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Auto und Verkehr
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25.01.2012 12:29 Uhr
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Verkehrspsychologe: Schwerer Schritt - Im Alter aufs Auto verzichten

Dresden Für Ältere ist es ein schwerer Schritt, sich einzugestehen, dass sie besser aufs Autofahren verzichten sollten. Denn wer sein Leben lang Auto gefahren ist, für den dann kann eine Welt zusammenbrechen, erklärt der Verkehrspsychologe Bernhard Schlag.

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Auf das eigene Auto zu verzichten und stattdessen etwa auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen zu sein, fällt vielen Senioren schwer. (Foto: Oliver Berg) (Foto: dpa)

«Der Zeitpunkt, wann ein älterer Mensch zum Autofahren nicht mehr geeignet ist, lässt sich in der Regel nicht genau bestimmen, das ist meist ein schleichender Prozess», erklärt Prof. Bernhard Schlag, Verkehrspsychologe von der Technischen Universität Dresden. Darin liegt das Dilemma: Die Erkenntnis, am Steuer womöglich zum Sicherheitsrisiko zu werden, fällt extrem schwer.

Oder eine falsche Selbsteinschätzung verbietet sie: Gelernt ist schließlich gelernt - und eigentlich klappt es mit dem Autofahren ja noch ganz gut. Doch Hand aufs Herz: Vielleicht muss sich der ein oder andere Senior am Steuer insgeheim eingestehen, dass er sich in bestimmten Verkehrssituation unwohl fühlt und diese bewusst meidet. Dazu können Nachtfahrten zählen oder der dichte Berufsverkehr.

«Dieses Meidungsverhalten ist auf der einen Seite für die Verkehrssicherheit gut, andererseits liegen darin oft erste Anzeichen dafür, dass die Fahreignung eingeschränkt ist», sagt Schlag. Weitere Vorboten seien Fehler, die dem Fahrer früher nicht unterlaufen sind: Rote Ampeln werden übersehen oder Radfahrer beim Abbiegen geschnitten.

«Es ist ganz natürlich, dass die Sensorik im Alter nachlässt», betont der Psychologe. Augen, Ohren und das Reaktionsvermögen werden mit den Jahren schlechter. Blendempfindlich können Menschen laut Schlag sogar schon ab einem Alter von 40 Jahren werden. «All das bedeutet nicht gleich, dass man zum Kraftfahren ungeeignet ist.» Aber es birgt bei schnellen Verkehrsabläufen Gefahren.

Viele Senioren fahren deshalb bewusst etwas langsamer oder nur noch vertraute Strecken. «Das ist einerseits natürlich sinnvoll, um das Unfallrisiko zu verringern», sagt Schlag. Auf der anderen Seite sei damit ein Punkt erreicht, um mit sich selbst ins Gericht zu gehen, ob man die fürs Autofahren notwendige Verantwortung noch tragen kann und will. Wer sich frühzeitig mit dieser Frage auseinandersetze, könne in Ruhe nach Alternativen suchen und sich zum Beispiel mit den Möglichkeiten öffentlicher Verkehrsmittel vertraut machen.

Ein weiteres Problem sind laut Schlag Alterserkrankungen wie Herz-Kreislauf-Beschwerden oder dementielle Krankheiten. «In erster Linie werden aber nicht die Krankheiten an sich zum Risiko für Autofahrer, sondern die Medikamente, die dagegen eingenommen werden», erläutert Schlag. Gerade in Kombination können viele Präparate müde machen und die Reaktionszeit verlangsamen, warnt der Experte. Schon allein deshalb sei es wichtig, den Arzt oder Apotheker danach zu befragen und Beipackzettel aufmerksam zu lesen.

Trotz aller Vernunft entscheiden sich wohl nur die wenigsten im Alter aus freien Stücken gegen ihr Auto, obwohl sie ahnen, dass es besser wäre. Häufen sich Fahrfehler, werden diese trotzdem als einmalige Sache abgetan. Und Unsicherheiten am Steuer werden heruntergespielt - man ist eben keine 20 mehr. «Dieses Verhalten lässt sich oft durch die Angst begründen, in ein tiefes Loch zu fallen», erläutert Schlag. «Denn viele Menschen beginnen, sich richtig alt zu fühlen, wenn sie ihr Auto nach all den Jahren abgeben. Sich damit zu arrangieren, ist ein schwieriger Lernprozess.»

Selbst in den besten Familien kann das Thema Autoverzicht deshalb zu heftigen Auseinandersetzungen führen. Sobald Angehörige bemerken, dass Ältere in der Familie Probleme mit dem Fahren haben, sollten sie darauf sehr vorsichtig, sachlich und einfühlsam reagieren, betont der Verkehrspsychologe. Solch ein Gespräch birgt allein schon wegen der wechselseitigen Einschätzung der Generationen Konfliktpotenzial: Die Alten sagen, die Jungen fahren schlecht - und umgekehrt.

«Eine gute Hilfe kann der Hausarzt sein», empfiehlt Schlag. Wenn Angehörige den Arzt im Vertrauen über ihre Bedenken informieren, kann dieser mit seinem Patienten bei der nächsten Behandlung über die Risiken des Autofahrens im Alter sprechen. Das könnte nach Einschätzung des Verkehrspsychologen langjährigen Autofahrern im Alter einen Anstoß zum Umdenken geben und ihnen den Verzicht auf einen eigenen Wagen erleichtern.



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