Zeitzeuge Sally Perel: Als Hitlerjunge getarnt den Holocaust überlebt
AHAUS „Der letzte Wunsch meines Vaters an mich war: Sally, vergiss nie wer du bist!“. Die letzten Worte meiner Mutter lauteten: Sally, du sollst leben!“ Von diesem bewegenden und endgültigen Abschied im Jahre 1939 erzählte Sally Perel, Holocaust-Überlebender und Autor des Buches „Ich war der Hitlerjunge Salomon“, den Schülern und Schülerinnen des Berufskolleg Lise Meitner (BKLM) am Montagmorgen im Fürstensaal des Ahauser Schlosses.
Zeitzeuge und Autor von "Hitlerjunge Salomon": Selly Perel (Foto: Denise Perrevort-Elkemann)
Weise Worte waren es, mit denen der in Israel lebende Perel über sein Schicksal berichtete, ruhig und ohne Hass, aber voller Gefühl und Leidenschaft. In Niedersachen geboren flüchtete er mit seiner Familie bei Machtergreifung der Nazis nach Polen. Als die Deutschen Truppen auch in Polen einmarschierten und die Ghettoisierung der Juden begann, schickten die Eltern ihn und seinen Bruder Isaak nach Ostpolen. „Das war wahre Mutterliebe, dass meine Mutter die Kraft aufbrachte uns wegzuschicken, denn wir sahen uns nie wieder“, erklärte Sally Perel.
Auf der Flucht nach Minsk fiel der damals Vierzehnjährige der Wehrmacht in die Hände, ein Schicksal, dass seinen Tod hätte bedeuten können: „Ich dachte nur, Mama, Papa, wo seid ihr?“ Dann habe er sich der einzigen Waffe bedient, die er noch hatte, nämlich der Lüge. „Ich vergrub meine Ausweise in einem Erdloch und als mich ein Soldat fragte, ob ich ein Jude sei, musste ich mich blitzschnell entscheiden: Auf meinen Vater oder meiner Mutter zu hören“, beschrieb er die für ihn lebensentscheidende Situation. Seine Mutter habe ihm dann die Kraft für die Antwort: „Ich bin kein Jude, ich bin Volksdeutscher“ gegeben. Die ehrfürchtige Stille im Fürstensaal durchbrach Perel mit leiser Stimme: „Von da an litt ich unter der Spaltung meiner Seele, die bisweilen an die Grenze des Selbsthasses führte.“ Selbst nahezu ungläubig erzählte er von seiner anschließenden „Karriere“ als Hitlerjunge, mitgerissen vom braunen Wahn, aber niemals wirklich vom Rassenhass eingenommen: „Der Jude bedeutete das Böse, der Satan! Aber wenn ich in den Spiegel blickte, sah ich keine Hörner: Ich war doch kein Satan!“
Neue Zeitzeugen
Abschließend wandte er sich an sein junges Publikum, das seinen Schilderungen zwei Stunden aufmerksam und bewegt zugehört hatte: „Ich wünsche mir in diesem wunderschönen Saal, dass mein Zeitzeugenbericht nicht nur tief und streng in euren Seelen verbleibt, sondern in euch wächst.“ Eindringlich sah der alte Mann sie an: „Ich bin der letzte Zeitzeuge. Ich wünsche mir, nachdem ich gehe, dass ich heute in euch neue Zeitzeugen hinterlasse!“
Denise Perrevort-Elkemann

















