Deutscher Tanzpreis: "Strahle weiter!"
ESSEN Einmal im Jahr, wenn die Verleihung des Deutschen Tanzpreises ansteht, wird Essen zum Nabel der Ballettwelt. Am Samstagabend war es wieder einmal soweit.
Der Preisträger Ivan Liska mit Kollegin Judith Turos und dem Bayerischen Staatsballett. (Foto: Kaufmann)
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Und wer nicht, wie der Vorjahrespreisträger Egon Madsen, in Italien eingeschneit war oder - wie John Neumeier - gerade in China weilte, fand sich im Aalto Theater ein. Weil die Preisträger beide vom Bayerischen Staatsballett kommen, wurde die festliche Ballett-Gala diesmal zur facettenreichen, vierstündigen Leistungsschau der Münchner Compagnie.
Ivan Liska geehrt
Den Deutschen Tanzpreis erhielt Ivan Liska, der 20 Jahre als "herausragender Bühnentänzer unseres Landes" bei John Neumeier in Hamburg gewirkt hat und seit 13 Jahren Direktor des Bayerischen Staatsballetts ist. Letzteres habe er, so der Verein zur Förderung der Tanzkunst in Deutschland e.V. und der Deutsche Berufsverband für Tanzpädagogik e.V. in ihrer Urkunde, zu einer "tänzerischen Visitenkarte in einer Reihe mit den internationalen Compagnien in Moskau, St. Petersburg, London, Paris, New York und Peking" gemacht.
Spitzentanz in Vollendung
Die künstlerische Direktorin der Kulturstiftung des Bundes Hortensia Völckers ließ in ihrer Laudatio die Karriere Liskas Revue passieren, lobte seine "Beständigkeit im Wechsel" und rief ihm zu: "Strahle weiter!" Liska bedankte sich als Tänzer in dem ironisch-poetischen Ballett "The Old Man and Me" von Hans van Manen. Zwei Auszüge aus Neumeier-Balletten erinnerten an seine Hamburger Zeit. Cyril Pierre vertrat ihn dabei im "Nußknacker", Marlon Dino in der "Kameliendame". Beide Male brillierte Lucia Lacarra mit elegantem Spitzentanz in Vollendung. Die von Liska formierte Junior Company des Bayerischen Staatsballetts gefiel in Jiri Kyliáns folkloristisch getöntem "Evening Song".
Traumkarriere
Tänzerin Gözde Özgür wurde "für eine überzeugende Traumkarriere" mit dem Nachwuchspreis "Zukunft" ausgezeichnet. Sie sei "mit ihrer eindrucksvollen und vielseitigen Technik, ihrem überzeugenden Darstellungsvermögen und ihrem außergewöhnlichen Charme" auf dem Wege, "souverän die Bühnen der internationalen Ballettwelt zu erobern". Wie ihr das in München gelungen ist, zeigte sie vor allem als quirlige "Giselle" in der Choreografie von Mats Ek.
Blut im Schuh
Schriftsteller Wolf Wondratschek würdigte die junge Türkin mit einer augenzwinkernd ballettkritischen Rede, in der er u. a. von allabendlich riskierter Berufsunfähigkeit, schmerzendem Rücken und Blut im Schuh sprach: "Romantisch ist das nicht!" Aber es gäbe auch die positive Variante: "Alles geht gut, was ich Ihnen wünsche - Ihnen, Ihren Knochen und Ihrer Seele."







