Hans Hirschfeldt: Zeitzeuge schildert Leid
STADTLOHN Das Leben in der Zeit des Nationalsozialismus war jetzt Thema einer gut besuchten Veranstaltung des Stadtlohner Heimatvereins im Haus Hakenfort.
Der Sohn eines jüdischen Kolonialwarenhändlers, Jahrgang 1926, berichtete aus den schlimmen Jahren seiner Jugendzeit während der Hitler-Diktatur. Als er an einem Konservatorium Musikunterricht erhielt, machte sich in seinem Umfeld schon bald der Hitlerwahn bemerkbar. Seine Mutter wurde schikaniert und zur Scheidung von ihrem jüdischen Ehemann gezwungen, dem es gelang, rechtzeitig nach Amerika auszuwandern. Seinen jüdischen Klavierlehrer habe man verhaftet, sagte er. Einzige Hilfe fand er bei seiner Schwester, die er als seinen Engel bezeichnete. Ein Luftschutzwart, der ihm einen Stahlhelm aufsetzte und in einen Luftschutzkeller brachte, rettete ihm das Leben.
Verfolgt
Als er dann im Städtischen Orchester in Danzig eine Stelle als Musiker an der Kesselpauke bekommen sollte, wurde er schon während der ersten Probe von der Gestapo, der geheimen Staatspolizei, verfolgt und abgeholt. Als Grund dafür vermutet er seine Beobachtungen bei einem SA-Leute-Treffen. Erst 15jährig, setzte man ihn beim Panzergrabenbau ein. Bei schlechtem Essen – es gab nur dünne Kohlsuppe – musste unter strenger Führung hart gearbeitet werden. Und ein Kampf ums Überleben begann. „Den habe ich nur gewonnen, weil ich einen festen Glauben an Gott hatte“, erklärte Hans Hirschfeldt.
Als 1945 die Front näher rückte, seien die Offiziersbaracken plötzlich leer und es ungewöhnlich still im Lager gewesen. Dann seien die russischen Besatzer einmarschiert und „uns hat das Rote Kreuz aus dem Lager befreit“, berichtete er. In Hamburg habe er nach dem Krieg glücklicherweise seine Mutter und seine Schwester wieder gefunden. Da er evangelisch erzogen worden sei, arbeite er bis heute für die evangelische Kirche. Wichtig sei es ihm, seine Erlebnisse mitzuteilen, damit das Geschehene nicht vergessen werde.
























