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Stuttgart/Berlin (dpa) Frauen im Vorstand der großen Konzerne? Damit ist es in Deutschland nach wie vor ganz schlecht bestellt. Das Brisante daran: Eine neue europaweite Studie zeigt, dass es mit Frauen im Top-Management wirtschaftlich besser läuft.
Weibliche Vorstandsmitglieder machen ein Unternehmen erfolgreicher, so die Studie. (Foto: Tobias Kleinschmidt) (Foto: dpa)
Es ist eine steile These: Mehr Frauen in den deutschen Vorstandsetagen wären für die Konzerne wie ein Konjunkturprogramm. Denn Weiblichkeit im Top-Management steht für mehr wirtschaftlichen Erfolg. Eine Untersuchung der Beratungsexperten von Ernst & Young unter den 300 größten börsennotierten Unternehmen Europas ließe diese These zu. Die Analyse zeichnet ein statistisch eindeutiges Bild: Vorsicht vor reinen Männerzirkeln an der Unternehmensspitze. Sind Frauen dabei, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass es wirtschaftlich besser läuft als bei der Konkurrenz.
Vor diesem Hintergrund ist es um Deutschland schlecht bestellt. Nur zwei Prozent der deutschen Vorstandsmitglieder aus der Studie sind im Jahr 2010 weiblich gewesen. Das ist die rote Laterne. Beim Spitzenreiter Irland sind es 28 Prozent - also beinahe ein Drittel. Dort haben 83 Prozent der untersuchten Unternehmen mindestens eine Top-Managerin in ihren Reihen. In Deutschland sind das nur 8 Prozent.
Die Studie zeigt weiter, dass sich die wichtigen Kennzahlen der großen Konzerne über einen Zeitraum von fünf Jahren genau dann besser entwickelten, wenn in den Führungsetagen sowohl 2005 als auch 2010 wenigstens eine Frau saß. Selbst wenn der Männerzirkel erst bis 2010 aufgebrochen wurde, ist dieser Trend statistisch schon ersichtlich.
Müsste man also - etwa über eine Quote - nur mehr Frauen in die Führungsetagen setzen und das Plus an Erfolg wäre ein Selbstläufer? Ganz so einfach scheint das leider nicht. Es gibt das berühmte Problem von Henne und Ei: Waren die Frauen zuerst da und brachten den Erfolg mit? Oder sind ohnehin erfolgreiche Unternehmen ganz einfach durchlässiger für kompetente Frauen?
Ana-Cristina Grohnert, die Personalchefin bei Ernst & Young für den deutschsprachigen Raum, gibt Folgendes zu bedenken: Frauen in Führungspositionen seien meist die Folge eines Umdenkens. Gerade jene Firmen, die Managerinnen aus ihren eigenen Reihen rekrutierten, hätten früh begonnen, die Barrieren in der Unternehmenskultur zu identifizieren, die das einst blockierten. Stelle sich ein Konzern modern, aufgeschlossen, flexibel, zukunftsorientiert, nachhaltig und verantwortungsbewusst auf, sei das generell gut fürs Geschäft - und Frauen an der Spitze seien nur ein Indiz des erfolgreichen Wandels.
«Es geht um Vielfalt - es geht um den Mix», erklärt Grohnert. «Männliche oder weibliche Monokulturen sind in unserer heutigen Gesellschaft des 21. Jahrhunderts überholt - und hoffentlich auch bald in den Führungsetagen der Wirtschaft», hofft die Managerin.
Auch eine Analyse des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) hatte Ende 2011 gezeigt, dass ein hoher Frauenanteil motivierte, leistungs- und aufstiegsorientierte Mitarbeiterinnen anziehe. Und das kann für eine Firma ja nur gut sein. Auch andere Studien stützen das Bild, dass Unternehmen mit Frauen ganz einfach Vorteile haben, weil schlicht die Mischung leistungsfähiger macht. So wiesen US-Forscher nach, dass Gruppen mit gemischten Geschlechtern größeren Erfolg haben und der Mix sogar wichtiger ist als die Intelligenz der Mitglieder. Mehr noch: Je mehr Frauen im Team sind, desto besser wird es. Auch andere Versuche haben schon gezeigt, dass typisch weibliche Stärken wie soziales Gespür und Kommunikation Gruppenleistungen stärken.
Daher verwundere die Ernst-&-Young-Studie auch nicht, sagt Kris Hauf, Präsidentin des europaweiten Managerinnen-Netzwerks EWMD. «Was neu ist und natürlich sehr erfreulich: Die Studie hat es jetzt auch empirisch bei deutschen und europäischen Unternehmen nachgewiesen.» Die Forderung nach einer Frauenquote für die Vorstandsetagen könnte zwar kontrovers diskutiert werden, Fakt bleibe aber: Mehr Frauen in Top-Jobs wären ganz einfach gut - und Deutschland hat Nachholbedarf.

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