän an Bord auf Kreuzfahrt Nummer 325 der Reederei Deilmann.

Es ist eine besondere Kreuzfahrt. Es ist eine Fußball-Kreuzfahrt rund um die britischen Inseln, also rund um das Mutterland des Fußballs. Das Ziel passt, das Team auch. Allen voran der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft, der 1966 mit seinem Team ins Finale einzog und wie ein britischer Gentleman das Wembley-Tor, das keines war, hinnahm. An Bord aber auch Berti Vogts, dem der Ruf des ewigen Verlierers vorauseilt. Wir vergessen: Berti war der Trainer, der mit dem deutschen Team 1996 den letzten EM-Titel gewann, im Wembley-Stadion, das es nicht mehr gibt. 30 Jahre zuvor gewann Schwarz-Gelb den Europapokal der Pokalsieger in Glasgow, im Hampdon Park.

Uwe Seeler sorgt für Gänsehaut

Der Jüngste damals wird trotz seiner 65 Jahre auf dem Schiff auch von jüngeren Frauen umschwärmt: Rudi Assauer, heute mehr Ex-Schalker als Ex-Borusse. So viele Stars brauchen gleich zwei Moderatoren. Sie geben in den nächsten 13 Tagen den Kurs vor: Werner Hansch, die Stimme des Ruhrgebiets und des Fußballs. Und Roman Köster, eloquenter TV- und Zeitungsmann und schon auf Ballhöhe als der noch aus Leder war.

Anpfiff. Noch vor dem ersten Abendessen im Restaurant Berlin lädt der Käpt`n 30 der 500 Passagiere, die das Zusatzpaket Fußball gebucht haben, zur ersten Mannschaftssitzung in das Adlon, die Schiffsbibliothek, ein. Uwe Seeler präsentiert ein Gänsehaut-Programm für Fußballer. Der Höhepunkt: Sein Treffen im legendären Stadion „Old Trafford“ in Liverpool mit Sir Bobby Charlton, dem damaligen Gegenspieler im Finale und dem heutigen Freund. Dazu kündigt er jede Menge Leckerbissen an Bord und Land an. Lesungen aus seinem aktuellen Buch, Autogrammstunden, Kickerturnier mit den Stars, ein Quiz, ein Gala-Abend mit Versteigerung zugunsten der Uwe-Seeler-Stiftung im Kaisersaal, Ausflüge, die nur ein Thema haben: Fußball.

Die Nähe zu den Idolen der Kindheit macht neidisch. Schon am nächsten Morgen buchen sich neue Passagiere ein, sitzen fortan neben „Uns Uwe“ und „Stumpen-Rudi“. Unter anderem bei Fish & Chips – was sonst in der ältesten Fankneipe der Welt mitten in London, in der „Freemason`s Tavern“. Sie diskutieren am Seetag an der Theke vom urigen „Alten Fritz“ mit Berti Vogts bei Pils und Frikadelle über die Chancen bei der WM in Südafrika. Der Trainer von Aserbaidschan erzählt dabei so manche Anekdote. Rudi Assauer hat die Lacher auf seiner Seite, als er beim Revier-Fußballabend im Kinosaal noch mal schildert, wie ihm bei der Siegesfeier auf Schalke der DFB-Pokal aus den Händen fiel. Kein böses Wort über den Ex-Arbeitgeber, aber jeder Satz verrät: Königsblau wird seine große Liebe bleiben.

Mit jedem Tag an Bord wächst das Team mehr zusammen. Die Fans, sie schwärmen von ihren Vereinen. Vom HSV, Werder Bremen, Borussia Dortmund, Schalke 04. Einige haben den Sitznachbarn von heute im Stadion spielen sehen. Waren 1974 dabei, als Berti in der 1. Spielminute einen Elfer verschuldete und doch Weltmeister wurde. Fieberten mit, als Uwe Seeler nach seiner schweren Verletzung in Stockholm zum entscheidenden Tor grätschte und die Qualifikation für den World Cup schaffte.

In Amsterdam besichtigt das Team die Arena von Ajax, darf beim Training zuschauen und „spielt Pressekonferenz“ im Presseraum. In Brügge tuckern die Fußballer mit einem kleineren Boot über die Grachten, und Rudi Assauer erzählt so spannend von seinen Werbeaufnahmen mit Bruce Willis, dass der Reiseführer lieber schweigt.

Vorgezogenes Finale. Das ehrwürdige Stadion „Old Trafford“ in Liverpool an einem Freitagmorgen. Das „MS Deutschland“-Team wird von Journalisten empfangen wie die Löw-Truppe bald in Südafrika. Blitzlichtgewitter, Interviews, dann fallen sie sich in die Arme. Unser Uwe und der Sir. Erinnerungen an ein Endspiel, das in die Geschichte einging. Erinnerungen an den Konter, die Revanche vier Jahre später in Mexiko. England führte mit 2:0. Der englische Coach wechselte Charlton aus, um ihn zu schonen. Dann drehte Deutschland das Spiel, auch weil Uwe mit dem Hinterkopf ein Tor erzielte.

Abpfiff. Die Passagiere gehen in Hamburg von Bord. Im Gepäck: Riesige Fotos aus Uwe Seelers besten Zeiten, natürlich mit einem persönlichen Gruß. Ein Trikot der deutschen Nationalmannschaft, unterschrieben von allen Stars. Und ganz viele Eindrücken einer ganz besonderen Kreuzfahrt.


Info
Vom 10. bis 24. April plant die Reederei Deilmann eine neue Fußball-Kreuzfahrt durchs Mittelmeer. Infos zum gesamten Programm unter  » www.deilmann.de

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