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Medienhaus Lensing
19.01.2012 07:09 Uhr
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Explosion im alten Spielertunnel: Opfer spricht über Preußen-Böllerattacke

MÜNSTER Aufgeplatzte Schienbeine, eine tiefe Wunde im Bauch, insgesamt 53 Verletzungen - Walter Sollmann wurde am schwersten bei der Sprengsatz-Attacke während des Derbys SC Preußen gegen Osnabrück verletzt. Jetzt erzählt der Polizei-Oberkommissar, was in den entscheidenden Sekunden im alten Spielertunnel der Osnatel-Arena passiert ist.Von Jana Schoo

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Walter Sollmann erwischte der Sprengsatz des Preußen-Fans beim Derby gegen Osnabrück am schlimmsten: 53 offene Wunden hatte der 59-jährige Hauptkommissar an seinem Körper. (Foto: pd)

Eine dicke Narbe zieht sich über Walter Sollmanns Bauch, an den Beinen sind weitere Narben. Manchmal piept es in seinem Ohr. Das ist alles, was geblieben ist. Ansonsten geht es dem Polizisten gut.

Und das ist fast ein Wunder, denn vor vier Monaten, beim Fußballspiel zwischen dem SC Preußen und dem VfL Osnabrück, explodierte ein Böller vor seinen Füßen. Dutzende Wunden übersähten seinen Körper und fesselten ihn wochenlang ans Bett.

Details ins Gedächtnis eingebrannt

Ab dem 23. Februar muss sich der 24-jährige Münsteraner, der den Feuerwerkskörper am 10. September geworfen hatte, vor dem Landgericht Osnabrück verantworten. Der 59-jährige Sollmann wird dann als Nebenkläger auftreten, dem Gericht seine Verletzungen, seine Erlebnisse schildern. Und er erinnert sich noch gut, die Details haben sich in sein Gedächtnis gebrannt.

Chef sprang persönlich ein

Das Tragische: Eigentlich hätte der Leiter der Polizeistation im niedersächsischen Städtchens Dissen gar nicht vor Ort sein sollen. „Es war ein Risikospiel. Deswegen wurden auch Polizisten aus meiner Station angefordert“, erklärt er. Weil die betroffenen Einsatzkräfte an dem Tag verhindert waren, sprang der Chef persönlich ein.

Ein unglücklicher Zufall, mit dem er sich abgefunden hat. „Sonst hätte es einen anderen getroffen. Nun bin ich es gewesen“, sagt er. Ohnehin geht der Niedersachse ruhig und abgeklärt mit dem Vorfall um. Gefühle wie Hass oder Angst verspürt er nicht. Auch nicht, als er die entscheidenden Minuten dieses Tages beschreibt.

Aufgeplatzte Schienbeine

Er stand vor dem ehemaligen Spielertunnel, in dem sich die Polizisten versammelt hatten, um das Spiel zu beobachten. Direkt vor seinen Füßen landete der gefährliche Feuerwerkskörper. „Ich wollte mich und meine Kollegen schützen. Deshalb habe ich versucht, den Böller wegzutreten“, sagt er. „Und dann explodierte er.“

Sekunden später spürte der 59-Jährige einen höllischen Schmerz im Bein, sah seine aufgeplatzten Schienbeine. Erst später, auf der Krankenliege, entdeckte er die blutige Wunde an seinem Bauch. 53 offene Verletzungen zählten die Ärzte an seinem Körper.

Sekunden entscheiden über Leben und Tod

Die Wunde an Bauch und Schienbeinen operierten die Ärzte noch am selben Tag. „Ein paar Partikel von meiner Kleidung und dem Böller sind in meinen Bauch eingedrungen und haben sich entzündet“, sagt Sollmann. Eine zweite Operation wenige Tage später war unumgänglich, acht Wochen konnte er nicht arbeiten.

Dabei hatte er noch Glück. Wäre der in Deutschland verbotene Sprengkörper wenige Sekunden eher explodiert, hätte er Sollmanns Kopf getroffen, ihn möglicherweise sein Leben gekostet.

Spaß am Fußball nicht verloren

Die acht Zentimeter lange und stark verhärtete Narbe wird ihn für immer an dieses Fußballspiel erinnern. „Das gehört zu meinem Leben und hat mich geprägt, aber ich habe es abgehakt“, sagt der Vater von drei Töchtern. Sein Leben ist wieder ganz normal: Er ist zurück im Job, vollständig genesen und war auch schon wieder in der Osnatel-Arena.

Den Spaß am Fußball hat der VfL-Fan nicht verloren. Die Einstellung einiger Fans kann das Böller-Opfer allerdings nicht verstehen. „Gesang und Fahnen gehören dazu, Pyrotechnik nicht.“

Höhe der Gefängnisstrafe interessiert ihn nicht

Für den Prozessausgang wünscht er sich ein nachhaltiges Urteil. „Ich möchte, dass die Böllerwerfer daran denken, dass sie damit Menschen schaden. Und dass es für sie Konsequenzen hat“, sagt Sollmann.

Wie lange der Mann, der ihn so schwer verletzte, ins Gefängnis geht, interessiere ihn nicht. „Ich hoffe nur, dass die Strafe bei anderen Wirkung zeigt.“


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