Freitag gibt's Halbjahreszeugnisse: Lernlust und Notenfrust
METELEN Freitag gibt es Halbjahreszeugnisse. Mal Anlass für Jubel - mal für Sprachlosigkeit. Die beiden Metelener Schulleiter Gregor Hinkelammert und Claudia Poplutz sowie Schulpsychologe Paul Mangel gaben uns über gute und schlechte Zensuren sowie erhöhten Redebedarf Auskunft.
Viele Schüler sehen der Zeugnisausgabe mit mulmigen Gefühlen entgegen. (Foto: dpa)
"Giftblätter?" Gregor Hinkelammert, Schulleiter der St. Vitus-Grundschule, muss über diesen Begriff für Zeugnisse lachen. "Die gibt es bei uns nicht", sagt er. "Bei uns gibt es am Freitag Freudenblätter." Wie viele Zeugnisse für die Metelener Grundschüler er unterschrieben hat? Gezählt hat Gregor Hinkelammert sie nicht. "Die Menge, die ich unterschreiben musste, war aber überschaubar."
Keine Überraschungen
Dafür hat er sich jedes genau angeschaut. Überraschungen gab es dabei nicht. "Es gibt ja vor den Zeugnissen die Zeugniskonferenzen. An denen habe ich als Schulleiter teilgenommen. Dabei werden die Noten der einzelnen Schüler vorgestellt." Mit dem Halbjahreszeugnis gibt es für die Viertklässler allerdings auch die Empfehlung für die weiterführende Schule. Für Ärger mit den Eltern sorge dies aber so gut wie nie. "Wir führen ja schon vorher Gespräche mit den Eltern. Dabei werden der Elternwunsch und unser Schülervorschlag abgeglichen. Es ist die absolute Ausnahme, dass kein Konsens erzielt wird." Falls doch, biete die Grundschule den Eltern nach den Halbjahreszeugnissen Gelegenheit zur Rücksprache.
Über regen Gesprächsbedarf kann auch Claudia Poplutz nicht klagen. Doch beschränkt der sich vor allem auf die Elternsprechtage. Weniger auf die Woche nach den Halbjahreszeugnissen. Und die fallen an der Metelener Hauptschule auch in diesem Schuljahr ganz unterschiedlich aus. Poplutz: "Da gibt es nicht nur Freuden-, sondern tatsächlich auch Giftblätter." Insgesamt 170 Halbjahreszeugnisse werden am Freitag in der Hauptschule ausgehändigt. "Ich hätte liebend gerne noch mehr unterschrieben", sagt sie mit Blick auf die Schülerzahl.
Beratung
Erhöhten Redebedarf übers Schulhalbjahr? Paul Mangel, Schulpsychologe und Leiter der Regionalen Schulberatungsstelle für den Kreis Steinfurt verneint. "Die Vergangenheit hat gezeigt, dass es bei uns auch diesmal ruhig sein wird." Knapp 60 000 Schüler besuchen im Kreis Steinfurt die allgemeinbildenden Schulen. Dass sie am Freitag alle mit glänzenden Zeugnissen nach Hause kommen, ist aber auch für den Experten nur schwer vorstellbar.
"Wir bieten darum von 9 bis 14 Uhr ein Zeugnistelefon an." Mangel sitzt am Freitag in der Beratungsstelle in Rheine an der Strippe, Tel. (0 59 71) 914 48 80. "Unser Angebot richtet sich an Schüler und Eltern gleichermaßen." Wichtig sei, nach dem Halbjahreszeugnis nach vorne zu schauen. Mangel: "Was kann unternommen werden? Was muss sich ändern?" Mal sei ein Gespräch mit den Lehrern angebracht, mal mache Nachhilfe Sinn, mal könne eine Lerngruppe organisiert werden. Die Regionale Schulberatungsstelle könne auch vermittelnd tätig sein.
Tendenz
Doch manchmal liegt nicht nur ein anstrengendes Schulhalbjahr hinter den Schülern - sondern ein noch viel anstrengenderes vor ihnen. Paul Mangel: "Anhand des Halbjahreszeugnisses zeigt sich die Tendenz, ob das Klassenziel erreicht werden kann oder nicht. Bei Letzterem sollte gemeinsam rechtzeitig überlegt werden, ob eine Rückstufung oder ein Schulwechsel Sinn machen."










