Serie: Kirchen prägen das Panorama von Linden
BOCHUM Die meisten der heutigen Stadtteile wuchsen seit etwa 1850 zu mittelgroßen Ortschaften mit mehreren tausend Einwohnern heran. Entsprechend selbstbewusst präsentierten sie sich vor ihrer Eingemeindung auf eigenen Ansichtskarten. Ein Beispiel ist der „Gruss aus Linden in Westfalen“ aus dem Jahr 1900.
Immer noch stattlich, aber ohne den Turmhelm weniger dominant: die Christuskirche. (Foto: Frank Dengler)
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Zwischen 1819 und 1870 wuchs die Einwohnerschaft von 400 auf 2600, und sie erreichte um 1900 bereits eine fünfstellige Größe. Interessanterweise verrät das Panorama nichts über die Ursachen des Wachstums des ursprünglich durch Landwirtschaft und Handwerk geprägten Dorfes.
Hauptsächlich Bergbau
Von Industrie – in Linden war dies hauptsächlich der Bergbau – ist auf der ländlichen Idylle nichts zu sehen. Tatsächlich spielte sich der frühe Bergbau in vielen kleinen Stollenzechen ab. Seit den 1850er Jahren begann jedoch auch in Linden der Tiefbau in modernen Schachtanlagen. Zu nennen wären hier die Zechen „Baaker Mulde“, „Hasenwinkel“ und vor allem „Friedlicher Nachbar“.
Die Bevölkerungszahl stieg weiter an, so dass Linden mit dem benachbarten Dahlhausen zusammenwuchs. Dies führte 1921 zur Herauslösung beider Orte aus dem Kreis Hattingen und zur Bildung der Großgemeinde Linden-Dahlhausen. Nur acht Jahre später wurde die stolze Doppelortschaft dann allerdings nach Bochum eingemeindet.
Auf dem Panorama lassen sich kaum einzelne Gebäude identifizieren, mit Ausnahme der beiden Kirchen: links die katholische Liebfrauenkirche, rechts die höher gelegene evangelische Christuskirche. Beide sind auf der Karte auch als Einzelmotive abgebildet. Die Liebfrauenkirche wurde 1865/66 von dem Barmener Architekten Gerhard August Fischer (1833-1906) errichtet und bis 1901 durch Hilger Hertel d. J. (1860-1918) erweitert. Sie gilt als eine der gelungensten neugotischen Kirchen in Bochum.
Basilika und Backstein
Außen wird die aus Backstein erbaute dreischiffige Pfeilerbasilika besonders von dem vielgliedrigen Kirchturm mit seinen vier Ecktürmchen und dem mächtigen Querhaus geprägt. Auf dem aktuellen Foto präsentiert sich der Sakralbau heute noch fast genauso wie auf der Karten-Ansicht. Lediglich der Dachreiter über der Vierung fehlt, am Querhaus ist ein moderner Eingangsbau hinzugekommen, und der Vorplatz wurde vor einigen Jahren neu gestaltet.
Weniger Glück hatte die evangelische Christuskirche im Laufe ihrer Geschichte. 1874-77 nach Plänen des Wittener Baumeisters Friedrich Ellinghaus als neugotische Hallenkirche aus Sandstein mit einigen neoromanischen Elementen erbaut, wies sie deutlich schlichtere, strengere Bauformen und Gliederungen als die Liebfrauenkirche auf. Das entlang der Straße angeordnete Gebäude wurde von einem 54 Meter hohen Turm mit Spitzhelm dominiert.
Bombenangriffe
Während des Zweiten Weltkriegs überstand die Kirche die Bombenangriffe zunächst nahezu unbeschadet, doch in den letzten Kriegstagen brannte sie im April 1945 vollständig aus. Ihr Wiederaufbau (1950-53) führte zu einem noch spartanischeren Ergebnis.
Innen verzichtete man auf die ehemaligen Seitenemporen, und außen fällt besonders das Fehlen des früheren hohen Turmhelms auf. Dadurch ist das Erscheinungsbild der Christuskirche weniger bestimmend, doch wegen ihrer Höhenlage prägt sie bis heute gemeinsam mit der Liebfrauenkirche das Zentrum von Linden.
























