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Medienhaus Lensing
20.04.2011 13:29 Uhr
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Interview: Auf dem Weg zur Gemeinschaftsschule

VREDEN.  Zum Schuljahr 2012/13 soll – so will es der Stadtrat – die Gemeinschaftsschule an den Start gehen. Vreden hat bei der Landesregierung die Teilnahme am Schulversuch beantragt – jetzt muss ein Konzept dafür erstellt werden. Anne Winter-Weckenbrock sprach mit den Schulleiterinnen Angela Köppen (Hoimar-von-Ditfurth-Realschule) und Gisela Huning (St.Georg-Hauptschule) über die eigens dafür gegründete Arbeitsgruppe.Von Anne Winter-Weckenbrock

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Gisela Huning (l.) und Angela Köppen bereiten mit der motivierten Arbeitsgruppe das Konzept für eine Gemeinschaftsschule in Vreden vor. (Foto: Anne Winter-Weckenbrock)

Ein Konzept für eine Gemeinschaftsschule zu erstellen, ist sicher eine große Herausforderung. Was ist alles zu tun?

Köppen: Es geht dabei um so vieles. Von der Stundentafel über das Ganztagskonzept und Raumkonzept bis hin zu den Fördermaßnahmen. Huning: Wir brauchen eigentlich ein grobes Konzept, geraten natürlich aber in der AG immer ins Diskutieren über Einzelthemen. Zum Beispiel über die Lernberatung: Uns schwebt vor, mit den Schülern Zielvereinbarungen zu erstellen, und auch die Eltern mit einzubezieh en.

Die Förderung der künftigen Gemeinschaftsschüler ist sicher ein großes Thema…

Köppen: Die Vereinbarungen mit den Schülern, das Absprachen treffen, soll dazu dienen, dass die Kinder motiviert bleiben. Was nützt dem Kinde eine Förderung, die es ablehnt und zu die es verdonnert wird? Huning: Wir möchten auf jeden Fall eine stärkere Beteiligung der einzelnen Schüler. Haben Sie bei Ihrer Arbeit denn etwas, auf das Sie zurückgreifen können? Köppen: Wir haben das Konzept der künftigen Gemeinschaftsschule in Billerbeck aus dem Internet heruntergeladen. Die Schulleiterin hatte sich eine solche Schulform immer gewünscht und praktisch ein Konzept in der Schublade. Huning: Und das Konzept hat sehr klare, präzise Angaben, das kommt uns entgegen. Wir haben natürlich auch schon mit der Schule Kontakt gehabt.

Gibt es denn Vorgaben von der Landesregierung, die zu beachten sind?
 Köppen: Kaum. Und das hat zwei Seiten: Manchmal wünsche ich mir mehr Richtschnur, aber andererseits ist es auch schön, dass wir eigene Ideen einbringen können.

Was heißt denn gymnasiale Standards?
Huning: Was man darunter versteht, habe ich den Leiter der Gesamtschule in Havixbeck gefragt. Auch er sagte, dass es dazu keine richtige Definition gebe. Schon jetzt wechselten Real- und auch Hauptschüler zur gymnasialen Oberstufe – also gab es in ihren Schulen zuvor wohl gymnasiale Standards. Alle Schulen versuchen doch, die Schüler an das Maximum heran zu führen. Für mich wird das Thema mit den Standards hochgespielt.

Frau Köppen, wie war Ihre Reaktion auf die Idee Gemeinschaftsschule?
Köppen: Ich war am Anfang skeptisch. Aus zwei Gründen: „Meine“ Schule wird geschlossen, das muss man erst mal verdauen. Andererseits: Die Schüler mischen sich ja schon jetzt. Eltern melden ihre Kinder bei der Realschule an, und für manche Kinder ist es dann sehr frustrierend, wenn sie auf die Hauptschule wechseln müssen. Das wird als Abstieg empfunden. Jetzt denke ich: Wenn wir die Arbeit machen, dann im kleinen System, mit der Erfahrung von Hauptschullehrern und unter den Bedingungen des Ganztags.

Mussten Sie speziell im Kollegium Überzeugungsarbeit leisten?
Köppen: Bei manchen nicht, bei anderen schon. Und wieder andere äußern sich (noch) nicht.

Sie haben die Gemeinschaftsschule sicher begrüßt, Frau Huning?
Huning: Mit ist seit Jahren klar, dass es auf eine Zweigliedrigkeit im Schulsystem hinausläuft. Auch wenn die Hauptschule in Vreden sehr hoch gehalten wird: Wir müssen uns der gesellschaftlichen Realität stellen. Die Anmeldezahlen zeigen das. Ich war immer dafür, Schüler in heterogenen Lerngruppen zu unterrichten statt zu sortieren. Selektion ist leicht für die Starken, aber für die Hauptschüler schwierig.

Und das geht in einer Gemeinschaftsschule besser?
Köppen: In einer Gemeinschaftsschule haben wir mehr Ressourcen. Der Richtwert der Klassenstärke liegt bei 24 statt 28 Schülern, die Lehrer haben weniger Unterrichtsstunden und so mehr Zeit für intensive Vorbereitung – die braucht es auch. Der Ganztag – ohne den ginge es nicht – bringt mehr Zeit für projektorientiertes Arbeiten. Drei lange Tage und zwei kurze planen wir bislang.

Welche Vorteile sehen Sie noch?
Huning: Uns geht es darum, die Starken und die Schwachen zu fördern und zu fordern. Die Hauptschüler können nur profitieren, eine heterogene Gruppe wird immer Leistungsanreize mit sich bringen. Aber auch die Starken profitieren. Die Arbeit des Lehrers mit dem Schüler muss verändert werden, sonst können wir weitermachen wie bisher. Es ist vielleicht ein Spruch, aber: Wir müssen weg vom Frontalunterricht und hin zum selbsttätigen Lernen der Schüler.

In Kürze
  • In der Arbeitsgruppe sind die Schulleiterinnen, Konrektoren, Vertreter der Kollegien, der Elternpflegschaften, von der Stadtverwaltung Erster Beigeordneter Bernd Kemper und Hubert Krandick als Fachabeiltungsleiter vertreten. Vier Mal hat die AG bislang getagt.
  • Die AG ist um Transparenz bemüht. Pin-Wände oder Internetforen werden für die Lehrkräfte angeboten – dort sind Einladungen oder Protokolle der Sitzungen einzusehen. Es kann aber auch jeder als Gasthörer an den Sitzungen der AG teilnehmen.
  • Nach Pfingsten ist eine Informationsveranstaltung für alle Eltern vorgesehen, dann folgt eine Befragung der Eltern. 


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