Max Frisch im Grillo Essen: "Graf Öderland": Staatsanwalt läuft Amok
ESSEN In Max Frischs "Graf Öderland" geht es um eine anarchistische Rebellion. Das Aufbegehren ist zwar verständlich, doch zum Ziel Freiheit / Selbstverwirklichung führt es nicht. Die finstere Parabel feierte am Wochenende Premiere im Grillo Theater.
Jan Pröhl als Staatsanwalt mit Axt.
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Aus diesem Albtraum gibt es kein Erwachen, das macht gleich das erste Bild klar: "Es wird immer enger", lässt Regisseurin Konstanze Lauterbach den Staatsanwalt sagen, dessen Hals schon in einer Schlinge steckt. Jan Pröhl spielt überzeugend diesen Staatsvertreter, der Verständnis für einen Mörder aus Langeweile hat und als eine Art Wiedergänger der fiktiven Gestalt des Grafen Öderland mit der Axt in der Ledermappe durch die Welt zieht.
Unlösbares Dilemma
Er will einfach nur leben, doch finden sich schnell Anhänger und schließlich muss er sich entscheiden, die Macht zu übernehmen oder sich bestrafen zu lassen. Er steckt in einem Dilemma: Die Geister die er rief, wird er nicht mehr los - und Regisseurin Lauterbach stellt recht pädagogisch, wenn auch eindrucksvoll das 14-köpfige Ensemble als Chor zum Deklamieren von Goethes "Zauberlehrling" an die Rampe.
Viele Regieeinfälle
Gespielt wird die "Moritat in zwölf Bildern" auf einer weißen, eisig-kristallinen Einheitsbühne (Karen Simon), die sich mit aufgestellten Papierfähnchen in ein Hotel verwandelt und mit einem riesigen Stillleben-Transparent den Saal für den Staatsempfang abgibt. Mit behutsamen Kürzungen ist die Tragikomik dieses gewaltsamen Ausbruchsversuchs in die Freiheit, der jedoch wieder in Unfreiheit führt, in Szene gesetzt. Doch die Inszenierung verliert sich zunehmend in vielen netten Regieeinfällen.







