Poker um die künftige Gesamtschule: Wer wird die neue Schule leiten?
GREVEN Dass das Modell der Zukunft Gesamtschule heißt, ist beinahe Gewissheit. Wer diese neue Schule leiten wird, ist offen. Auf einen Kandidaten muss der Schulträger womöglich verzichten: Axel Barkowsky. Der Rektor der Marienhauptschule hat sich auf eine externe Schulleiterstelle beworben.
Auf externen Posten beworben
Diesem Wandlungsprozess wollte Axel Barkowsky nicht tatenlos entgegensehen und hat sich beworben, außerhalb Grevens, auf eine ebenbürtige Position, das Verfahren läuft. „Man muss doch schauen, was man in Zukunft machen möchte“, so Barkowsky, „und ich möchte auf jeden Fall Schulleiter bleiben.“ Welche Karten beim Schulpoker ausgespielt werden, ist schließlich für keinen der beteiligten Schulleiter derzeit abzusehen. Barkowsky baut lieber vor, man müsse sehen, wo man bleibt, sagt er. Wohin die Bewerbung geht – das ist für Barkowsky zur Stunde noch nicht öffentlichkeitstauglich.
"Alles im Prozess"
„Das ist alles im Prozess“, sagt er, da wolle er im Vorfeld nicht schon Unruhe reinbringen. Der Entschluss zur Bewerbung sei ihm jedoch „alles andere als leicht“ gefallen. „Eine reine Kopfentscheidung, das hatte nichts mit dem Bauch zu tun.“ Für das Schulmobilé bedeutet sein möglicher Weggang einen weiteren Schub, wird doch der Kreis der Kandidaten vor Ort, die für die Leitung der neuen Schule in Frage kämen, immer kleiner. Denn ob die Bezirksregierung den neuen Posten überhaupt öffentlich ausschreibt, bleibt abzuwarten. „Möglicherweise ist ja ein Kandidat vor Ort so gut geeignet, dass man keine Ausschreibung braucht“, sagt Ulla Lutkehermölle, Pressesprecherin der Bezirksregierung Münster. Und die Gruppe vor Ort ist überschaubar: Da wäre zum einen Theo Tillmann, Rektor der Anne-Frank-Realschule, der zwar die Notwendigkeit einer Gesamtschule grundsätzlich anerkannt hat, jedoch das Weiterbestehen seiner Schule mit geschärftem Profil deutlich präferiert (wir berichteten).
Statement der Schulkonferenz
Anders die Position Ingo Krimphoffs: Der Leiter der Justin-Kleinwächter-Realschule hat eine Schulkonferenz im Rücken, die sich nun erstmals ganz offiziell für die Errichtung einer Gesamtschule ausgesprochen hat. „In Anbetracht der Umstände“, sagt Christoph Laznik, Vorsitzender der Schulpflegschaft, könne man sich vor dieser Schulform nicht mehr verschließen. Sie böte die Möglichkeit eines differenzierten Bildungsangebotes und einer „homogenen Schullandschaft ohne Verlierer“.
Wichtig sei jedoch, gewisse Rahmenbedingungen zu setzen. Zwei Standorte seien für die Schulpflegschaft dabei ein prominenter Faktor. „Neben dem Gymnasium muss es Unterricht sowohl am Josefs- als auch am Marienschulzentrum geben“, sagt Laznik und verweist bei Profilierung einer einzigen Schule auf die Gefahr einer „Resteschule“, die mit Prestigeverlust zu kämpfen hat. Und dieser hat sich ja schon gegenüber Axel Barkowsky als die nachweislich stärkere Macht erwiesen, der das Ende der Marienschule schon frühzeitig gesehen, diskutiert und letztlich pragmatisch anerkannt hatte.
„Ich hätte wirklich gerne noch ein Jahr länger Zeit gehabt“, sagt dieser. Aus dem laufenden Entscheidungsprozess womöglich auszusteigen, das heißt für den überzeugten Hauptschulleiter einen harschen Schnitt. „Aber lieber jetzt, als wenn es angesichts des derzeitigen Trends in einem Jahr noch mehr Schulleiter auf dem Markt gibt.“ Barkowsky hat nun erstmal Ferien, danach wird er der Schulkonferenz die Hintergründe seiner Entscheidung erklären, die mit dem Bauch so gar nichts zu tun hat.












