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Medienhaus Lensing
21.02.2012 18:02 Uhr
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Junioren-Fußball: Vereine buhlen um das größte Talent

MÜNSTER Die Talentschmiede Münster funktioniert. Zahlreiche Profifußballer haben hier ihr Handwerk gelernt. Doch das werben um die jungen Talente geht mittlerweile immer früher los. Die kleinen Klubs der Stadt haben mit den Abwerbeversuchen der Großen zu kämpfen. Und die Kinder mit der Entscheidung, Fußball zu spielen oder in ihrem sozialen Umfeld zu bleiben.Von Jana Schoo

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Junge Kicker stehen früh im Fokus der großen Klubs. (Foto Witte)

Erfolgreiche Jugendarbeit beginnt im Profifußball immer früher. Die Verpflichtung des 13-jährigen Nico Franke von Bundesligist 1899 Hoffenheim ist das beste Beispiel. Auch Münsters Fußballklubs sind bekannt für gute Nachwuchsarbeit.

Immer wieder schaffen es Talente wie Christian Pander oder Lars Unnerstall aus dem Münsterland in die Bundesliga. Doch die Entwicklung hat ihren Preis. Ein Teufelskreis entsteht, der sich vom Profibereich bis zu den kleinen Dorfklubs zieht – und die jungen Kicker früh aus ihrem Umfeld reißt.

Talentschmiede Gievenbeck

„Das ist eine ganz schwierige Entwicklung mit einer besorgniserregenden Tendenz“, sagt Christian Wielers, Jugendkoordinator beim 1. FC Gievenbeck. Der Verein hat sich als Ausbildungsklub auf die Fahnen geschrieben, jungen Fußballern zu einer erfolgreichen Karriere zu verhelfen. Dafür braucht es Talente, die die Verantwortlichen in den umliegenden, kleineren Klubs erspähen.

Die erfolgreiche Jugendarbeit ruft wiederum Klubs wie den SC Preußen oder sogar Schalke 04 und Borussia Dortmund auf den Radar. „Jedes Jahr wechseln einige unserer E-Jugendspieler zum SC Preußen, obwohl die erst in der U 12 starten“, sagt Wielers.

Kritische Entwicklung

Und weil die Adlerträger so früh mit dem Abwerben beginnen, sieht sich auch Gievenbeck gezwungen, früher aktiv zu werden. Gleichzeitig würden aber auch die Eltern immer ehrgeiziger. „Sie wollen ihren Kindern unbedingt die beste Ausbildung bieten“, sagt Wielers. „Und wir schicken kein Talent weg.“

Genau diese Entwicklung sieht Thomas Höppner, D-Jugend-Trainer beim SC Münster 08, sehr kritisch. „Die Kinder abzuwerben ist eine Sache, aber sie aus ihrem Umfeld zu reißen, das ist nicht in Ordnung“, sagt er. Die Nullachter sprechen daher ausschließlich Kinder aus den kleineren münsterschen Vereinen in unmittelbarer Umgebung an.

Aggressives Abwerben

„Wir wollen die Kinder rechtzeitig in leistungsstarke Teams holen“, erklärt Höppner. „Aber sie müssen auch weiterhin Zeit für Freunde und Schule haben.“ Das Abwerbeverfahren der großen Vereine, das bestätigt auch Höppner, beginne immer früher und sei vor allem immer aggressiver.

„Die Klubs haben unglaublich große Angst, dass ihnen ein anderer Verein die Talente wegschnappt. Deswegen schlagen sie so früh zu.“ Seit dieser Saison besteht daher eine Kooperation zwischen den Kanalkickern und Borussia Dortmund. „So sind die Jungen automatisch in der Sichtung des BVB, können aber erstmal bei uns bleiben und später wechseln“, sagt Höppner.

Umworbener Neunjähriger

Noch früher fliegen die Angebote bei Westfalia Kinderhaus ein. Jugendkoordinator Stefan Baum berichtet, dass zuletzt sogar ein Neunjähriger umworben wurde. „Wir merken schon, dass Vereine wie Preußen oder Gievenbeck früher ihre Fühler ausspähen“, sagt Baum.

Andererseits könne auch ein kleinerer Verein wie Kinderhaus viel bieten: „Der Konkurrenzkampf ist bei uns nicht so hart, das Umfeld familiär und der Aufwand gering“, bestätigt Baum. Grundsätzlich könne man die Problematik aber nicht verallgemeinern. „Ein Spieler kann mit Zehn ein Riesentalent sein und mit 16 stagniert er – oder andersherum.“

Gradwanderung

Tatsächlich scheint es eine Gradwanderung zu sein. Wie viel ihnen der Aufwand, erfolgreich Fußball zu spielen, letztlich wert ist, müssen die Kinder selbst entscheiden. Hausaufgabenbetreuung, Bus-tickets oder Fahrservice gibt’s bei den münsterschen Vereinen jedenfalls nicht.


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