Kunst mit Planierwalze: Zwischen Komposition und Zufall
EMSDETTEN Das Wort "Planierwalzendruck" müsste eigentlich in das Handbuch der Drucktechniken aufgenommen werden, denn ungewöhnlich ist diese Drucktechnik tatsächlich. Die Münsteraner Künstlerin Susanne von Bülow ist die Erfinderin des Planierwalzendrucks, den sie jetzt unter großem Publikumsinteresse vor der Galerie Münsterland in Emsdetten vorführte.
Soe sieht ein Druck ausm wenn die Planierwalze ganze Arbeit geleistet hat. (Foto Meisel-Kemper)
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"Der Boden von Emsdetten soll gedruckt werden. Ein Porträt der anderen Art. Es ist ein Experiment, das zwischen Komposition und Zufall pendelt", machte Galerieleiterin Dr. Andrea Brockmann noch in der warmen Galerie Appetit auf das Ereignis, das zum Rahmenprogramm der laufenden Ausstellung "Sind Hubschrauber kreativ?" gehört.
Problem Kälte
Die Minustemperaturen waren dabei das größte Problem. Erste Probedrucke, die von Bülow auf dem Boden der Galerie ausgebreitet hatte, ließen nicht gerade einen Erfolg der Aktion erwarten. Dementsprechend angespannt war von Bülow, die auf viele helfende Hände traf.
Gully präpariert
Ruppe Koselleck, ihr Ehemann und Aktionskünstler, hatte noch eben aus Münster neue Rollen Büttenpapier besorgt. Der erste runde Gullydeckel vor der Galerie war bereits mit roter und blauer Farbe präpariert. Patrick Kamp vom Bauhof Emsdetten stand mit der laufenden Planierwalze bereit, um den eigentlichen Druck nach von Bülows Anweisungen durchzuführen.
Farbe aufheizen
Aber zunächst musste die Farbe durch das Besprühen mit Wasser und dem Aufheizen durch einen Flammenwerfer verflüssigt werden, denn gefrorene Farbe kann bekanntlich nicht drucken. Mit der Papierrolle unter dem Arm verteilte die Künstlerin mit dem Besen die Farbe, bevor der "Druckstock" mit Papier abgedeckt wurde. Filzmatten und Wärmebett wurden über dem Papier ausgebreitet, während die Planierwalze knatternd über die präparierte Fläche rollte. Von Bülow zeigte an, wie und in welche Richtung die Planierwalze rollen sollte, damit lenkte sie den eigentlichen Druckvorgang.
Spannung pur
Der spannende Moment bot die Erlösung, denn als das Papier sich einwandfrei und in Gänze vom Boden lösen ließ, zeigte sich der Druck in voller Größe. Der Gullydeckel mit der umgebenden Pflasterung war mit all seinen linearen Elementen und Formen und dem üblichen Straßenschmutz klar erkennbar und abgedruckt. Wie in einer Prozession wurde das bedruckte Papier zum Trocknen in die Galerie gebracht und dort auf dem Boden abgelegt. Auch der zweite Druck einer ovalen Abdeckung für einen Hydranten im Boden vor der Galerie gelang einwandfrei. Auch er wird die Ausstellung bereichern.
Erleichtert
"Unglaublich, unglaublich, dass das so gut geklappt hat", wunderte sich die erleichterte von Bülow. Staunend betrachteten die Besucher die beiden "Porträts von Emsdetten".
















