Pindakaas-CD: Als Schönberg einen Glückwunsch grummelte
Erstaunt und neidisch blickt man auf die neue CD des münsterschen Saxofonquartetts Pindakaas und denkt: „Mann, sehen die gut aus.“ Sehen sie natürlich auch, aber in einen Jungbrunnen sind die vier Herren dann doch nicht gefallen. „Voyage“ ist die remasterte Neuauflage eines vergriffenen Klassiker-Albums von 1998, die Fotos sind aber die alten geblieben.
Das Pindakaas-Saxofonquartett in der Besetzung der 90er.
Fit für alle Epochen
Das Saxofon wurde zwar erst 1840 erfunden, auf ihrer musikalischen „Voyage“ beweisen Matthias Schröder, Guido Grospietsch, Marcin Langer und Joachim Schoofs (als einziger heute nicht mehr im Team und durch Anja Heix ersetzt) aber, dass dieses Instrument für alle Epochen taugt. In Renaissance-Musik des 15. Jahrhunderts klingt es wie ein Dudelsack, in Bachs melancholischem Contrapunctus wie eine wehmütige Schalmei, bei Isaac Albéniz’ lieblicher „Berceuse“ so sonnig wie ein Frühlingsmorgen in Granada.
Besonders fesselnd sind die brummigen Glückwunsch-Kanons, die Arnold Schönberg 1943 für seinen New Yorker Verleger Carl Engel vollendete. „Das Leben beginnt mit 60“, behauptet der im Booklet abgedruckte Text, während die überraschend barocke Musik eher ein 200 Jahre altes Geburtstagskind vermuten lässt. Engel mochte die Mutmach-Kanons außerordentlich, starb aber leider dennoch ein Jahr später.
Ewig währt der Liebeskummer
Ewig währen ohnehin nur die Liebe und der Liebeskummer, erzählt uns der unausweichliche Astor Piazzolla in seinem „Libertango“. Die Pindakaasler spielten das in den 90er Jahren schon alles genauso perfekt wie heute. Musikalisch sind sie immer jung, ganz ohne Wunderbrunnen und Photoshop.
Manuel Jennen
Voyage, Classic-Clips 905, ca. 16 Euro.







