Erfolgsgeschichte: Seit 25 Jahren fährt der Bürgerbus
VREDEN Eines teilen sie alle: „Ich fahre gern Auto“. Dies ist eine Erklärung auf die Frage an die Bürgerbusfahrer, warum sie ehrenamtlich hinterm Steuer sitzen. Und das zum Teil schon 25 Jahre lang: Genau am 9. Februar vor einem Vierteljahrhundert rollte der Bürgerbus zu seiner allerersten Tour durch die Vredener Lande los.
Der Bürgerbus sorgt für die Anbindung der Dörfer an die Stadt Vreden und umgekehrt. Seit 25 Jahren lenken unter anderem Mathilde Wisseling, Anni Huning und Edith Windmeier (v. l.) den mittlerweile sechsten Bulli. (Foto: Anne Winter-Weckenbrock)
Fotostrecke Bilder aus 25 Jahren mit dem Bürgerbus
Täglich wird der Bulli von sechs Fahrern 480 Kilometer über die zwei Routen gelenkt, von montags bis freitags beginnt um 7 Uhr die Linie am Busbahnhof und endet dort um 19 Uhr. Gerne oder sogar leidenschaftlich gern zu fahren ist da sicher eine wichtige Voraussetzung. Aber der „Faktor Mensch“ spielt auch eine große Rolle, betonen erfahrene Bürgerbusfahrer im Gespräch mit der Redaktion. „Die Kommunikation macht viel Freude“, weiß Egbert Terhürne. Er ist Vorsitzender des Bürgerbusvereins und von Beginn an als Fahrer dabei – wie auch Elfriede Haase, Anni Huning, Edith Windmeier Mathilde Wisseling, Hanns Kleingries, Franz Winkelhorst, Johann Huning, Josef Bertram und Horst Borowski. Zehn von mehr als 40 Fahrern lenken den Bürgerbus schon seit 25 Jahren.Einiges erlebt bei den Fahrten
Ein Vierteljahrhundert Fahrgäste befördern – die Bürgerbusfahrer haben einiges erlebt. Schmunzelnd erinnert sich Edith Windmeier an ihre erste Bürgerbusfahrt: Gleich war das Fernsehen mit an Bord: „Auf dem Weg zum Marienhook bin ich auf der kleinen Teerstraße von der Fahrbahn abgekommen. Der Kameramann wollte da ein Bild vom Ortsschild machen – das ist dann verwackelt!“ Und Hanns Kleingries hatte die Ehre, den VW-Bulli zur Einweihung auf den Marktplatz zu chauffieren. Den kleinen Dachvorsprung am damaligen Modehaus Wissing hatte er nicht auf der Rechnung: „Noch nicht eingeweiht, und schon ’ne kleine Macke drin“, erinnert sich Kleingries heute lachend. „Hat aber keiner ’was gesagt“, fügt er hinzu. Anni Huning erinnert sich gern ein eine Fahrt, die noch gar nicht lange zurückliegt: Bewohner des Pflegezentrums St. Georg waren eine Tour mitgefahren, ein Betreuer hatte den „Reiseleiter“ gemacht, und die Senioren waren nachher ganz begeistert.
Sie alle haben auf ihren Touren oft die selben Fahrgäste, fast schon alte Bekannte. Auch die „Hauptstammkundschaft von St. Anton“, wie Hanns Kleingries es mit einem Lächeln formuliert. Manchmal sei es anstrengend mit einigen von ihnen, geben die Fahrer zu. Aber genauso oft sei man erstaunt und beeindruckt von den Lebensgeschichten, die mancher Bewohner der Einrichtung für Obdachlose in Köckelwick zu erzählen habe.
Eben das macht diese spezielle ehrenamtliche Tätigkeit aus, wird im Gespräch mit den Aktiven deutlich. Und der große Zusammenhalt im Verein, wie Anton Kleyboldt ergänzt. Er war lange Schriftführer im Verein und beruflich bei der Stadt Vreden für den Bürgerbus zuständig. Bislang habe es nie Schwierigkeiten gegeben, die ehrenamtlichen Fahrerpositionen zu besetzen. Und Stadt und Rat seien sehr dankbar über den großen Einsatz. Kurzum: Der Bürgerbus ist eine Erfolgsgeschichte.
Verein schon 1986 gegründet
90 Interessierte waren am 3. September 1986 dem Aufruf der Stadt gefolgt und hatten die Gründungsversammlung im „Ammelsken Kring“ besucht. Sie wollten helfen, nach dem niederländischen Vorbild „buurtbus“ in ihrer ländlichen Heimat eine Buslinie auf ehrenamtlicher Basis aufrecht zu erhalten. Aus dem Hollandausschuss war damals der Anstoß gekommen, nachdem in Heek und Legden der Bürgerbus realisiert worden war. Nach allen notwendigen Vorbereitungen in Theorie und Praxis rollte der erste Bus am 9. Februar 1987 um 7.35 Uhr los.
Ab dem 3. November 1988 fuhr der kleine Bus auch nach Winterswijk – diese im Land einzigartige grenzüberschreitende Linie musste 1999 aus finanziellen Gründen eingestellt werden. Die Finanzierung erfolgt durch das Land NRW und die Westfalenbus AG, die laufenden Kosten trägt die Stadt Vreden. Im Schnitt fahren vier Gäste pro Fahrt mit, im Winter mehr als im Sommer.
- Zahlen: Zum 31. Januar 2012 hat der Bürgerbus 2 851 281 Kilometer zurückgelegt und dabei 291337 Fahrgäste befördert.
- Fahrzeuge: Mittlerweile wird der sechste Bulli bewegt – Automatikgetriebe hatten erst die letzten beiden.
- Namen: Vorsitzende des Bürgerbusvereins waren Gerhard Gericks, Anni Huning und aktuell Egbert Terhürne. Hans Nienhaus von der Westfalenbus AG war wesentlich am Aufbau beteiligt. Gerd Wensing kümmerte sich über Jahre um den pünktlichen An- und Abtransport und das Fahrzeug überhaupt.















