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Medienhaus Lensing
11.03.2010 18:09 Uhr
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Aurubis-Erörterung: Bezirksregierung gibt keine Aussage zum Zeitpunkt der Entscheidung

LÜNEN Genau um 17.32 Uhr am frühen Donnerstagabend war es vorbei: Nach drei Tagen endete im Hansesaal der Erörterungstermin zur von Aurubis beantragten Erweiterung der Lüner Kupferhütte. Versammlungsleiter Karsten Schmidt, Technischer Dezernent bei der Bezirksregierung Arnsberg, bedankte sich für eine „durchweg sachliche, konstruktive Diskussion“. Von Peter Fiedler

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 (Foto: Günther Goldstein )

17.53 Uhr

Wann die Bezirksregierung entscheidet, ob die Werkserweiterung genehmigt wird, steht noch nicht fest. „Ich kann keinen Zeithorizont nennen“, hatte Schmidt schon zum Auftakt des Erörterungstermins erklärt.

Zum Abschluss standen die u.a. die Themen Gerüche und FFH-Verträglichkeit im Blickpunkt. Dr. Jörg Siebert, Gutachter für Gerüche, sagte „in Summe“ keine größere Geruchsbelästigung nach einer Werkserweiterung voraus. Seine Firma hatte u.a. 21 Probanden an verschiedenen Stellen im Werksumfeld „schnüffeln“ lassen. Die Gutachter-Analyse ist das eine, die subjektive Betroffenheit das andere: Ein Anwohner des Hauses Bismarckstraße 47 a schilderte als Einwender, wie er durch „typischen Hüttengeruch“ belästigt wird, manchmal an mehreren Tagen im Monat.

Geruchsquellenkataster

Aurubis nehme das Thema sehr ernst, betonte der Lüner Umweltbeauftragte Dr. Claus Meyer-Wulf. Er geht davon aus, dass Geruchsbelästigungen dadurch geringer werden, dass Stoffe in Hallen statt im Freien gelagert werden. Zudem erstelle man in Zusammenarbeit mit der Bezirksregierung Arnsberg ein Geruchsquellenkataster, „um das gesamte Werksgelände nach verdächtigen Quellen zu inspizieren.“

Die gutachterlichen Aussagen zur Verträglichkeit einer Werkserweiterung mit den vier FFH-Gebieten im Einzugsbereich (Fauna, Flora Habitat) reichten einigen Einwendern nicht. Sie beantragten zusätzliche Überprüfungen zum Thema Abwässer. So solle überprüft werden, ob Abwässer die Werte der städtischen Entwässerungssatzung einhalten. Einwenderin Marion Küpper dankte Aurubis am Ende des Termins für die Zusage, keine radioaktiven Schrotte in Lünen zu verwerten.





15.38 Uhr

Das Aurubis-Werk wird nach der geplanten Erweiterung eher leiser als lauter. Was zunächst paradox klingt, erläuterte beim Erörterungstermin am Donnerstag der Schallschutzgutachter Hans-Joachim Busche (TÜV). 

Nach seinen Angaben wurden bereits bei der Ermittlung der Vorbelastung (aktuelle Geräuschsituation) mehrere Schallquellen identifiziert, deren Geräusche dazu führen, dass nachts an 3 von 13 Messpunkten (u.a. Wohnhäuser Zum Wäldchen und Bismarckstraße) die Immissionsrichtwerte überschritten werden. Vor allem tonartige Geräusche seien es, die den Pegel über den Richtwert treiben.  Von vier identifizierten Quellen seien zwei bereits jetzt deutlich leiser, z.B. durch Nachrüstung oder Erweiterung von Schalldämpfern. An zwei Geräuschquellen laufen die Maßnahmen noch.

Schallschutzwall am Buchenberg

Für die geplante Werkserweiterung habe man zahlreiche Schallschutzmaßnahmen empfohlen, die auch umgesetzt würden, so Busche. Dazu zähle zum Beispiel der Schallschutzwall an der neuen Werksausfahrt Buchenberg. Aurubis werde den Erdwall freiwillig von 6,5 auf 8 Meter erhöhen.

