Medienhaus Lensing
25.02.2010 00:59 Uhr
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Biogasanlage: Pläne von RWE und WLV vorgestellt - Rat reagiert mit Skepsis

SÜDLOHN Alle 300 Sitzplätze waren besetzt und kaum mehr ein Stehplatz frei in der Aula der Roncallischule: Selten tagt der Rat vor solch großem Publikum. Der Grund: Am Mittwochabend stellten die Investoren von RWE Innogy und Westfälische-Lippischem Landwirtschaftsverband ihr Projekt Biogasanlage vor, das sie im Osselerhorst in Südlohn verwirklichen möchten. Und vor der Tür? Protest.Von Anne Winter-Weckenbrock

Draußen tönen schrill die Trillerpfeifen, während sich drinnen Ratsmitglieder und Zuhörer ihre Plätze suchen. Der Protest hat hunderte Südlohner zur Roncalli-Schule bewegt, wo sie mit Plakaten, Transparenten und "Biogas macht keinen Spaß-"Rufen deutlich machen, was sie von dem Projekt halten: nichts. 2800 Unterschriften, von der Bürgerinitiative "Kein-Biogas-in-Südlohn" gesammelt, nimmt Bürgermeister Christian Vedder vor der Sitzung entgegen.

Dann verstummen die Trillerpfeifen, und es ist Zeit für Argumente, Prognosen und technische Angaben - und ebenso viele Fragen. Dr. Thorsten Blanke und Thorsten Graulich von RWE Innogy sowie Jörg Sümpelmann, Geschäftsführer des landwirtschaftlichen Kreisverbands und Doris Nienhaus von der WLV Service GmbH, stellen ihr Projekt vor.

Keine Geruchsbelastungen zu erwarten

Blanke betont,dass es keine Geruchsbelastungen geben werde: "Dagegen wird Technik eingesetzt". Auch, was den An- und Ablieferverkehr angeht, relativieren die Projektpartner: Verglichen mit der derzeitigen Belastung der Straßen betrage die Steigerung ein Prozent - und eben wegen der guten Verkehrsanbindung des Standorts sei die Ortslage Südlohn kaum betroffen.

Jörg Sümpelmann betont, dass der Verband strenge Kriterien für die Gülleabgabe beschlossen habe: Weder solle Gülle von niederländischen Landwirten angeliefert werden noch solle die Anlage dafür sorgen, dass Mäster ihre Viehzahlen erhöhten.

Ratsmehrheit für Untersuchungsausschuss

Bei den Zuhörern erntet manche Aussage höhnisches Raunen, auch die Ratsmitglieder verbergen ihre Skepsis nicht. Fragen gehen ins Detail und wiederholen sich - es ist viel Informationsbedarf zu decken.

Auch in Bezug auf die Frage, "wer was wann wusste" in Gemeinderat und Verwaltung, wie Dieter Robers (FDP) fordert: Sein Antrag für einen Untersuchungsausschuss in dieser Frage erhält eine Mehrheit. Vorsorglich kündigt Bürgermeister Christian Vedder an, diesen Beschluss zu überprüfen: Dass die Gemeindeordnung ein solches Gremium vorsieht, bezweifelt die Verwaltung. Gelegenheit zur Information bestehe bei Akteneinsicht, die die Fraktionen nehmen könnten.

Bürgerinformation geplant

Dreieinhalb Stunden dauern Präsentation und Fragerunde. RWE Innogy kündigt an, im März eine Bürgerinformation abzuhalten - dann könnte jeder interessierte Bürger Fragen stellen. Im Anschluss - nur noch wenige Unentwegte füllen die Zuhörerbänke - geben die Fraktionen ihre Einschätzung.

Die CDU lehne nach wie vor den Standort ab, betonte Hermann-Josef Frieling. Vieles in Bezug auf den Bebauungsplan sei auch noch nicht klar. Dieter Robers (FDP) hatte seinen Informationsbedarf noch nicht gedeckt und wollte sich so nicht zu Für oder Wider äußern. Josef Schleif (Grüne) fand keine Mehrheit für seinen Antrag, den Kreis Borken als Genehmigungsbehörde zu bitten, den Antrag - soweit es rechtlich möglich sei - abzulehnen.

Wenn die Belange der Bürger und der Gemeinde beeinträchtigt würden, dann werde die UWG nicht zustimmen, betonte Fraktionschef Jörg Battefeld. Für den Antrag an die Gemeindeverwaltung, juristische Möglichkeiten prüfen zu lassen, wie die geplante Anlagean diesem Standort verhindert werden könne, erhielt Manfred Schmeing (SPD) eine Mehrheit.






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