Für die Lärmprognose berücksichtigte der Gutachter die künftige Verkehrsführung über die neue Ausfahrt. Er habe 500 LKW-Fahrten pro Tag zugrunde gelegt, so Busche, „weit weg von den Planungen von Aurubis“. Das Unternehmen plane derzeit nach der Werkserweiterung mit 85 bis 110 LKW über den Buchenberg und 50 bis 53 über die Kupferstraße, so Werksleiter Dr. Franz-Josef Westhoff.

Keine lauten Töne zum Thema Lärm

Nachts werde es trotz 24-Stunden-Betriebes keinen Verkehr innerhalb des Werkes geben, kündigte Gutachter Busche an. Insgesamt lägen die zu erwartenden Zusatzbelastungen durch die Werkserweiterung bei mindestens 10 dB (A) unter den Nachtrichtwerten. „Das heißt, sie leisten keinen Beitrag zur Geräuscherhöhung. Es wird nicht lauter, sondern an einigen Stellen leiser. Die Lästigkeit einiger Geräusche wird verschwinden“, kündigte Busche an.

  Zum Leisetreter wird Aurubis indes nicht, denn in einigen Bereichen würden die Nachtrichtwerte knapp erreicht oder sogar ausgeschöpft, wie etwa am Messpunkt „Zum Wäldchen 3“. Eine Überschreitung der Nachtwerte erwartet Busche aber künftig nicht mehr. Das Thema Lärm lief beim Erörterungstermin nahezu geräuschlos durch. Auf Nachfrage sicherte Dr. Westhoff zu, Lieferanten den Anfahrtsweg über A 2, B 236 und B 54 mit Nachdruck nahe zu legen. Das geschehe schon heute.





13.26 Uhr

Die Bezirksregierung Arnsberg will prüfen, ob die Bodenbelastung durch Dioxine und Furane im Umfeld der Lüner Kupferhütte vertieft untersucht wird. Das erklärte die Behörde am 3. Erörterungstag, als sie nach einer Beratungspause den Antrag von Thomas Matthee (Naturschutzverbände) ablehnte, den Erörterungstermin abzubrechen und das Genehmigungsverfahren vorläufig auszusetzen. Matthee hatte seinen Antrag damit begründet, die Antragsunterlagen seien unvollständig, eben weil aktuelle Messergebnisse zur Bodenbelastung durch Dioxine/Furane fehlten.

Der Erörterungstermin diene gerade dazu, maßgebliche neue Gesichtspunkte zu gewinnen, so die Behörde in ihrer Ablehnungsbegründung. „Liegen plausible Hinweise vor, kann sich die Verpflichtung ergeben, den Hinweisen nachzugehen“, hieß es weiter. Ein Gutachten zur Belastung mit Dioxinen und Furanen sei auch im Sinne von Aurubis, betonte Einwenderin Renate Schulze-Matthee. „Das wäre ein sauberer Weg.“

Weitere Fragen drehten sich um das Thema Grundwasser. Nach Angaben des Umweltbeauftragten des Lüner Aurubis-Werkes, Dr. Claus Meyer-Wulf, sind auf dem Werksgelände „lokal begrenzte Verunreinigungen“ des Grundwassers festgestellt wurden, „für die ein Sanierungsplan aufgestellt wird“. Dann könne es womöglich auch außerhalb des Werkes Probleme geben, befürchten die Einwender.

Bodengutachter Prof. Dr. Ulrich Ewers erklärte dazu, allein aufgrund von Bodenwerten könne man zwar keine Aussage über eine mögliche Grundwasser-Kontamination machen, allerdings gehe er nicht „von einer großflächig relevanten Grundwasser-Kontamination“ aus.
 
Dr. Kluge räumt Missverständnis aus

Kinderarzt Dr. Karl Kluge korrigierte ein Missverständnis vom Vortag. Seine persönliche Erhebung von Befunden bei über 800 Kindern stamme aus dem II. Quartal 2007 vor dem Hintergrund seiner 25-jährigen Erfahrung als Kinderarzt.

Am Mittwoch war offen geblieben, ob sich die Erhebung auf ein Quartal oder auf einen Zeitraum von 25 Jahren beziehe. Einwender Prof. Dr. Johannes Hofnagel zitierte als Experten Prof. Dr. Teschler, ehemaliger Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin, derzeit ärztlicher Direktor der Ruhrlandklinik.

Ernsthafte negative Auswirkungen

Laut Teschler gibt es aus medizinischer Sicht keine irrelevante Zusatzbelastung durch Schadstoffe, gerade in Regionen, in denen Grenzwerte schon errecht oder schon überschritten sind. Auch eine Erhöhung um 1, 2 oder 2,5 Prozent könne ernsthafte negative Auswirkungen auf bestimmte Personengruppen haben.
 
Versammlungsleiter Karsten Schmidt (Bezirksregierung) erklärte zum Thema Gesundheit: „Wir sind uns der Problematik durchaus bewusst und werden unsere Entscheidung sehr sorgfältig treffen.





10.34 Uhr

Im Mittelpunkt stand das Bodengutachten zur Schwermetallbelastung, das das Hygieneinstitut des Ruhrgebietes (Prof. Dr. Ulrich Ewers) im Auftrag des Kreises Unna erstellt hatte.

Anlass waren die hohen Schwermetallbelastungen im Staubniederschlag rund um die Kupferhütte. Prof. Ewers erläuterte die Ergebnisse, die er schon 2008 in einer öffentlichen Veranstaltung präsentiert hatte. Die Tendenz: Nahe der Kupferhütte fanden sich hohe Konzentrationen von Zink und Kupfer im Boden, in einer Entfernung ab zwei Kilometern hätten die Konzentrationen „das typische Niveau von Stadtböden im Ruhrgebiet“.

Keine Gesundheitsgefahr

Zusätzlich seien noch potenzielle Weideflächen in der Umgebung des Werkes untersucht worden, wo sich der Anfangsverdacht einer zu hohen Konzentration von Schwermetallen nicht bestätigt habe. Die Konzentrationen von Arsen, Blei, Cadmium, Nickel und Quecksilber sei in den entnommenen Bodenproben nicht auffällig gewesen. Prof. Ewers Gesamtfazit: „Wir gehen nicht von einer Gesundheitsgefahr für die Bevölkerung aus“. 

Bei den Einwendern gegen die Aurubis-Erweiterung stieß vor allem auf Kritik, dass Ewers Dioxine und Furane nicht untersucht hatte. Der Gutachter antwortete, dies sei nicht sein Auftrag gewesen. Man sei sich mit dem Kreis Unna einig gewesen, dass aufgrund von Bodenuntersuchungen aus dem Jahr 1990, als keine auffälligen Dioxin/-Furan-Werte festgestellt worden seien, keine erneute Beprobung nötig sei. Auch aus Kostengründen.

20 Jahre alte Werte noch gültig

Einwenderin Renate Schulze-Matthee rügte das scharf. Sie hege den Verdacht, dass auf Dioxine und Furane nicht erneut untersucht wurde nach dem Motto „ich will nichts finden, weil ich dann ja was unternehmen müsste.“ In den vergangenen 20 Jahren, so hieß es, seien vom Werk weiter Dioxine/Furane emittiert worden.

Ein Vertreter des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) erklärte, man gehe aufgrund bisheriger Erfahrungen davon aus, dass die vor 20 Jahre gemessenen Werte noch gültig seien. Dass sie sich inzwischen erhöht haben könnten, konnte er jedoch nicht ausschließen. Einwender Prof. Dr. Johannes Hofnagel griff Prof. Ewers für seinen Hinweis an, laut Weltgesundheitsorganisation WHO sei Kupfer- und Zinkmangel generell ein größeres gesundheitliches Problem als eine Überversorgung. „Für die Lüner Situation ist das irrelevant“, so Hofnagel.
 
Kinderarzt Dr. Karl Kluge meinte, Bodenproben seien nutzlos, weil die Metalle vom Regen ausgewaschen würden.. „Was im Boden ist, ist nicht im menschlichen Organismus“, sagte Prof. Ewers dazu. Der Übergang von Schadstoffen aus dem Boden in den menschlichen Organismus sei aber als eher gering einzuschätzen.“ 

Aurubis will bis 2011 insgesamt 62,5 Millionen Euro in Lünen investieren. Der öffentliche Erörterungstermin wird von der Bezirksregierung Arnsberg als Genehmigungsbehörde veranstaltet. Neben den Einwendern sind Vertreter des Antragstellers Aurubis und der so genannten Träger öffentlicher Belange anwesend.

Der Aurubis-Standort an der Kupferstraße:

  
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